Vorsitzender der rheinland-pfälzischen Gemeinden gab Auskunft über Theologie und Alltag
Jüdisches Leben stand im Mittelpunkt
Gesprächsabend des evangelischen Dekanats Nassauer Land
Diez-Freiendiez. Philosophie, Theologie und Alltag des jüdischen Lebens standen im Mittelpunkt eines Gesprächsabends mit dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz, Avadislav Avadiev in Diez-Freiendiez. Im Rahmen des Reformations-Programms des evangelischen Dekanats Nassauer Land sprach Avadiev im Gemeindesaal vor einem interessierten Publikum.
„Es war uns im Reformationsjahr wichtig, auch an unsere jüdischen Wurzeln zu erinnern“, sagte Dekanin Renate Weigel, als sie den Referenten und die Besucher im Gemeindesaal der Jakobusgemeinde begrüßte. „Wir wollen mehr voneinander erfahren und den Kontakt miteinander pflegen“, so Weigel. Der stellvertretende Dekan und Freiendiezer Pfarrer Christian Dolke hatte zuvor an einen seiner Vorgänger im Pfarrhaus erinnert, in dessen Gestapo-Akte sich der warnende Hinweis befand, dass er „ein Judenfreund“ sei. Darauf könne man stolz sein; gleichzeitig zeige die Flüchtlingsarbeit in der Gemeinde, wie das Miteinander verschiedener Religionen und Ethnien gelingen könne.
Auch praktische Fragen aufgegriffen
„Lasst uns nicht nur über den Tod, sondern auch vom Leben sprechen“, war Avadiev wichtig. Deshalb trug der Abend die Überschrift „Jüdisches Leben – von der Geburt bis zum Tod“. Der Referent gewährte Einblicke in das philosophische und theologische Denken, von dem das Judentum geprägt ist. Über jüdische Bildung, aber auch den jüdischen Alltag wurde im Gespräch mit den Zuhörern informiert. Ganz praktische Fragen wurden dabei aufgegriffen, wo es etwa koscheres Essen zu kaufen gibt und welche Bedeutung bestimmte Kleidungsstücke haben. Auch erfuhren die Gäste im Gemeindesaal, dass die entscheidende Voraussetzung, Jüdin oder Jude zu sein, in der Geburt durch eine jüdische Frau begründet ist.
Judentum nicht nur über den Holocaust definieren
Eine erste Begegnung mit Avadiev hatte es bereits am 9. November vergangenen Jahres auf dem jüdischen Friedhof in Bad Ems gegeben, wo im Gebet an die Opfer der Nazi-Diktatur erinnert wurde. Für Weigel und Avadiev ist es wichtig, das Judentum aber nicht nur über den Holocaust zu definieren. „Uns ist auch die Verbindung zu den jüdischen Mitmenschen heute wichtig“, so Weigel.
Ein Gesangsensemble um Jochen Liefke sorgte für einen sehr passenden musikalischen Rahmen des Abends, als das Quintett Psalmen und Lieder in hebräischer Sprache anstimmte.
Pressemitteilung Evangelische
Öffentlichkeitsarbeit Rhein-Lahn
Jochen Liefke sorgte mit seinem Gesangsensemble für den passenden musikalischen Rahmen.
