Allgemeine Berichte | 16.09.2021

Institut für Künstlerische Keramik und Glas (IKKG) in Höhr-Grenzhausen

Historischer Kannofenbrand

Start am Freitag, 24. September

Das Salzen, wie hier 2016, wird live im Internet zu sehen sein. Foto: Prof. Markus Karstieß

Höhr-Grenzhausen. Am letzten Wochenende im September steht in Höhr-Grenzhausen ein ganz besonderes Ereignis im Kalender, das zuletzt 2016 stattgefunden hat: In Zusammenarbeit mit der Stadt und Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen und dem Keramikmuseum Westerwald organisiert das Institut für Künstlerische Keramik und Glas (IKKG) der Hochschule Koblenz am WesterWaldCampus mit dem Studiengang Freie Kunst Keramik wieder auf dem Gelände der Hochschule einen Brand des historischen Kannofens. Coronabedingt hatte dieser 15. Kannofenbrand 2020 nicht wie geplant stattfinden können. Um dieses Erlebnis nun trotz der Pandemie einer möglichst großen Anzahl an Interessierten anbieten zu können, wird der Brand des Ofens ab Freitag, 24. September, 20 Uhr, bis Samstag, 25. September, 20 Uhr, 24 Stunden lang live im Internet gestreamt. Dabei wird neben dem Feuern des Ofens auch der besonders imposante Vorgang des Salzens (am Samstag zwischen 14 und 15 Uhr) im Livestream auf www.keramik-stadt.de und unter https://youtu.be/aqxfvSiMp5E zu sehen sein.

Den diesjährigen Brand leitet die neue Werkstattleiterin des IKKG, Nora Arrieta. Sie wird von den lokalen Keramikern Arthur Mueller – ehemaliger Werstattleiter des IKKG und verantwortlich für den Brand 2016 – Gideon Necker, Martina Latka und Gerhard Tattko unterstützt. Nachdem der letzte Brand bereits vor fünf Jahren stattgefunden hatte, war die Neuauflage nun allen beteiligten Institutionen ein besonderes Anliegen. „Diese Tradition, mit der in Höhr-Grenzhausen beziehungsweise dem Kannenbäckerland früher regelmäßig Keramik hergestellt wurde, kann heutzutage kaum noch durchgeführt werden“, bedauert Nora Arrieta. Das Wissen um die Technik des Brennens gehe leider immer mehr verloren: „Der Brand des Kannofens dient daher insbesondere der Pflege, Erhaltung und Weitergabe dieses immateriellen Weltkulturerbes.“

Insgesamt haben rund 60 Künstlerinnen und Künstler keramisch-plastische Stücke geliefert, die nun nach „alter Tradition“ gebrannt werden. Der Kreis der Teilnehmenden ist international – von England über Belgien bis zu den USA und mit vielen Keramikerinnen und Keramikern sowie und Bildhauerinnen und Bildhauern aus Deutschland. Unterstützt wird Nora Arrieta bei den vielfältigen Aufgaben rund um den insgesamt 60 h dauernden Kannofenbrand von Studierenden der Kunstakademie Münster, der Weißensee Kunst-Hochschule Berlin, der MAD Faculty Universiteit Hasselt Belgien sowie selbstverständlich von den Studierenden des IKKG. Diese kommen aktuell aus Korea, Taiwan, China, USA und Deutschland. Sie werden sich beim mehrtägigen Befeuern des Ofens, das rund um die Uhr erforderlich ist, gegenseitig ablösen. Der Kannofen, den das IKKG seit 1992 regelmäßig nutzt, wurde vollständig restauriert und ist einer der letzten Öfen seiner Art. Elfriede Balzar-Kopp ließ hier 1929 ihren ersten eigenen Ofen mit einem Volumen von 6,5 Kubikmetern bauen und betrieb ihn bis 1961. 1938 erhielt der Ofen seinen Fachwerk-Überbau. Das Salzen findet bei etwa 1270 Grad Celsius statt. Hierbei wird sehr grobkörniges Kochsalz mit langen Eisenlöffeln in den Ofen eingebracht. Das Natriumchlorid (Kochsalz) verbindet sich dabei mit dem im Scherben vorhandenen Quarz und bildet die Salzglasur. Die Salzglasur ist der bedeutendste Beitrag Deutschlands zur Entwicklung der traditionellen Keramik. Dieser holzbefeuerte Ofentypus wurde – 500 Jahre lang unverändert – bis in die 1990er Jahre gebaut, steht unter Denkmalschutz und zählt zum immateriellen Weltkulturerbe.

Der Übertragung des Feuerns und Salzens des Kannofens ist von Freitag, 24. September, 20 Uhr, bis Samstag, 25. September, 20 Uhr, 24 Stunden lang live auf www.keramik-stadt.de und unter https://youtu.be/aqxfvSiMp5E zu sehen.

Weitere Infos zu den beteiligten Partnern unter www.ikkg.art und www.keramikmuseum.de.

Pressemitteilung Hochschule Koblenz

Das Salzen, wie hier 2016, wird live im Internet zu sehen sein. Foto: Prof. Markus Karstieß

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