Allgemeine Berichte | 15.03.2017

ADele – für Menschen mit Demenz und psychischen Erkrankungen

Hilfe, wo sie gebraucht wird

Beratung und Unterstützung auch für Angehörige

v.l.: Almut Heddenhausen (Angehörige), Leiterin der Angehörigengruppe Andrea Schmidt, Irmtraut Ley (Angehörige) und Leiterin des SPZ Sabine Graaf vor der Einrichtung ADele.-CEW-

Meckenheim. ADele klingt auf das erste Hinhören nach einem Namen für einen Schlager aus vergangener Zeit oder einer britischen Pop-Sängerin. Wer zwei Mal hinhört und hinguckt, stellt fest, dass sich hinter diesem Kürzel ein umfangreiches Angebot in Meckenheim verbirgt. ADele steht nämlich für das Ziel des Angebots: „Mit Alzheimer und Depression leben lernen“. Die Fachberatungsstelle im sozialpsychiatrischen Zentrum ist offen für alle Einwohner des linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreises. Menschen aus Meckenheim, Alfter, Bornheim, Rheinbach, Swisttal und Wachtberg können hier Unterstützung finden, wenn es um Demenzerkrankungen, Depressionen oder andere psychische Erkrankungen im Alter geht. Dabei ist nicht ausschlaggebend, ob die Menschen selbst betroffen sind oder ob sie sich um einen Angehörigen kümmern oder ihn gar bereits pflegen. Wer in die Fachberatungsstelle kommt, findet ein offenes Ohr, viele Angebote und hilfreiche Tipps zum Alltagsleben mit der jeweiligen Erkrankung.

Hilfe erwarten können zum Beispiel Betroffene, die trotz ihrer Einschränkungen so lange wie möglich eigenständig leben wollen. Allein die oft genug odyssee-artige Suche nach dem richtigen Facharzt treibt manchen Kranken oder seine Angehörigen in die Verzweiflung. „Ich stand plötzlich ganz allein vor dieser Aufgabe, vor all den Formularen“, berichtet eine Angehörige. „Ich war froh, als ich hier Unterstützung gefunden habe.“

Kontaktvermittlung und persönliche Begleitung

ADele kennt nicht nur die richtigen Ansprechpartner, sondern sorgt auch für die Begleitung dorthin, wenn es nötig sein sollte. Wer nicht mehr in der Lage ist, sich selbst zur Beratungsstelle zu begeben, kann die Unterstützung telefonisch oder bei einem Hausbesuch erhalten. In einem gemeinsamen Gespräch werden auch Alltagsprobleme erörtert und Lösungsansätze gesucht. Dabei klären die Mitarbeiter unter anderem über die Krankheitsbilder auf und erläutern verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Weil der Mensch nicht nur einen Körper, sondern auch eine Seele hat, gibt es Entlastungsangebote, um dem Betroffenen und den Angehörigen Erleichterungen im Umgang mit der Erkrankung zu verschaffen. Die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse der Beratungssuchenden sind dabei ausschlaggebend.

Hilfe für einen sicheren, geregelten Alltag

Konkrete Hilfen sind die Planung des Alltags mit der jeweiligen Einschränkung und Unterstützung bei der vom Betroffenen gewünschten weiteren Lebensplanung. Auch Themen wie Antragsstellungen, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und – für den Fall der Fälle – gesetzliche Betreuung können hier unter dem Schutz der Schweigepflicht besprochen werden. Behördengänge und das Ausfüllen amtlicher Formulare kann man dem Betroffenen zwar oftmals nicht vollständig abnehmen. Jedoch ist eine sachkundige Beratung und Unterstützung dabei sehr wohl möglich, ebenso wie Hilfe bei der Beantragung von Leistungen aus der Pflegeversicherung.

Außerdem hält die Beratungsstelle eine große Palette an Ansprechpartnern bereit, wenn es um die Organisation von Pflegediensten, Tages- oder Nachtbetreuungen, Alltagsbegleitern oder Tagespflege geht. Auch, wenn das selbstständige Leben wegen der Erkrankung nicht mehr möglich ist, ist ADele die richtige Adresse. Hier kann man einen Überblick über alternative Wohnformen und Unterstützung bei der Umsetzung der Veränderung erhalten.

Angehörige tauschen sich aus

Pflegende Angehörige von Demenzkranken haben in den Räumen von ADele in der Adolf-Kolping-Straße 2 in Meckenheim die Gelegenheit, sich in der Angehörigengruppe auszutauschen und wertvolle Tipps zu erhalten. Der nächste Termin hierfür ist am Dienstag, 21. März von 10 bis 11.30 Uhr.

„Hier habe ich die Möglichkeit, meine Sorgen mit Menschen zu besprechen, die das verstehen, weil sie selbst in einer ähnlichen Situation sind“, berichtet eine Angehörige, die seit der Einrichtung der Gruppe im Jahre 2013 dabei ist. „Man ist nicht alleine. Es gibt andere, die auch betroffen sind und man kann sich austauschen“, hört man von einer anderen pflegenden Angehörigen. So könne man Tipps und Tricks erhalten und weitergeben, auf die man von selbst nie gekommen wäre. So „verkaufe“ sie ihrem betroffenen Mann, der die Einnahme von Medikamenten aus Krankheitsgründen oft verweigert, seine Tropfen als Schnäpschen, das alle zusammen vor dem Essen zu sich nehmen. Sein Gläschen enthält außer dem Wasser, das alle vor sich stehen haben, die notwendigen Tropfen.

Gerade der Austausch untereinander und die manchmal einfachen Lösungen für unlösbar scheinende Probleme machen diese Gruppe so wertvoll, erklärt Andrea Schmidt, die Leiterin der Angehörigengruppe. Zu diesem Termin ist keine Anmeldung notwendig. Jeder Angehörige, der Unterstützung sucht oder einfach nur mit anderen seine Sorgen und Erfahrungen teilen möchte, ist herzlich willkommen.

Gemeinsame Nähe in der Musik

Ein weiteres Angebot, das Musik-Café von ADele, zielt auf die Erhaltung und Steigerung der Lebensfreude ab. Viele Demenzerkrankte erinnern sich kaum noch an Namen oder Menschen und verzweifeln manchmal schier darüber. Aber wenn die Musik spielt, können sie wieder ein wenig am Leben teilnehmen und manche tanzen sogar, weil der Tanz eben nicht in Vergessenheit geraten ist.

Musik und Tanz gibt es für Betroffene, Angehörige, Freunde und Begleiter beim nächsten Musik-Café am Dienstag, 11. April. Während man sich für die Angehörigengruppe nicht anzumelden braucht, ist für das Musik-Café eine Anmeldung unter Tel. (0 22 25) 999 76 24 bei Birgit Knels gewünscht.

Freude teilen: Die Methode „Marte Meo“

Zusätzlich findet am 28. April von 14 bis 17 Uhr im katholischen Bildungswerk am Kirchplatz 1 (Hintereingang) ein Einführungsnachmittag für Angehörige, DemenzbegleiterInnen, haupt- und ehrenamtliche MitarbeiterInnen und andere an der Methode „Marte Meo“ Interessierte statt. Die Methode befasst sich mit Möglichkeiten, trotz Demenz Freude zu teilen und manche Alltagsprobleme mit passenden Strategien zu lösen. Auch zu diesem Termin bitten die Veranstalter um Anmeldungen unter der Tel. (0 22 25) 99 97 60 oder per E-Mail an spz@skm-rhein-sieg.de.

Für das außergewöhnliche Engagement wurde dem Team von Marte Meo der Elisabeth-Preis verliehen.

Für das außergewöhnliche Engagement wurde dem Team von Marte Meo der Elisabeth-Preis verliehen.

In der Angehörigengruppe entsteht für viele Menschen ein unterstützendes Miteinander. Das nächste Treffen ist am Dienstag, 21. März.

In der Angehörigengruppe entsteht für viele Menschen ein unterstützendes Miteinander. Das nächste Treffen ist am Dienstag, 21. März.

v.l.: Almut Heddenhausen (Angehörige), Leiterin der Angehörigengruppe Andrea Schmidt, Irmtraut Ley (Angehörige) und Leiterin des SPZ Sabine Graaf vor der Einrichtung ADele.Fotos: -CEW-

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