Café International in Rheinbach eröffnet
„Hier wird konkret etwas für die Flüchtlinge getan und nicht nur geredet“
Flüchtlingshilfekreis gibt jeden Montag von 10 bis 12 Uhr den in Rheinbach lebenden Flüchtlingen Hilfestellung
Rheinbach. „Hier wird konkret etwas getan und nicht nur geredet“, freute sich Bürgermeister Stefan Raetz über eine „überaus erfreuliche Initiative“, die aus der Bürgerschaft heraus entstanden sei: Das „Café International“ im Rheinbacher Jugendzentrum „Live“ in der Bachstraße 2 wurde jetzt offiziell vom Rheinbacher Flüchtlingshilfekreis eröffnet. Dort organisieren seit Anfang März etwa 30 ehrenamtliche Helfer jeden Montag von 10 bis 12 Uhr eine Anlaufstelle, um den inzwischen mehr als 150 in Rheinbach lebenden Flüchtlingen Hilfestellung zu geben. Die Ehrenamtler heißen die Asylbewerber dort freundlich willkommen, bieten Getränke an, spielen mit den Kindern und versuchen herauszufinden, wie sie konkret helfen können. Dies ist nicht immer ganz einfach, da sie oft mit Deutsch und den gängigen Fremdsprachen nicht weiterkommen. Denn viele Flüchtlinge kommen aus Syrien und dem Kosovo, Serbien und Albanien, aber auch aus Eritrea oder Guinea. „Mittlerweile müssen wir uns um Menschen aus 26 Nationen mit 26 verschiedenen Sprachen kümmern“, schildert die Sprecherin Verena Weber die Problematik. Deshalb werden auch weiterhin händeringend Menschen gesucht, die als Dolmetscher vor allem für die arabischen Sprachen, aber auch für albanisch, rumänisch und kurdisch dienen können.
Schnelle und unbürokratische Hilfe
Doch wie sollen sich die Neuankömmlinge in einer fremden Stadt ohne Deutschkenntnisse zurechtfinden und sich integrieren? Hier setzt der Flüchtlingshelferkreis an, der im Oktober 2014 von Rheinbacher Bürgern gegründet wurde, um schnell und unbürokratisch Hilfe zu leisten. „Zusammenhalt und Miteinander sind unverzichtbare Elemente in unserer Gesellschaft. Es ist unsere Aufgabe, die Integration der Asylbewerber in Rheinbach zu unterstützen“, so Weber. „Diese Menschen haben Schreckliches durchlebt, haben sich samt ihrer Kinder Tausende von Kilometern auf den Weg gemacht, um Verschleppung, Tod oder Hunger in ihrem Heimatland zu entfliehen. Oft sind sie traumatisiert. Sie brauchen mehr als ein Dach über dem Kopf und Geld für Lebensmittel. Sie brauchen eine Willkommenskultur und Kontakt zur Rheinbacher Bevölkerung, um sich hier zurechtzufinden und zu integrieren.“ Das sieht auch Bürgermeister Raetz so und freut sich über die unbürokratische Unterstützung seitens des Flüchtlingshilfekreises. So könne man ungezwungen mit den Personen in Kontakt kommen und ihnen die notwendige Unterstützung zuteilwerden lassen, denn in der informellen Umgebung des Cafés trauten sie sich eher zu sagen, wo der Schuh drückt, als offiziell beim Amt. Deren Zweifel und Misstrauen gegenüber den Behörden könne man durchaus nachvollziehen, wenn man berücksichtige, welche teilweise dummen Erfahrungen sie in ihrer Heimat mit der jeweiligen Obrigkeit gemacht hätten. „Durch ihre Initiative fühlen sich diese Menschen angenommen und willkommen. Sie wissen, dass sie keine Angst zu haben brauchen in Rheinbach, dass sie hier in Ruhe und Frieden und Sicherheit leben können.“
Orientierung in der neuen Stadt geben
So bemüht sich der Flüchtlingshilfekreis inzwischen um die Organisation ganz unterschiedlicher Dinge: Deutschkurse einschließlich Kinderbetreuung werden angeboten, Orientierung in der neuen Stadt gegeben, Hilfestellung bei Gesundheitsproblemen geleistet, bei Behördengängen oder Arztbesuchen begleitet, bei der Beschaffung von Möbeln, Fahrrädern sowie Organisation von Freizeitaktivitäten unterstützt, um vor allem die Kinder schnell zu integrieren. Dem Verein ist es mittlerweile schon gelungen, sich mit zahlreichen örtlichen Vereinen und Institutionen gut zu vernetzen. Von den Ringern bis zum Kindergarten „Wibbelstätz“, von den Queckenberger Kommunionkindern bis zum Eifelverein gebe es jede Menge Unterstützung. „In dieser Hinsicht ist Rheinbach ganz großartig“, freute sich Weber. „Doch wir sind alle angesprochen, die Integration von und Solidarität mit den Flüchtlingen zu fördern“, so Ursula Liebold aus dem Helferkreis. „Jeder aus einer fremden Kultur bedeutet auch eine Bereicherung für uns.“ Wenn man das Miteinander pflege, könne man gegenseitig viel voneinander lernen. „Ich bin optimistisch, dass wir in Rheinbach eine Atmosphäre des Willkommenseins schaffen können, wenn wir auch von der breiten Bevölkerung Unterstützung erhalten.“ Weitere Freiwillige, die zu dieser Willkommenskultur beitragen wollen, sind jederzeit gerne gesehen. Selbst wenn man sich nicht zu regelmäßigen Diensten ehrenamtlich zur Verfügung stellen will oder kann, besteht die Möglichkeit, mit kleinen „Zeitspenden“, beispielsweise mit zwei Stunden pro Monat, den Flüchtlingen zu helfen, sich in Rheinbach besser einzuleben. Anmelden kann man sich per E-Mail über info@fluechtlingshilfe-rheinbach.de, oder man kommt einfach Montagsvormittags zwischen 10 und 12 Uhr ins Jugendzentrum „Live“ in die Bachstraße und lernt so gleich neue Menschen kennen.
