Allgemeine Berichte | 21.02.2016, 12:00 Uhr

Ein Schüler des Gymnasiums Calvarienberg siegte beim Vorlesewettbewerb auf Kreisebene

Jakob Stockhausen ist der Beste

Als Sieger der sechsten Klassen und ihrer Schule hatten 14 Kandidaten für den Kreisentscheid qualifiziert. Jakob Stockhausen (vorne l.) setzte sich schließlich gegen seine Konkurrenten durch. HG
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Bad Neuenahr. Um die Freude am Lesen wachzuhalten und zu stärken, wird bereits seit 1959 der Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Zusammenarbeit mit Bibliotheken, Buchhandlungen, Schulen und anderen kulturellen Institutionen durchgeführt. Denn „Lesen ist eine wunderbare Kulturtechnik. Der Genuss wird nur noch gesteigert durch das Zuhören“, findet nicht nur Kreisarchivar Leonhard Janta. „Das Interesse am Wettbewerb ist zum Glück ungebrochen“, erklärte er in der Stadtbibliothek, dem Austragungsort auf Kreisebene. So liegt dann auch die Organisation beim Kreis Ahrweiler, während Bibliotheksleiterin Elisabeth Feuser-Schwickert den Ablauf in der Bibliothek vorbereitet und beide Verantwortlichen die Vorleser, begleitende Eltern und Lehrer willkommen hießen.

Eine musikalische Begrüßung gab es zudem durch Anna Hinson an der Harfe, die mit Musiklehrer Michael Adami nach Bad Neuenahr gekommen war. Als „Spinning Top“ und ein weiteres Stück verklungen waren, hieß es für die 14 Kandidaten beim 57. Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels abwechselnd vorzutreten. Dafür hatten sie sich als beste Leser der 6. Klassen und Sieger ihrer Schulen im Kreis Ahrweiler qualifiziert. Die sieben Mädchen und Jungen - „ein ungewohnt ausgeglichenes Verhältnis gegenüber oft zwei Dritteln Mädchen“, so Janta - starteten in der Stadtbibliothek mit ihrer Wahllektüre.

Spannung, Witz und Fantasie

Spannung und Witz ebenso wie Nachdenklichkeit und Fantasie ließen sich als Vorlieben ausmachen. Doch überraschte, dass Leon Michel mit Erich Kästners Kinderroman „Emil und die Detektive“ von 1929 einen echten Oldie aufgriff. Leon stellte dabei mit feinem Gespür für menschliche Konstellationen heraus, wie eingespielt und verständnisvoll Emil und seine Mutter miteinander umzugehen vermögen. Weniger für die Kurzbeiträge des Wettbewerbs geeignet, weil reich an Wortspielen waren die Geschichten von James Krüss‘ „Mein Urgroßvater und ich“ (1959), aus denen Ina Mittnacht vortrug.

Dass Freundschaft ein immer aktuelles Thema ist, bewies Joana Hamsoro mit Juma Kliebensteins „Der Tag, an dem ich cool wurde“, in dem sich die ausgegrenzten Jungs Martin und Karli verbünden. Gleich drei Leser, Clea Kola, Anna Olschewski und Jakob Stockhausen hatten „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ von Andreas Steinhöfel ausgesucht. Die wunderbar warmherzige und sehr komische Erzählung über die anrührende Freundschaft eines tief- und eines hochbegabten Kindes taucht zu Recht immer wieder bei Lesewettbewerben auf. Des Weiteren entführte Carla Jüliger in Tolkiens Reiseabenteuer „Der kleine Hobbit“ zu gruseligen menschenfressenden Trollen. Auf andere Art unheimlich ging es zu, als Louisa Comans die tückischen Zeiträuber aus Michael Endes „Momo“ enttarnte und Jannik Schmitz mit Funkes „Gespensterjäger“ Gänsehaut erzeugte, indem er die Zuhörer zusammen mit Tom zum O-Saft-Holen in den dunklen Keller schickte.

Wahllektüre und Pflichttext

Verzwickt wurde es mit Raphael Jüris, der aus Anje Szillats „Rick 6 Shit happens!“ vortrug, wie zwei Jungen im Zoo ihre überzähligen Zwergkaninchen einzuschmuggeln versuchen. Paul Maars abstruse Erzählung „Herr Bello und das blaue Wunder“ brachte Wolber zum Leuchten. Er las die Passage, wo der Hund sich im Beisein von Max in einen Menschen verwandelt und treuherzig knappe Äußerungen wie „Bello ist ein Mönsch?“ und „nackt macht kalt“, von sich gibt. Wenn Lukas das gesamte Buch so gelungen vortragen könnte, wäre er der ideale Sprecher für eine Hörbuchversion. Nicht in komische, sondern in die Fantasy-Gefilde von „Harry Potter und der Halbblutprinz“ führte Noah Pandorf. Anastasya Stodden bevorzugte die Welt von Cornelia Funkes „Tintenherz“ und Fabian Schremmer hielt die schwierige Situation eines Jungen vor Augen, der sich als Überlebender eines Flugzeugabsturzes alleine durchschlagen muss (Gary Pahlsen, „Brians Winter“).

Nach den kurzweiligen Vorträgen konnten sich die Kinder stärken und die Bibliothek erkunden, derweil sich die Jury unter dem Vorsitz von Elisabeth Feuser-Schwickert zur Beratung zurückzog. Neben Vorjahressiegerin Selma Halfen gehörten dazu Karin Berens (Buchhändlerin), Hildegard Ginzler (Journalistin), Rudolf Menacher und Hubert Rieck (beide Lehrer). „Wenn die Zuhörer in den Text hineingezogen werden, haben die Kandidaten alles richtig gemacht“, erklärte Feuser-Schwickert. Gleichwohl vergab jeder Juror einzeln Punkte für Lesetechnik, Textverständnis und Interpretation der verschiedenen Vorleser. Es kristallisierte sich ein Bild heraus, von denen, die das Feld anführten. Das aber verschob sich noch einmal kräftig im zweiten Durchgang mit dem unbekannten Pflichttext, diesmal „Wie man mit seinen total durchgeknallten Eltern fertig wird“ von Pete Johnson. So fiel die Entscheidung schließlich auf Jakob Stockhausen, Schüler des Gymnasiums Calvarienberg in Ahrweiler, da er sowohl die Begegnung von Rico und Oskar überzeugend transportiert hatte, als auch den Pflichttext gut bewältigte. Alle Teilnehmer freuten sich über eine Urkunde und ein Buchgeschenk. Auf Kreissieger Jakob Stockhausen wartet außerdem in Koblenz die nächste Wettbewerbsrunde beim Bezirksentscheid.

Als Sieger der sechsten Klassen und ihrer Schule hatten 14 Kandidaten für den Kreisentscheid qualifiziert. Jakob Stockhausen (vorne l.) setzte sich schließlich gegen seine Konkurrenten durch. Foto: HG Foto: unknown

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