Kulturpreis 2018 der Stadt Bendorf verliehen
Hohe Auszeichnung für Manfred Pohlmann
Ehrung für einen internationalen Künstler mit Sayner Wurzeln
Bendorf. In einem feierlichen Festakt in der Krupp’schen Halle auf dem Denkmalareal der Sayner Hütte wurde der bekannte Liedermacher Manfred Pohlmann für sein Lebenswerk mit dem Kulturpreis der Stadt Bendorf ausgezeichnet. Dieser mit 1.500 Euro dotierte Preis wird alle drei Jahre an verdiente Bendorfer Kulturschaffende verliehen.
„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ - dieses Sprichwort trifft in besonderer Weise auf Manfred Pohlmann zu. Der 1955 in Sayn geborene Sohn des großen Heimatdichters Fritz Pohlmann steht seit vielen Jahren auf den Bühnen Europas im Rampenlicht und gilt als namhafter Vertreter der moselfränkischen Mundartmusik, zu seinem weiteren Programm gehören auch Lieder auf Deutsch und Französisch. Traditionelle Melodien sowie Vertonungen der Gedichte seines Vaters bilden den Grundstock seines Repertoires, mit dem der international agierende Musiker sein Publikum bis heute zu begeistern weiß.
Am 29. Juli 1973 hatte Pohlmann zusammen mit Harald Becker seinen ersten öffentlichen Auftritt mit internationalem Folk und deutschem Liedermacherrepertoire. Bei den ersten Konzerten nannten sich die beiden „Becker & Pohlmann“, 1977 gründeten Becker und Pohlmann die Gruppe „Edelzwicker“, die bis 1987 Bestand hatte. Mit ihrem Programm „Lieder aus Deutschland und Frankreich“, zu dem außer deutschen und französischen auch elsässische Lieder gehörten, spielten sie über 300 Konzerte im In- und Ausland und veröffentlichten eine Single und zwei Langspielplatten. Ab 1983 spielte Pohlmann mit Bub Meurer, Toni Steffens und Dirko Juchem in der moselfränkischen Folkrock-Gruppe „Waremnet?“, die sich 1987 wieder auflöste. Eine Person, die für Pohlmanns Musikerleben wichtig war, ist sein ehemaliges Jugendidol Roger Siffer. Seit 1997 arbeitet Pohlmann mit Siffer zusammen.
Bis heute absolvierte Pohlmann mehr als 3.000 Auftritte in Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Belgien, Österreich, Italien und der Schweiz, wo er unter anderem mit Künstlern wie Hanns-Dieter Hüsch, Alan Stivell, den 17 Hippies, Ted Herold, Joana, Bernd Witthüser, Bill Ramsey und Toni Vescoli zusammenarbeitete. Neben der Mitwirkung in vielen TV-Produktionen und Theaterstücken ist er Mitglied der Bosener Gruppe, einem Zusammenschluss von Schriftstellern, die literarische Mundarttexte verfassen.
Der Bendorfer Bürgermeister Michael Kessler konnte in seiner Ansprache unter den vielen Gästen in der voll besetzten Halle in Sayn neben der Familie des Geehrten unter anderen das Fürstenpaar zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, Vertreter von Vereinen, den Nachbargemeinden, der Bendorfer Wirtschaft und Stadtratsmitglieder begrüßen.
Nach den Worten Kesslers hat sich der Kulturausschuss der Stadt mit Bravour der Mühe unterzogen, aus der Vielzahl der preiswürdigen Personen und Gruppen den richtigen Preisträger herauszufiltern und sich letztendlich für Manfred Pohlmann entschieden, einen sympathischen Menschen, Künstler, Literaten und Chansonnier, der seit ganz vielen Jahren mit seiner Kunst unterwegs ist. Der Bürgermeister: „Sein Schaffen und Wirken beweist, dass Heimat leben und unterwegs sein sich nicht ausschließen: in und aus Bendorf-Sayn, entlang der Mosel in die Nachbarländer, in deren Sprache und Kultur hinein ist für ihn keine Hexerei.“
„Träume nicht dein Leben, Lebe deinen Traum!“ Mit diesem Zitat von Tommaso Campanella begann Dirko Juchem, ein Freund und langjähriger künstlerischer Begleiter Pohlmanns seine emotionale Lobrede auf den Preisträger, um dann fortzufahren: „Dieser Ausspruch war mein erster und spontaner Gedanke als ich gebeten wurde, die Laudatio anlässlich der Verleihung des Bendorfer Kulturpreises an meinen lieben Musikerkollegen und Freund Manfred Pohlmann zu halten. Ich denke, dieses Zitat passt ganz hervorragend zu Manfred.“ Pohlmann habe als gelernter Schriftsetzer in einem Mainzer Betrieb den sicheren Weg einer bürgerlichen Existenz mit Mut und Entschiedenheit verlassen um seinen künstlerischen Traum zu verfolgen und aus seiner Berufung einen Beruf zu machen. Juchem weiter: „Wenn ich von Mut und Entschiedenheit spreche, dann meine ich damit im Besonderen den Mut eines kunstschaffenden Musikers wie Manfred Pohlmann, der nicht nach einem kommerziellen Markt rechts und links schaut, bei dem es womöglich leichtes Geld zu verdienen gäbe, sondern der auf dem geraden Weg bleibt, der seine ureigensten künstlerischen Ideen verfolgt und sich selbst damit treu bleibt.“ Seine weiteren Ausführungen zeigten eine besonders herzliche Beziehung zu dem Preisträger und seiner Musik und offenbarten dessen Liebe zu seiner Bendorf-Sayner Heimat und den Menschen sowie seinen Weggefährten. Nach einem kurzen Zwischenspiel von Harald Becker, Pohlmanns musikalischer Begleiter der ersten Stunde, überreichte Bürgermeister Kessler dem Geehrten unter dem Applaus der zahlreichen Gäste den Kunstpreis in Form einer Urkunde und eines Schecks, bevor Abordnungen der im Stadtrat vertretenen Parteien ihre Glückwünsche überbrachten. Zum Dank für die Auszeichnung gab der frisch gebackene Kulturpreisträger nach einer kleinen expressiven Rede für das Publikum ein eindrucksvolles Konzert unter der Mitwirkung von Dirko Juchem und langjährigen Musikerkollegen.
Anschließend verweilten die Gäste bei Getränken und einem Imbiss mit Manfred Pohlmann und seiner Familie noch eine lange Zeit in gemütlicher Runde.
Bürgermeister Michael Kessler bei seiner Ansprache.
Dirko Juchem hielt die Laudatio auf Manfred Pohlmann.
Manfred Pohlmann erhält aus den Händen von Bürgermeister Michael Kessler den Kulturpreis der Stadt Bendorf.Fotos: GM