Bad Breisigerin besucht „Auroville“ und die historische Stätte „Hampi“
Indische Hochzeit und Besuch aus der Heimat
Solidarität mit krebskranken Frauen gezeigt
Bad Breisig/Chennai. Während in Bad Breisig nur ganz langsam und mit noch winterlichen Temperaturen der Frühling zurückkehrt, steigen hier in Chennai/Indien, die Temperaturen stetig über 30°C. Mit der Aussicht auf Sonne und Palmen packte meine Schwester kurzentschlossen ihren Koffer und stieg in das nächste Flugzeug, um mich während meines Freiwilligendienstes in Indien zu besuchen.
Wir besuchten die spirituelle Kommune „Auroville“, die Stadt der Steinmetze „Mamallapuram“ und die historische Stätte und Hochburg der Hippies „Hampi“. Meine Schwester bekam einen sehr intimen Einblick in das indische Leben, als sie mit mir auf der Rückfahrt von Hampi nach Chennai im Gang des Nachtzuges auf dem Boden neben den Toiletten schlafen musste. Unsere Tickets waren unerwartet kurzfristig storniert worden und der Boden war unsere einzige Möglichkeit am nächsten Tag rechtzeitig zurück in Chennai zu sein, um den Rückflug nach Deutschland zu erwischen. Nach etwa der Hälfte der zehn-stündigen Zugfahrt konnten wir uns schließlich dank einer kleinen „Aufwandsentschädigung“ für den Schaffner eine Schlafkoje ergattern.
Nach der wehmütigen Verabschiedung meiner Schwester machte mich jemand auf eine Kampagne zum Weltkrebstag am 4. Februar aufmerksam. Es wurden junge Damen gesucht, die sich in Solidarität mit krebskranken Frauen den Kopf rasieren ließen, um darauf aufmerksam zu machen, dass man keine Haare braucht, um schön und feminin zu sein. Da ich selbst der Überzeugung bin, dass Schönheit von innen kommt und Eitelkeiten oftmals vom Wesentlichen ablenken, habe ich mir also in Indien den Kopf rasieren lassen.
Die erste Gelegenheit meine „frisch polierte Bowlingkugel“ zu präsentieren bot sich, als ich zu einer indischen Hochzeit eingeladen wurde. Dabei handelte es sich um die arrangierte Ehe zweier Bramanen aus gehobener Kaste. Die Hochzeit war auf drei Abende verteilt, nämlich einem Empfang mit Tanz und Schmaus, einem Abend mit Hennabemalung der Hände der Braut, und die zeremonielle Trauung. Die achtstündige Zeremonie enthielt so viele Riten und Bräuche, dass selbst die Hochzeitsgäste oft den Überblick verloren. Die Hochzeit wurde von hunderten Gästen besucht, es gab tonnenweise Essen und den Saal schmückten tausende Blumen. Da der Großvater der Braut wohl eine Berühmtheit der Kollywood (tamilisches Bollywood) Welt ist, sahen wir viele Stars und Sternchen, sowie den Gouverneur unseres Bundesstaates.
Wie bereits erwähnt, handelte es sich hier um eine arrangierte Ehe. Obwohl ich aus meiner westlichen Perspektive sehr kritisch gegenüber diesem Konzept war, musste ich lernen, dass man auch hier keine absoluten Kategorisierungen in die Schubladen ‚richtig‘ oder ‚falsch‘ machen kann. Mit Sicherheit führen Elemente wie Kaste, Klasse, soziale Zwänge und Familienbeziehungen oftmals dazu, dass in Indien junge Leute gezwungen werden eine Ehe einzugehen, was in manchen Fällen zu Kinderheirat, sowie unglücklichen und gewalttätigen Ehen führen kann. Doch auf der anderen Seite gibt es auch viele Familien, in denen arrangierte Ehen viele Freiheiten bieten und lediglich als ‚Dating mit Zustimmung der Eltern‘ zu sehen ist. Die einzige angemessene Verallgemeinerung ist daher die Aussage, dass die Institution der Ehe in jeder Kultur durch verschiedene Elemente, wie zum Beispiel Religion, Tradition und Gesellschaft geprägt ist, und dass jede dieser Ausprägungen ihre Vor- und Nachteile mit sich bringt.
In 14 Tagen bekomme ich Besuch aus Bad Breisig. Doch davon erzähle ich in meinem nächsten Bericht. Bis dahin schicke ich ein herzliches „Shanti shanti“ nach Bad Breisig.
Ihre Marie-Sophie Keller
Um weiterhin meinen Freiwilligendienst als Rechtsreferentin bei der Umwelt- und Menschenrechts-Organisation „The Other Media“ (www.theothermedia.in) ausüben zu können, bin ich auf Spenden angewiesen. Bitte helfen Sie mit einer kleinen Spende auf das folgende Konto des Deutschen Roten Kreuzes:
DRK-Landesverband Westf.-Lippe e.V. (DRK-LV WL e.V.)
IBAN: DE28 4005 0150 0095 0855 51
BIC/ SWIFT: WELADED1MST (Sparkasse Münsterland Ost)
Überweisungsvermerk: 5701 9187 Spende ww Keller
Für eine Spendenbescheinigung, Fragen oder weitere Informationen können Sie sich bei mariesophiekeller@gmail.com melden.
Ein Tempel der historischen Stätte „Hampi“.
Marie-Sophie Keller auf einer indischen Hochzeit - Premiere für ihre neue Frisur, ein Zeichen für Solidarität mit krebskranken Frauen.
