Allgemeine Berichte | 10.11.2017

Integrierte Gesamtschule Pellenz lud zum Vortragsabend

Ich kann was und ich bin wer - Warum Lernen glücklich macht

Rainer Schmidt hielt einen humorvollen und zum Nachdenken anregenden Vortrag

Ich kann was und ich bin wer - Warum Lernen glücklich macht

Pellenz. Kinder lernen in stabilen Beziehungen. Sie müssen spüren, dass sie den Menschen, die mit ihnen befasst sind, etwas bedeuten. Es sind Aussagen wie: „Du bist mir wichtig“, „Ich will, dass du etwas lernst“ oder „Ich bin an deinen Fortschritten interessiert“, die die Kinder verinnerlichen müssen und die schließlich in ein Grundvertrauen in ihre Bezugspersonen und vor allem in ihre eigenen Fähigkeiten münden.

Und Kinder brauchen Herausforderungen. Sie wollen sich anstrengen, wollen für ihre Erfolge kämpfen und an den Herausforderungen wachsen. Sie brauchen auch die Erfahrung des Misserfolgs und des drohenden Scheiterns. Erfolg wird umso intensiver wahrgenommen, je größer die Anstrengung im Vorfeld ist. Wer auf Dauer unterfordert ist, langweilt sich, wer aber ständig überfordert ist, entwickelt Ängste…

Spannend und zutiefst menschlich ist das Bild der idealen Schule, das Rainer Schmidt da in seinem Vortrag zeichnet. Eine Schule, in der im schlechtesten Fall alle Kinder einer Klasse dieselbe Aufgabe mit derselben Methode in derselben Zeit lösen sollen, ist leider allzu häufig noch traurige Realität, aber nach Rainer Schmidt vollkommen unrealistisch und aus pädagogischer Sicht sinnlos. Heterogene Lerngruppen und unterschiedliche Lernvoraussetzungen erfordern ganz andere pädagogische Konzepte. Nicht nur Rainer Schmidt, auch viele der Zuhörerinnen und Zuhörer wissen freilich, dass die Integrierte Gesamtschule Pellenz in Plaidt in diesem Bereich bereits seit Langem erfolgreiche Pionierarbeit leistet.

Rainer Schmidt beschränkt sich aber keinesfalls darauf, nur die Rolle von Schule in ihrem Einfluss auf die Entwicklung zu einer starken und erfolgreichen Persönlichkeit zu beleuchten. Eltern und Familie haben diesbezüglich einen vielleicht noch stärkeren Einfluss. Und schließlich sind da noch die ganz besonderen Begegnungen, die das Leben eines Menschen prägen und beeinflussen können.

Die große Kunst des Referenten Rainer Schmidt liegt darin, ernste und ernst zu nehmende Inhalte humorvoll und kurzweilig zu präsentieren. Die knapp zwei Stunden vergehen wie im Fluge, denn Rainer Schmidt doziert nicht, er erzählt Geschichten - Geschichten aus dem Alltag in Situationen, die alle im Publikum so oder ganz ähnlich kennen. Aber vor allem Geschichten aus seinem eigenen, bewegten Leben, das fürwahr von Höhen und Tiefen gekennzeichnet ist.

Vom Sonderschüler zum Dozenten

So ist es sicher nicht ganz selbstverständlich, dass Rainer Schmidt, der im Jahr 1965 in dem 400-Seelendorf Gaderoth im Oberbergischen Kreis mit zwei zu kurz geratenen Armen und einem verkürzten rechten Oberschenkel geboren wird, später mehrfacher Weltmeister und Paralympics-Goldmedaillengewinner im Tischtennis wird. Ebenso wenig selbstverständlich ist, dass der Sonderschüler Rainer Schmidt über einige Umwege das Studium der Evangelischen Theologie sehr erfolgreich abschließt und nun Dozent am Pädagogisch Theologischen Institut in Bad Godesberg ist. Einem solchen Menschen nimmt man ab, wenn er sagt, dass das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten letztlich zum Erfolg und zu einem glücklichen Leben führt.

Mit einem sicheren Gefühl für gelungene Pointen und mit staubtrockenem Humor führt Rainer Schmidt durch den Abend. Die etwa 120 Zuhörerinnen und Zuhörer hat er dabei fest im Griff. Schließlich ist er nicht nur gefragter Experte auf dem Fachgebiet der inklusiven Bildung, sondern auch Kabarettist.

Die Initiative zu dem Vortragsabend kam vom Schulelternbeirat der IGS Pellenz in Plaidt. Er hatte zu dieser Veranstaltung eingeladen. Schulleiterin Martina Backmann begrüßte alle Anwesenden herzlich und dankte für das Interesse. Stefan Bernstädt, Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der IGS Pellenz in Plaidt e.V. und Nicole Schäfer, als Schulelternsprecherin die Gastgeberin des Abends, bedankten sich bei den Sponsoren, die es möglich machten, dass die rundum gelungene Veranstaltung für die Zuhörerinnen und Zuhörer kostenfrei angeboten werden konnte: dem Ministerium für Bildung, der VR Bank Rhein-Mosel e.G. und der Kreissparkasse Mayen.

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