Beeindruckende Ausstellung in der Synagoge Niederzissen eröffnet
Jüdische Lebenswelten in Deutschland heute
Ausstellung ist noch bis zum 9. September zu sehen – Auch Führungen sind möglich
Niederzissen. Eine weitere wichtige Ausstellung über „Jüdische Lebenswelten in Deutschland heute“ wurde jetzt in der ehemaligen Synagoge Niederzissen eröffnet und kann bis Montag, 9. September, besichtigt werden.
Zur Ausstellungseröffnung konnte der Vorsitzende des Niederzissener Kultur- und Heimatvereins, Richard Keuler, Besucher aus nah und fern, darunter auch Schülerinnen und Schüler der Realschule plus Niederzissen, begrüßen. Er wies darauf hin, dass gerade in der ehemaligen Synagoge Niederzissen in der Dauer-Ausstellung „tagein – tagaus“ gezeigt werde, wie jüdisches Leben über Jahrhunderte in Niederzissen und im Brohltal war, was jüdisches Leben ist und ausmacht. „Mit der heutigen Ausstellung kommt ein weiteres Heute hinzu, das wesentlich über das Heutzutage in unserem Museum hinausgeht“, spannte er den Bogen zur aktuellen Ausstellung. Ursprünglich war die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützte Ausstellung für die Sekundarstufe II konzipiert, ist jedoch durch die Beleuchtung allgemein gültiger Fragen zum jüdischen Leben in Deutschland eine interessante Ausstellung für jedermann.
„Vielfältige Wurzeln der Menschen in Deutschland“
Dies unterstrich besonders bei der Einführung in die Ausstellung Margit Thomas vom Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung, die dort für das Demokratiezentrum Rheinland-Pfalz/Projekte zur Prävention von politischem und religiösem Extremismus in Rheinland-Pfalz tätig ist. Die Ausstellung „Jüdische Lebenswelten in Deutschland heute“ zeigt anhand von Porträttafeln am Beispiel zumeist junger Menschen, welche vielfältigen Wurzeln Menschen in Deutschland heute haben. Es wird dargestellt, wie unterschiedlich sie selbst damit umgehen und wie sie die Reaktionen ihrer Umwelt wahrnehmen. Nicht selten wird Menschen eine Identität zugeschrieben, die sie selbst gar nicht erleben. Gerade Vorurteile äußern sich in dieser Weise, am Beispiel deutsch-jüdischer Identitäten oft in einem versteckten oder offenen Antisemitismus.
„Arbeit für Versöhnung und friedliches Miteinander“
Zuvor jedoch ergriff Dr. Christoph Simonis, als Vertreter von Avadislav Avadiev, dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde Koblenz, das Wort. Er freute sich über das Engagement in Niederzissen, einmal mit der Wiederherstellung des damaligen Synagogengebäudes zu einem Schmuckstück in der Region, aber auch über die Arbeit des Kultur- und Heimatvereins zur Verständigung, Versöhnung und einem friedlichen Miteinander. Begleitet wurde er von Marina Kashdan, ebenfalls vom Vorstand der jüdischen Gemeinde Koblenz, die sehr persönlich und zu Herzen gehend über ihre Erfahrungen und ihr Leben als in Weißrussland aufgewachsene Jüdin berichtete, die stets den Wunsch verspürte, ihren Weg nach Deutschland zu finden. Dies war in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts möglich, und sie fand eine neue Heimat, zunächst in Mayen und nun in Koblenz. Gerade sie fand lobende Worte zur jetzt eröffneten Ausstellung und war tief beeindruckt von der Dauerausstellung im zweiten Raum der ehemaligen Synagoge.
Ortsbürgermeister Rolf Hans, zugleich 1. Beigeordneter der Verbandsgemeinde Brohltal, richtete einen leidenschaftlichen Appell an die Gesellschaft für ein Miteinander mit Respekt und Toleranz und forderte auf, den Weg dazu gemeinsam zu gehen. Er stellte die Frage in den Raum, ob wir in unserer Gesellschaft die Akzeptanz, den Respekt und die Achtung für Menschen anderer Kulturen verlieren.
Die Ausstellung „Jüdische Lebenswelten in Deutschland heute“ ergänzt in hervorragender Weise die Arbeit des Kultur- und Heimatvereins zur Aufarbeitung der jüdischen Geschichte und deren Darstellung der Gegenwart.
Vorsitzender Keuler wies abschließend auf das Angebot an die Schulen hin, die Ausstellung zu besuchen, und bat den ebenfalls anwesenden Dezernenten der Kreisverwaltung Ahrweiler, Erich Seul, Landrat Dr. Jürgen Pföhler für sein unterstützendes Schreiben an die Kreisschulen zu danken. Noch lange blieben die Besucher bei einem kleinen Imbiss und Getränken und vor allem bei anregenden Gesprächen zusammen.
Öffnungszeiten, Termine und Kontakt
Die Ausstellung ist geöffnet jeweils Samstag und Sonntag, 14 bis 18 Uhr, Kirmesmontag, 9. September, 14 bis 18 Uhr. Führungen, auch für Schulklassen, Infos und Terminabsprache beim Kultur- und Heimatverein Niederzissen, Tel. (0 26 36) 64 82 oder info@khv-niederzissen.de.
Ausstellung in der ehemaligen Synagoge mit 19 Rollup-Tafeln zur Geschichte und jüdischen Lebenswelten in Deutschland heute. Foto: Kultur- und Heimatverein
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