Riedener Passionsspiele in einer imposanten Ausstellung vieler Fotodokumente und Requisiten vor Augen geführt
Im „Oberammergau der Eifel“ soll es auch weiterhin heißen: „Es ist vollbracht“
Rieden. Laien-Darsteller zu sein, und dann noch bei Passionsspielen, das liegt wohl nicht jedem in der heutigen Zeit. Doch das ist in Rieden, dem Ort, wo immer der Hauch der Passion weht, seit jeher anders gewesen. Das ist hehre Tradition, im Passionsdorf, mit dabei zu sein, wenn die perfekt inszenierte Geschichte vom Leben und Sterben Jesu Christi, vor hunderten Besuchern über die Bühne geht. Aber, wie wird’s für die nächste Spielzeit im Jahre 2025 sein? Für die Verantwortlichen wieder eine immense Aufgabe der Organisation. Diese, jetzt eröffnete, liebevoll gestaltete Ausstellung in der Riedener Pfarrkirche, da wo auch die Aufführungen der Passion stattfinden soll „Lust aufs mit Dabeisein“ machen. Nicht nur für Riedener, sondern auch für interessierte Laiendarsteller oder Sänger der Region. Die Uhr des Gotteshauses schlug am Sonntag gerade 11, da kamen zur Freude von Vereinschef Joachim Engel und Regisseur Hans Peter Doll, schon viele Ehemalige, aber auch interessierte Besucher, um sich zu informieren. Die Schau ist vom 26. März bis zum 7. April 2023 bestückt mit Fotos, Kostümen, Dokumentationen, oder Requisiten der Querschnitt einer wahrhaft wunderbaren Geschichte, die einst im Jahre 1923 durch engagierte Mitglieder des Männergesangvereins „Frohsinn“ begonnen, der Anfang für eine lange Tradition, die der Passionsspiele im Eifelort Rieden. Die Gesangsakteure bestritten auch anschließend die beiden Spielzeiten in den Jahren 1934 und 1949. Sage und schreibe 16 Jahre gingen danach ins Land, bis die Mitglieder des Katholischen Junggesellenvereins sich dafür einsetzten, die Leidensgeschichte Jesu Christi wieder in Szene zu setzen. Und seit 1993 zeichnet die Laienspielgruppe des Katholischen Junggesellenvereins Rieden für erfolgreiche Aufführungen im Gotteshaus des Ortes verantwortlich. Einmal in die Rolle des Jesus von Nazareth, der Mutter Maria, oder einem der Jünger zu schlüpfen, für viele Riedener war dies immer ein Traum. Hier wo seit Generationen, Urgroßeltern, Großeltern, Eltern, Kinder und Enkel, ja oftmals ganze Familien bei diesem Mysterienspiel auf den Bühnenbrettern stehen, ist es eine Ehre mit dabei sein zu können. Viele Besucher lobten immer wieder in höchsten Tönen: „Es ist beeindruckend, was diese Menschen, diese Laienschauspieler hier bewirken. Sie nehmen mit ihren Aufführungen in hervorragender Weise tausende von Besuchern mit auf den Weg, der zum Osterfest und zur endgültigen Erlösung führt. Man kann sich diese mit viel Herzblut dargestellte Leidensgeschichte ohne Weiteres in jeder Spielzeit ansehen“. Und in der Tat, Meister-Regisseur Hans-Peter Doll und der „Chef“ der Laienspielgruppe, Joachim Engel, erfuhren es immer wieder, das Menschen aus nah und fern zum großen Ereignis mehrmals in die, zur Spielstätte würdig umgerüsteten, Riedener Pfarrkirche kamen. „Dies bestätigt uns im hohen Maße, die Qualität unser aller Arbeit, und gibt uns darüber hinaus eine hohe Motivation“, so die Beiden Verantwortlichen. Und die müssen sie auch haben, die über 220 Mitwirkenden, die bei insgesamt 25 Aufführungen, auf den Brettern, die für sie die Welt bedeuten, stehen. Und damit auch nichts „schief“ gehen kann, werden auch beim Nächsten mal alle Hauptrollen, beginnend mit den Jesus-Mimen, sowie den Darstellerinnen der Mutter Maria doppelt besetzt. Aber, eines muss man sich vor Augen halten. Passionsspiele, das ist nicht nur der Kreuz tragende Jesus, Passionsspiele, das ist auch eine tolle Organisation, in vielen Gruppen mit engagierten Riedenern erarbeitet, die hinter allem steht. Ob nun die Sängerinnen und Sänger, die Garderobieren, die Näherinnen, die Stylisten, die Bühnenbildner und Kulissenbauer, der Service, oder die wichtige Rolle des Souffleurs. Idealismus für die Tradition sind in hohem Maße gefordert Wie lange Jahre der Einsatz von Kameraden der Feuerwehr um den ehemaligen „Chef“, Urban Reuter, der, wenn er nicht gerade den Jünger „Petrus“ verkörperte, im Außenbereich vor der Kirche, dann wenn die Busse anrollten, und die Menschen zur Spielstätte strömten, alle Hände voll zu tun hatte. Fast 260 Riedener, ein Fünftel der Einwohner, sind bei den Spielen insgesamt für die „hehre Sache“, permanent im Einsatz. Und dann, wenn alles glücklich und erfolgreich über die Bühne gebracht wurde, konnte man mit Fug und recht mit den Worten Jesu, behaupten „Es ist vollbracht“. Toll was die Riedener immer wieder Großartiges leisten. Hut ab, das ist einfach phänomenal. Und wenn dann der letzte Vorhang einer Spielzeit gefallen ist, dann weht wieder dieser berühmte „Hauch der Passion“ über dem Dorf am Waldsee. Bis zur nächsten Spielzeit. In der Fastenzeit 2025. Dazu wird es eine Infoveranstaltung am Sonntag, den 2. April um 15 Uhr in der Riedener Schützenhalle geben. Hoffentlich mit großer Resonanz, damit alles wieder gut bei den Vorstellungen im nächsten Jahr vonstattengehen kann. Und da freuen sich schon viele Passions-Fans wieder darauf. Auf eine Passion, von der Bischof Ackermann, bei seinem Besuch bei den Riedener Spielen zu Blick aktuell sagte: „Diese Aufführungen beinhalten eigentlich alles, und da weiß ich als ehemaliger Laienspieler, wovon ich rede. Aber so etwas von Perfektionismus, von Spielleidenschaft, von exzellenter Regie durch Hans Peter Doll, über Bühnenbilder, Kostüme und den hervorragenden Chorgesang, habe ich noch in einem solchen Rahmen nicht erlebt. Es hat mich sehr berührt, wie Jesus aus Überzeugung heraus kontinuierlich seinen Weg geht, bis hin nach Golgotha. Und die Schauspieler erhalten, wie mir scheint, eine gewisse Bestärkung darin“. Hier sind Menschen, die sich aus Überzeugung und Tradition engagieren. Eine äußerst lebendige Laienspielgruppe mit einem regen Vorsitzenden, Joachim Engel, die in bewundernswerter Weise, agieren. Und da könnten wieder viele engagierte Riedener beim Nächsten mal mit dabei sein.
BS
Es war einmal. Die Kreuzigungsszene noch im Saale Doll. Damals spielte Ildefons Andres Jesus Christus. Für die Schächer fehlte der Platz.
Vor einer Passion rattern überall die Maschinen der Näherinnen.
Reporter Bernd Schmitz hielt damals schon die Passion im Bild fest.
Vorsitzender Joachim Engel: „BLICK aktuell brachte uns auf die Titelseite“
Gleich bei der Eröffnung der Passions Ausstellung gab es schon viel Betrieb. Der dreifache Jesus-Darsteller, Stefan Müller (3.v.r.) erläuterte den Besuchern „An diesem Kreuz hab ich damals gehangen“.
Bischof Ackermann war bei seinem Besuch der Spiele voll des Lobes.
So sieht die Kreuzigung heute aus.
Requisiteurin, Engel am Ölberg, Souffleuse, Prologsprecherin oder Stylistin, Beate Krebsbach, im Einsatz.
Stefan Müller: „Ich würde jedem raten einmal bei den Spielen dabei zu sein“. Er fungierte in den Jahren 1995, 2000 und 2005 als Jesus Darsteller.
Hermann Josef Hilger spielte bisher vier Mal die Rolle des Kaiphas.
Machen sich mit viel Zuversicht innerhalb der Ausstellung so ihre Gedanken für die Spielzeit 2025. V.l. Regisseur Hans Peter Doll und der Vorsitzende der Leienspielgruppe, Joachim Engel.
Hier in diesem Videofilm bin ich beim Tragen des schweren Kreuzes zu sehen. Da bekomme ich wieder Gänsehaut,“ erläutert Stefan Müller (Mitte).
