Martinus-Gymnasium Linz
„Ihr seid die Schande unserer Schule“
Zur Eröffnung der Ausstellung konnte Martin Autschbach als Referent gewonnen werden
Linz. In der fünften und sechsten Stunde fand die Eröffnung der Ausstellung „Ihr seid die Schande unserer Schule“ (Ruth und Artur Seligmann: Szenen einer Spurensuche von Rosbach bis Stutthof) statt. Besucht wurde die Eröffnung von Deutsch-, Geschichts- und Philosophiekursen der elften und zwölften Jahrgangsstufen und ihren Lehrern sowie vom Bürgermeister der Verbandsgemeinde Linz, Hans-Günter Fischer. Durch den guten persönlichen Kontakt des Schulleiters Thomas Schmacke konnte Martin Autschbach als Referent gewonnen werden. Autschbach ist Pfarrer, Schulreferent des evangelischen Kirchenkreises Altenkirchen/Wied, geschichtskundiger Forscher und Kurator der Ausstellung. Den feierlichen Beginn der Eröffnung gestalteten Mitglieder der Bigband (Davide de Palo, Hoang Seidel und Nina Engels-Riegel) mit dem Lied „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo.
„Konstruktive, von gegenseitigem Respekt geprägte Zusammenarbeit und gegenseitige Wertschätzung“ sind Werte, die im 2008 verabschiedeten Leitbild des Martinus-Gymnasiums Linz (MGL) verankert sind. In der heutigen Pädagogik geht es um Chancengleichheit, um Integration, Inklusion.
Das war nicht immer so. Für Ruth und Artur Seligmann aus Rosbach an der Sieg, keine 50 Kilometer von Linz entfernt, hieß es: „Ihr seid die Schande unserer Schule.“ Dieser Satz, ausgesprochen von einem nationalsozialistischen Volksschullehrer in Rosbach gegenüber Kindern jüdischen Glaubens und Kindern aus sozialdemokratischen, kommunistischen oder pazifistischen Elternhäusern, steht stellvertretend für Mobbing, Diskriminierung, Hass und all das Unrecht, das Kinder und Jugendliche in der Zeit des Nationalsozialismus erleiden mussten. Auf entwürdigende Eingriffe folgte hunderttausendfacher Mord.
Die Ausstellung zeichnet in 20 Tafeln nach, wie jüdisches Leben in der Zeit des Nationalsozialismus auf dem Land aussah. Am Beispiel des jüdischen Geschwisterpaars Ruth und Artur Seligmann wird deutlich gemacht, was die zwölf Jahre nationalsozialistischen Terrors für sie und ihre Familien und Freunde bedeuteten. Der aufmerksame Betrachter erfährt auch von der Mitschuld vieler verschiedener Institutionen: der kommunalen Verwaltung, der Polizei, der Schule, der Kirche, der Wirtschaftsverbände und der Repräsentanten des örtlichen Vereinswesens. So wird deutlich, wer dafür verantwortlich war, dass bis heute jüdisches Leben in den ländlichen Regionen so gut wie verschwunden ist.
Erst die Einzelschicksale der jüdischen Kinder und Jugendlichen, hier am Beispiel von Ruth und Artur Seligmann, lassen wirklich erkennen, was unschuldigen Menschen angetan wurde. Wenn sich jemand mit ihrer Geschichte befasst und sie an sich heranlässt, der gibt ihnen posthum wenigstens einen Teil ihrer Würde zurück.
Seit 2013 ist das Martinus-Gymnasium Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage. Alle haben sich verpflichtet, in diesem Sinn zu lehren und zu handeln. Autschbach wünscht sich, dass die Ausstellung neben der Wissensvermittlung auch Anstoß bietet, über das eigene Verhalten, den eigenen Umgang mit anderen nachzudenken.
Die Betrachter sind eingeladen, zu Papier und Stift zu greifen und ihre Eindrücke, Gedanken und Kommentare festzuhalten und an den Roll-Ups zu befestigen und damit die Ausstellung mitzugestalten. „Möge die Ausstellung wach rütteln, dazu beitragen, dass an das Unrecht erinnert wird, gleichzeitig aber auch, dass nie wieder zugelassen wird, dass Menschen ausgegrenzt, verfolgt und in ihrem Lebensrecht beschnitten werden.“
Dass Gedenken überhaupt möglich ist, geht auf das unermüdliche Engagement Einzelner zurück. Autschbach hat mit der eindrucksvollen Einführung in diese Thematik gezeigt, wie es gelingen kann, das Wissen über die Vergangenheit an die nachfolgenden Generationen weiterzutragen.
Er fordert jeden Einzelnen auf, Forschungen anzustellen, wachsam zu bleiben und die Achtung und den Schutz der Würde des Menschen als oberste Richtschnur des eigenen Handelns konsequent zu leben.
Die Ausstellung zeichnet in 20 Tafeln nach, wie jüdisches Leben in der Zeit des Nationalsozialismus auf dem Land aussah.
