Dreikönigstreffen der Winzer von Rhein und Mosel - Einladung der Verbandsgemeinde ins Hotel „Pistono“ in Dieblich
Information und Diskussion rund um den Weinbau
Dieblich. Klirrende Kälte lässt in diesen Tagen keine Arbeit im Weinberg zu. Jetzt haben die Winzer an Rhein und Mosel Zeit und Muße, sich ausgiebig wichtigen Themen zu widmen. Jedes Jahr nutzt die Verbandsgemeinde Rhein-Mosel, vertreten durch Bürgermeister Bruno Seibeld, dies und lädt sie zum Dreikönigstreffen ein. Veranstaltungsort war auch diesmal das Hotel „Pistono“ in Dieblich. Die Tagesordnung sah Information und Diskussion vor, fünf Referenten nahmen zu diversen Themen Stellung. Der Verbandsbürgermeister eröffnete die Veranstaltung mit einer offiziellen Begrüßung und der Vorstellung der Referenten: Michael Lipps, Abteilungsleiter Weinbau und Oenologie, DLR Mosel – Eric Lentes, Weinbauberater, DLR Mosel – Janina Schubert, technische Zentralstelle DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück – Sebastian Turck, DLR Westerwald Osteifel und Gerd Knebel, Geschäftsführer Weinbauverband. „Was von der Winzerschaft verlangt wird, ist hart!“, solidarisierte sich Bruno Seibeld gleich zu Anfang mit den Weinbauern und fügte einen Spruch hinzu, den ihm ein alter Winzer an vertraut hatte: „Früher war alles gut, heute ist alles besser! Es wäre besser, wenn alles gut wäre!“ Dafür bekam er die schmunzelnde Zustimmung der Anwesenden. Die Neustrukturierung der Abteilung Weinbau und Oenologie am Dienstleistungszentrum ländlicher Raum (DLR) Mosel war das Thema, das Michael Lipps verdeutlichte. Was leistet das DLR Mosel? Welche Aufgaben hat die Abteilung Weinbau und Oenologie? Seit 10 Jahren wird dort Personal abgebaut, bisher insgesamt 40 Prozent, zurzeit sind 30 Personen tätig. Das bedeutet die Änderung von bisherigen Arbeitsweisen. Weniger Personal gleich abgespeckte Beratung, heißt im Klartext, alte Zöpfe müssen abgeschnitten werden, was andere Abteilungen leisten, wird nicht mehr angeboten. Information über Weiterbildung gibt es im Internet unter www.dlr-mosel.rlp.de An Seminaren kann vom Schreibtisch zuhause aus teilgenommen werden. Die Verantwortlichen bemühen sich, einen gewissen Beratungsstandard weiter zu erhalten. Michael Lipps verteidigte den Standort Bernkastel, auch wenn sich die Winzer in der Verbandsgemeinde Rhein-Mosel „abgehängt“ fühlen: „Nicht in jeder Flussbiegung kann es einen Standort geben!“ Über Fluch und Segen moderner Medien in der Weinbauberatung am Beispiel Extremjahr 2016 referierte Eric Lentes. Das vergangene Jahr war geprägt durch Wetterextreme - mal zu nass mal zu trocken -, die fast alle Schadursachen an den Reben hervorriefen: Austriebschädlinge, Spätfrost, Botrytis, Esca, Traubenwickler und Zikaden. Das hatte für die Weinbauberatung zur Konsequenz, dass dazu viele Fragen auftraten und zu beantworten waren. Der fachliche Austausch der Winzer miteinander in solchen Situationen erfolgte früher vor und im Ort, selten über weitere Strecken. Im Zuge des Internets bzw. der sozialen Netzwerke verlagert sich die Kommunikation: „Die Welt ist heute ein Dorf!“ Der Mensch ist, so er will, permanent und schnell informiert, kann sein Wissen steigern und Erfahrungen austauschen. „Es ist ein Segen, das der fachliche Austausch weltweit möglich ist“, so Eric Lentes. „Aber auch ein Fluch, wenn „fake news“ Unwahrheiten verbreiten.“ Und er monierte, dass Informationen oft nicht hinterfragt werden: „Jeder macht noch was dabei!“ An Hand zweier Beispiele erläuterte er, wie sich in 2016 eine Meldung verselbständigte. Es ging um ein Spritzmittel, das angeblich keine Wirkung mehr zeigte und den Einsatz von Drohnen zum Spritzen im Weinberg. Beides waren Informationen, die sich im Internet verbreiteten, aber letztendlich als nicht haltbar erwiesen, bzw. im ersten Fall sogar zum Rechtsstreit führte. „Sie glauben nicht, was in den sozialen Netzwerken los war!“, sagte Eric Lentes und bat die Anwesenden, die sozialen Netzwerke weiterhin zu nutzen, aber Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Die elektronische Antragstellung in der Agrarförderung 2017 erklärte Janina Schubert. Ihr schloss sich Sebastian Turck an und erläuterte die Problematik „E“-Antrag für historische Weinbaulandschaft am Beispiel der Lagen Uhlen, Hamm, Fahrberg und Schloßberg. Über Neuigkeiten vom Bauern- und Winzerverband diskutierte zum Schluss Gerd Knebel mit der Winzerschaft. Es waren wichtige Themen wie Auflagen bei Verordnungen, Steillagen Resolution, Förderung im Weinbau, Weingesetz, nationales Stützungsprogramm und vieles mehr. Umfangreich, sachlich und detailliert informierte Gerd Knebel und beantwortete ausführlich die Fragen. Das Dreikönigstreffen ging zu Ende, für die Winzer an Rhein und Mosel beginnt demnächst wieder die Arbeit im Weinberg. EP
