Allgemeine Berichte | 12.11.2018

Koreanische Delegation besucht das Wilhelm-Remy-Gymnasium Bendorf

Inklusiver Sportunterricht als Vorbild

Nahmen am gemeinsamen Erfahrungsaustausch mit den koreanischen Gästen teil (v.l.): Fabian Steiger (Physiotherapeut), Johannes Arnold (Schulleiter), Thomas Nürnberg (Sportlehrer), Simone Kindel (Leiterin des Inklusionsbereiches).privat

Bendorf. Inklusion – Was ist das eigentlich? Den Begriff hat inzwischen wohl fast jeder schon einmal gehört, doch das bereits vor zehn Jahren in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschriebene Menschenrecht ist nach wie vor keine Selbstverständlichkeit. Inklusion bedeutet Zugehörigkeit, der Begriff bezeichnet also gerade das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn alle Menschen selbstbestimmt und gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können – ob nun in der Schule, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit, ob mit Behinderung oder ohne –, dann ist das Inklusion. In einer inklusiven Gesellschaft ist Verschiedenheit Normalität, jeder Mensch wird so akzeptiert, wie er oder sie ist. Dass Inklusion indes nur in einer Welt ohne Hindernisse gelingen kann, ist offensichtlich. Und ebenso offensichtlich ist, dass alle davon profitieren, wenn Barrieren und Hürden – sowohl in der Umwelt als auch in den Köpfen – verschwinden.

Inklusion soll bereits in den Bildungseinrichtungen beginnen. Eine Vorreiterrolle hat hier seit mehr als dreißig Jahren das Wilhelm-Remy-Gymnasium (WRG) in Bendorf inne. So lange lernen hier bereits Schüler mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam. Sofern die Voraussetzungen für den gymnasialen Bildungsgang gegeben sind, spielt die Art und Schwere der körperlichen Beeinträchtigung oder Sinnesbeeinträchtigung am WRG keine Rolle. Die positiven Erfahrungen, die den Alltag der Schulgemeinschaft prägen, gibt das Gymnasium immer wieder gern an interessierte Gäste weiter, seit 2016 auch als anerkannte Partnerschule in dem vom Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz initiierten Projekt „Hospitationsschulen – miteinander und voneinander lernen“.

Koreanische Delegation zu Besuch am WRG

Auf Interesse stößt das inklusive Konzept auch im Ausland. So besuchte kürzlich bereits zum zweiten Mal eine Delegation bestehend aus Mitgliedern des koreanischen paralympischen Komitees sowie Lehrerinnen und Lehrern unterschiedlicher koreanischer Schularten das Bendorfer Gymnasium, um sich insbesondere über die Möglichkeiten des inklusiven Sportunterrichts zu informieren.

In ihren Sportrollstühlen zeigten die Schülerinnen und Schüler von Sportlehrer Thomas Nürnberg den Gästen, wie mühelos inklusiver Sportunterricht gelingen kann. „Bei uns sollen alle Schüler im Zentrum stehen“, erläuterte Nürnberg den sichtlich beeindruckten Koreanern, die in dieser Gleichbehandlung den wohl auffälligsten Unterschied zu ihrem Heimatland erkannten. Dort sei es noch immer üblich, dass sich Lernende ohne Beeinträchtigung überwiegend in der Rolle der Unterstützer für Lernende mit Beeinträchtigung wiederfinden. Zudem würden in Korea Schülerinnen und Schüler mit Behinderung meist von speziell dafür ausgebildeten Lehrkräften betreut.

Diese Unterschiede wurden anschließend im Rahmen eines Erfahrungsaustausches diskutiert, zu dem sich die Gäste mit der Leiterin des schuleigenen Kompetenzbereiches Inklusion, Simone Kindel, sowie Schulleiter Johannes Arnold in der Schulbibliothek trafen. Hier informierte Kindel über die Geschichte der Inklusionsarbeit am WRG und die Zusammenarbeit mit Partnern wie der Landesschule für Gehörlose in Neuwied. Im Zusammenhang mit der Frage nach der Verbreitung des Inklusionssystems in Deutschland verwies Kindel auf die rechtliche Situation, betonte aber, dass eine Schule wie das WRG in Rheinland-Pfalz noch immer einzigartig sei. Sportlehrer Thomas Nürnberg zeigte den Gästen in diesem Rahmen auch eine Videosequenz einer vorangegangenen Sportstunde. Hier hatte seine Lerngruppe eine Kür zum Rope-Skipping entworfen und den auf einen Rollstuhl angewiesenen Mitschüler dabei gut eingebunden. Auch die Koreaner boten anhand einer Videosequenz einen kleinen Einblick in den Sportunterricht ihres Heimatlandes. Hinsichtlich der Frage nach den beruflichen Perspektiven von Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung waren sich Gäste und Gastgeber einig, dass weitere Schritte nötig seien, ehe man hier von echter Inklusion sprechen könne. Gleichwohl konnte die Leiterin des Inklusionsbereiches darauf verweisen, dass am WRG auch Lehrkräfte mit körperlicher Beeinträchtigung tätig sind, die im Übrigen selbst Schüler dieser Schule waren, und betonte: „Für körperbeeinträchtigte Schülerinnen und Schüler, die sich mit der Frage nach der beruflichen Zukunft beschäftigen, sind sie ein besonderes Vorbild.“

Nach einer weiteren Hospitationsstunde, nun jedoch im Mathematikunterricht, endete der Besuch der koreanischen Gäste, die sich für die Gelegenheit zu einem Einblick bedankten und unter anderem auch die Möglichkeit des Einsatzes von Sportrollstühlen für Nichtbehinderte als Impuls mit in ihre Heimat nehmen.

Zum Erfahrungsaustausch gehörte auch der Austausch von Gastgeschenken.

Zum Erfahrungsaustausch gehörte auch der Austausch von Gastgeschenken.

Nahmen am gemeinsamen Erfahrungsaustausch mit den koreanischen Gästen teil (v.l.): Fabian Steiger (Physiotherapeut), Johannes Arnold (Schulleiter), Thomas Nürnberg (Sportlehrer), Simone Kindel (Leiterin des Inklusionsbereiches).Fotos: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Bildergalerien
Dauerauftrag 2026
Essen auf Rädern
Dauerauftrag 2025
Heimat aktiv erleben
Stellenanzeige Reinigungskraft
Zukunft trifft Tradition KW 26
Gläser
Empfohlene Artikel
Symbolbild. Foto: pixabay.com
520

Region. Aufgrund der anhaltenden extremen Hitze stellt National Express am Samstag, 27. Juni 2026, den Betrieb der Rhein-Ruhr-Express-Linien RE 1, RE 4, RE 5, RE 6 und RE 11 im Zeitraum von 13:00 Uhr bis voraussichtlich 19:00 Uhr vorübergehend ein. Die Maßnahme dient dem Schutz der Fahrgäste und Mitarbeitenden und soll verhindern, dass es unter den aktuellen außergewöhnlichen Wetterbedingungen zu ungeplanten Zugausfällen auf freier Strecke kommt.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: pixabay.com
601

Am heutigen Vormittag war es zu Stromausfällen in den Stadtteilen Kesselheim, Neuendorf und Wallersheim gekommen

27.06.: Nach Stromausfall in Koblenz: Energieversorgung in allen betroffenen Stadtteilen wiederhergestellt

Koblenz. Nachdem am heutigen Vormittag der Strom in den Koblenzer Stadtteilen Kesselheim, Neuendorf und Wallersheim ausgefallen war, konnte die Energieversorgung nach Angaben der Feuerwehr Koblenz zwischenzeitlich in allen Gebieten durch den zuständigen Energieversorger wiederhergestellt werden. Eine Ursache für den Stromausfall ist bislang nicht bekannt. BA

Weiterlesen

So wird es vom 04. bis 06.09.2026 auf dem Flugplatzgelände aussehen. 50000 Besucherinnen und Besucher werden erwartet
1711

Kruft. Rund 15 interessierte Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung zu einer Informationsveranstaltung im Vorfeld der Jalsa Salana, die vom 04. bis 06.09.2026 auf dem Flugplatzgelände in Mendig stattfindet. Im Mittelpunkt standen Fragen zur Verkehrsführung zu den Auswirkungen der Veranstaltung auf die Anwohnerinnen und Anwohner.

Von Andreas Lung aus Kruft

Weiterlesen