Mit einer Seilscheibe entfernte der Kampfmittelräumdienst den gefährlichen Zünder der 250 Kilo-Bombe
Hinter Wohnhaus in Deckung gegangen
Entschärfung unter Leitung des Koblenzers Marco Ofenstein war problemlos – Evakuierung verzögerte sich
Koblenz. In Deckung hinter ein Wohnhaus gingen die fünf Experten des Kampfmittelräumdienstes als sie auf der Karthause eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärften. „Der Zünder der britischen Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist nicht risikolos“, sagte Kolonnenführer Marco Ofenstein, der in Horchheim wohnt. „Durch Alterung, Materialunverträglichkeit und dem Riss in der Bombe kann es Probleme geben“, meinte er vor der Entschärfung.
So setzten die Kampfmittelräumdienstleute eine sogenannte Seilscheibe ein: „Die wird am Zünder angebracht, wir ziehen aus unserer Deckung an einem Seil das die Seilscheibe bewegt und so Stück für Stück den Zünder entfernt“, erläuterte Marco Ofenstein.
Und das gelang, überwacht von einer Kamera, problemlos in knapp 20 Minuten. Nachdem der mechanische Aufschlagzünder entfernt war, ging es an das zweite Bauteil des Zünders. „Die gefährliche Komponente ist der Detonator mit dem Initialsprengstoff, der sich nicht transportieren lässt. Den haben wir vor Ort gesprengt, wobei es nur einen leichten Knall gab“, berichtete Ofenstein und weiter: „Die Bombe kommt jetzt ins zentrale Zwischenlager bei Koblenz und später in einen Zerlegungsbetrieb in der Lüneburger Heide.“
Wäre die Bombe an ihrem Fundort auf der Baustelle an der Straße „Am Vogelschutzpark“ am Zentralfriedhof explodiert, „...wäre das Umfeld stark beeinträchtigt worden und Splitter und andere Gegenstände von Häusern wären mehrere hundert Meter weit geflogen“, gab Marco Ofenstein zu Bedenken.
Sperrzone im Umkreis von 500 Metern um die Bombe
Deshalb hatte die Koblenzer Stadtverwaltung eine Sperrzone im Umkreis von 500 Metern um die Bombe angeordnet. Diese Zone musste, mit Ausnahme der Männer vom Kampfmittelräumdienst, am vergangenen Sonntag ab 10 Uhr aus Sicherheitsgründen absolut menschenleer sein. Jedoch konnte der Zeitplan nicht eingehalten werden, da sich fünf Bürger weigerten ihre Wohnung zu verlassen. Mitarbeitern des Koblenzer Ordnungsamts, das mit 62 Kräften im Einsatz war, gelang es dann doch, diese Leute aus der Gefahrenzone zu führen.
„Später hätten wir ein Ordnungsgeld oder sogar eine Geldbuße verhängen können“, sagte Ordnungsamtsleiter Josef Hehl. Ein weiteres Problem war das Studentenwohnheim, in dem noch Menschen waren, die praktisch noch gesucht werden mussten.
Insgesamt wurden etwa 4000 Personen evakuiert
Insgesamt wurden etwa 4000 Personen evakuiert. Dafür mussten 115 Feuerwehrleute an etwa 1000 Wohnungen klingeln, um sich davon zu überzeugen, dass wirklich niemand mehr im Haus war. Zuvor hatten THW-Leute in Lautsprecherwagen auf die Situation hingewiesen und Tage zuvor hatte die Stadtverwaltung Infoblätter verteilen lassen, in denen die Bürger aufgefordert wurden sämtliche Rollläden zu schließen.
Die Polizei, von der 42 Beamte im Einsatz waren und sieben Straßen zum Sperrgebiet abriegelten, ließ ihren Hubschrauber kreisen. Der hatte eine Wärmebildkamera an Bord um auf dem Zentralfriedhof, der schon einen Tag vorher gesperrt war, Menschen aufzuspüren.
Um 11.30 Uhr war es geschafft: Das Evakuierungsgebiet war absolut geräumt und der Kampfmittelräumdienst begann mit seiner Arbeit.
„Einsatzmäßig war der gesamte Bereich in drei Abschnitte eingeteilt“, erläuterte Franziska Zimmer, Pressesprecherin der Berufsfeuerwehr Koblenz. Während der Entschärfung hielten sich Einsatzleiter, Wehrleute und Ordnungsamtsmitarbeiter in der Aula des Schulzentrums auf von wo sie zwei Stunden zuvor losgeschickt worden waren.
Etwas weiter, in der Sporthalle des Schulzentrums Karthause, war eine Auffangstation für die Evakuierten. „Wir haben hier insgesamt 23 Leute mit Verpflegern, Betreuern und Seelsorgern. Denn bei älteren Menschen könnten sich Kriegserlebnisse manifestieren und da haben wir lieber jemand dabei, der gut ausgebildet ist“, betonte Markus Benedet, der als Leiter des Katastrophenschutzes beim Malteser Hilfsdienst Chef der Auffangstation war. Die wurde von fast 65 Bürgern aufgesucht für die Kaffee, Tee und Wasser bereitstanden.
Um 12 Uhr teilte Abschnittsleiter Philipp Kron, Brandoberinspektor bei der Berufsfeuerwehr Koblenz, offiziell mit: „Die Bombe ist entschärft“.
Damit endete der Einsatz aller Kräfte, denn alle Sperrungen, auch die acht Straßen die die Feuerwehr blockiert hatte, wurden aufgehoben und die Bürger konnten in ihre Wohnungen zurück. HEP
In die Auffangstation in der Sporthalle kamen etwa 65 Evakuierte.
Auf dieser Baustelle am Zentralfriedhof wurde die Bombe, die die Berufsfeuerwehr mit einem Zelt überdacht hatte, entdeckt.
Da die Bombe einen Riss hat hätte die Entfernung des Zünders rechts schwierig werden können.
Marco Ofenstein zeigt den mechanischen Zünder, der per Seilschreibe entfern wurde.
Brandoberinspektor Philipp Kron teilte den Einsatzkräften die erfolgreiche Entschärfung der Bombe mit.
