„Hier grüßen sich die Menschen auf der Straße noch“
Kreis Ahrweiler. Hohenleimbach – ein Dorf lebt Inklusion. Auch wenn das neue Lebenshilfehaus dort erst seit 2023 in einem früheren Hotel und späteren Altenheim untergebracht ist, gehört es schon fest zu dem kleinen Ort in der Eifel. „Hier grüßen die Menschen sich auf der Straße noch“, sagt eine Bewohnerin, die bis zur Flut im Sinziger Haus der Lebenshilfe lebte. Wie alle ihre aktuellen Mitbewohner. Dorf und Lebenshilfehaus harmonieren. Das bewies der erste Neujahrsempfang der Organisation um den Kreisvorsitzenden Ulrich van Bebber. Neben Vertretern von Brohltal, Kreis und der Nachbarkommunen von Bad Breisig bis zur Grafschaft waren auch die Hohenleimbacher so zahlreich erschienen, dass Andrea Münz vom Heimbeirat ihre Begrüßung in fünf Worte fassen konnte: „Habt Spaß und gute Laune.“
So fand den van Bebber auch, dass der Neujahrsempfang zeigen solle, „dass wir bei aller Trauer und bei allem Schmerz (im Sinziger Lebenshilfehaus waren bei der Flut zwölf Menschen ums Leben gekommen) und bei allen Narben, die natürlich nie vergehen werden, jetzt den Blick hoffnungsvoll nach vorne richten. Und dieses Haus ist sozusagen unsere in Stein gegossene Zukunftshoffnung.“ Mit dem Einzug werde für die Lebenshilfe der Wiederaufbau zum ersten Mal sichtbar. Es sei ein Signal: „Die Lebenshilfe baut wieder neu auf.“ Dabei habe es am Anfang von Seite Skepsis gegeben, „nach dem Motto, das ist nicht Inklusiv genug, das ist weit weg vom Schuss, und wir hatten schon die Sorge, ob das hier alles funktionieren wird“, sagte van Bebber. Doch die Hauptbedenkenträger kannten die Eifeler nicht. „Alles hat sich noch viel besser entwickelt, als wir erhofft hatten“, stellte der Kreisvorsitzende vor der Festversammlung fest. Das Haus sei jetzt schon voll belegt und es gebe bereist eine Warteliste.
Einsatz fürs Dorfleben
„Zu verdanken ist dies auch dem Ortsgemeinderat und Ortsbürgermeister Thorsten Kabuth, die uns hier sehr positiv aufgenommen und unterstützt haben“, erkannte van Bebber an. Und kündigte an, dass sich auch die Lebenshilfe in das Dorfleben einbringen werde. „Wir planen, ein Inklusions-Café einzurichten, um eine noch stärkere Integration in den Ort zu erreichen.“ „Das passt“, freute sich denn auch Brohltal-Bürgermeister Johannes Bell. Denn, da der einzige Gasthof im Dorf seinen Betrieb eingestellt habe, sei ein neuer Treffpunkt für den Ort mehr als willkommen. Auch er brachte das Grüßen auf der Straße als Plus ein und kündigte an, dass die Ortsgemeinde aktuell plane einen inklusiven Mehrgenerationenplatz einzurichten, um das Zusammenleben noch mehr zu fördern. Dies unterstütze die Aufgabe der Lebenshilfe, dem Anspruch auf ein selbsterfülltes Leben für Menschen mit Beeinträchtigungen zu gerecht zu werden, zu erfüllen. Positive Resonanz, die auch zu Zukunftsplänen führt. So kündigte van Bebber an, im nächsten Jahr das Haus durch einen Anbau auf 24 Plätze zu erweitern. In einem weiteren Schritt will die Lebenshilfe in den nächsten Jahren ein neues Haus im Sinziger Zentrum mit 24 Plätzen beziehen und dann noch ein weiteres Haus mit acht Plätzen.
Neue Pläne in Sinzig
Auch im alten, von der Flut heimgesuchten Lebenshilfehaus, tut sich laut van Bebber etwas, auch wenn es nicht mehr als Wohneinrichtung genutzt werden soll. „In wenigen Tagen wird dort im Erdgeschoss eine Ergotherapie-Praxis einziehen. Wir werden dort dank der Unterstützung auch der Kreisverwaltung eine Kinder- und Jugendhilfe einrichten, eine Tagesförderung und dann auch die Verwaltung unterbringen“, blickte der Kreisvorsitzende in die Zukunft.
Für das Haus in Hohenleimbach unter der Ägide von Geschäftsführer Christian Seifert und Nadja Klar als Einrichtungsleiterin vor Ort ist er sich sicher, dass es, „wie das frühere Lebenshilfehaus in Sinzig, nicht nur ein familiäres Zuhause für die Bewohner, sondern ein Ort der Fröhlichkeit und des Lebens sein wird, ein Ort der Begegnung und des Zusammenlebens, ein Ort, an dem sich Menschen mit Beeinträchtigungen und Menschen ohne Beeinträchtigungen sich begegnen und gegenseitig bereichern.“ Eigentlich alles gesagt. Fand auch Kreisbeigeordneter Friedhelm Münch, der ob aktueller Ereignisse forderte, „nicht zuzulassen, dass Menschen ausgegrenzt werden und sich dafür einzusetzen, dass die Würde des Menschen unantastbar bleibt“. Die SPD-Landtagsabgeordnete Susanne Müller als neue Vorsitzende der Stiftung Lebenshilfe postulierte dafür ein Hand-in-Hand-Gehen von Politik und Lebenshilfe. Für sie sei es eine große Freude, Teil des Teams zu sein. Auch Lebenshilfe-Landesvorsitzende Helga Ringhof brach eine Lanze gegen Ausgrenzung: „Es gibt keine Norm für Menschen, alle haben die gleichen Rechte. Der Zeitgeist der Selbstoptimierung leiste der Abwertung von Menschen mit Beeinträchtigungen Vorschub: Das dürfen wir nicht hinnehmen.“ Und das neue Haus? „Als ich hier rein bin, dachte ich nur, wow.“ GS
