VMB Neuwied: Beeindruckende Theateraufführung nach dem Workshop
In die Traumrolle geschlüpft
Neuwied. Bei so viel Intensität und Spielfreude sprang der Funke über: Mühelos zogen 13 Kinder und junge Leute des „Vereins für Menschen mit Behinderung“ (VMB) ihre Zuschauer in den Bann. Und das nach nur zweieinhalb Tagen Probe. Bemerkenswert, was der nunmehr siebte Theaterworkshop des VMB, geleitet von Theaterpädagogin Petra Newiger, wieder auf die Beine stellen konnte. Aufgeführt wurde das von den Kindern und der Projektleiterin selbst geschriebene Stück „Was ich gern wär´“ in den Räumlichkeiten des VMB in Neuwied, auf dem Gelände des Heilpädagogisch-Therapeutischen Zentrums. Dabei lieferte Petra Newiger lediglich die Rahmenhandlung: Eine Zauberin verspricht den Kindern, sie in jede gewünschte Person verwandeln zu können. „Die Akteure durften dazu ihre Lieblingskostüme von zu Hause mitbringen“, erzählt sie. „War dort nichts Passendes vorhanden, haben wir hier in unserem Kostümfundus nachgesehen.“ Am Ende stand der Theaterpädagogin eine wahrhaft bunte Truppe gegenüber: Wikinger, Piraten, Indianer, Clowns und Drachen warteten auf ihren Einsatz, darunter auch Artemii Zorenco.
Der blinde Sänger hat mit seiner schönen Stimme schon oft beeindrucken können. Klar, dass er das Stück auch dieses Mal mit seinen Songs bereicherte, obwohl er bei seiner Rollenauswahl, wie er erzählt, erst mal „zwischen Tierarzt und Sänger“ schwankte. Nun galt es für Petra Newiger und ihre Truppe, die vielfältigen Charaktere zu einem Stück zusammenzubringen. Für die erfahrenen Theaterfreunde kein Problem: Nachdem die Kinder und Jugendlichen in ihre Wunschfigur verwandelt wurden, waren sie nur kurz begeistert. Denn das Leben in der Traumrolle ist doch nicht so schön, wie gedacht. Streit entbrennt im Zauberwald. Da ist zum Beispiel der Frosch, der in einen Prinzen verwandelt werden soll. Leider gelingt das nicht, denn niemand kennt den richtigen Spruch. Und da ist der Pirat, der das ganze leckere Essen geklaut hat - auch nicht lustig. Schließlich haben die Verwandelten die Nase voll. Sie wollen wieder sie selbst sein. Unglücklicherweise aber hat die Zauberin ganz anderes im Sinn und muss erst wieder verschwinden.
Am Ende waren die Zuschauer vom künstlerischen Ergebnis begeistert, ebenso die Akteure. Die meisten von ihnen sind „alte Hasen“, die zeitig den VMB-Terminkalender durchforsten, um die Workshops nicht zu verpassen. Besonders gut hat Emily gefallen, dass sie Rolle und Text für sich selbst entwickeln konnte: „Ich wollte unbedingt als Clown Witze erzählen.“
Handicaps geraten aus dem Blickfeld
Für Petra Newiger und Tochter Kattalin (Studentin der Sozialpädagogik und Theaterwissenschaften und eine von acht Betreuerinnen und Betreuern des Projekts) immer wieder interessant zu sehen ist, „wie sich die Gruppendynamik ändert, wie auch mal etwas ausgelebt werden kann, was im Alltag keinen Platz findet, wie gelernt werden kann, mit Emotionen umzugehen und wie sich die Selbst- sowie die Fremdwahrnehmung verändern - das ist für viele ein Genuss.“ Vor allem aber war es einmal mehr für Zuschauer und Schauspieler berührend, zu erleben, wie sehr ein Handicap aus dem Blickfeld gerät, wenn es gilt, gemeinsam ein Ziel zu erreichen.
