Allgemeine Berichte | 23.03.2017

Projekt an der Hans-Dietrich-Genscher-Schule in Wachtberg

Jungen kicken und lesen

Sport, Sozialkompetenzen und Lesefertigkeiten sollen gestärkt werden

Zusammen wurde viel erreicht. Das Team der Sekundarschule Berkum mit (v. l.) Jonas Güdelhöfer, Kolja Schulz, Tina Porath, Rainer Land und Irma Gillert und Kirsten Felgner.  CEW

Berkum. Was Lesen mit Fußball zu tun hat, zeigte jüngst „Kicken und Lesen“ in der Hans-Dietrich-Genscher-Sekundarschule in Wachtberg. Das Projekt geht auf die Initiative der SK Stiftung Kultur der Sparkasse in Köln zurück, die zu diesem Zweck mit der Stiftung 1. FC Köln kooperiert. Der Startschuss für zwei Schulen im Rhein-Sieg-Kreis fiel im Herbst 2016. Nicht nur Schüler aus Köln, sondern auch die Georg-von-Boeselager-Gesamtschule in Swisttal und Kinder der Hans-Dietrich-Genscher-Schule in Berkum konnten dank der Unterstützung des Rhein-Sieg-Kreises an dem Projekt teilnehmen.

Ziel des Projekts ist es, das Interesse für Fußball zusammen mit besonderen Trainingseinheiten zu nutzen, um die Lesefertigkeiten von Jungen in der fünften und sechsten Klasse zu fördern. Die Idee, gerade in diesem Alter mit der Förderung einzusetzen, entsprang einer Studie. Die Untersuchung hatte sich mit den Lesekompetenzen von Jungen in verschiedenen Altersstufen befasst. Dabei stellte man einen Negativknick in der Eingangsphase der weiterführenden Schulen fest. Das Projekt Kicken und Lesen setzt an ebendiesem Punkt an und nutzt die Bewegungsfreude von Jungen und das Interesse am Fußball, um in besondere Trainingseinheiten Lesefördermodule einzubauen. Diese Module können im Wechsel mit Elementen des Fußballtrainings beliebig eingesetzt werden, sodass sich keine Monotonie einschleicht.

Den Erfolg des Projekts stellte Tina Porath, Deutschlehrerin an der Hans-Dietrich-Genscher-Schule in Berkum, schon nach wenigen Wochen fest. Kinder, die zu Beginn des Schuljahres deutliche Schwächen in ihrer Lesekompetenz aufwiesen, hatten Riesenfortschritte gemacht. Dies spiegele sich in der Lesegeschwindigkeit, dem Leseverständnis sowie in der Satzmelodie beim Vorlesen wieder. „Man merkt, dass die Kinder jetzt verstehen, was sie lesen. Und das war zu Anfang des Schuljahres nicht bei allen immer so“, berichtete die Pädagogin.

Das erste Projekt dieser Art war 2007 durch die Baden-Württemberg-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem VfB Stuttgart in Gang gesetzt worden. 2013 hatte dann die Stiftung Kultur der Sparkasse Köln Bonn gemeinsam mit der Stiftung 1. FC Köln das ursprünglich außerschulische Angebot für Schulen angepasst und erweitert. Seit 2014 steht das Projekt als Ganzes unter der Schirmherrschaft der Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann. Nachdem das Programm in den ersten Jahren an Kölner Schulen angeboten wurde, bemühte sich der Rhein-Sieg-Kreis in Anknüpfung an das Jungen-Projekt des Jugendhilfezentrums Alfter, Swistal und Wachtberg erfolgreich um eine Erweiterung mit je einer Gruppe aus zwei Schulen aus ihrem Einzugsgebiet. Möglich wurde dies durch die Unterstützung der Städte- und Gemeinden-Stiftung der Kreissparkasse Köln im Rhein-Sieg-Kreis und der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland. Mit passenden Büchern unterstützt der Rotary Club Bornheim das Unternehmen, Jungen in dieser Entwicklungsphase zu fördern.

So kamen die Georg-von-Boeselager-Schule in Swistal und die Hans-Dietrich-Genscher-Schule im Schuljahr 2016/2017 zum ersten Mal in den Genuss dieses Angebots. Im Rahmen eines wöchentlichen Nachmittagsprogramms lernten die jungen Fußballer zum einen ein Fußballtraining etwas anderer Art kennen. Zudem erhielten sie Einblick in den Betrieb des 1. FC Köln, wovon Jungen in diesem Alter sonst nur träumen. Sie fuhren zum Vereinsheim des 1. FC und lernten Sportgrößen kennen, deren Namen sie bisher nur aus dem Fernsehen kannten. Sie durften sich Trainingstipps holen, und einer der Jungen aus Berkum durfte in einem wichtigen Spiel der großen Vorbilder Fahnenjunge sein.

Fortschritte im Sport und im Lesen

Während auf der einen Seite die sportlichen Fähigkeiten der Kinder gefördert werden, ist auf der anderen Seite ein großer Fortschritt beim Lesen zu verzeichnen. Dies ist den Modulen geschuldet, die in die Nachmittagseinheiten eingeflochten werden. Die Jungen leihen jeweils ein Buch aus, das vom Thema her auf ihre Altersgruppe zugeschnitten ist und oft mit ihrem Lieblingssport zu tun hat. In einem anderen Modul, dem Lesetandem, nehmen sich zwei Jungen in einem festen Team eine Matte, die sie in der Halle ablegen. Auf dieser Matte lesen sie gemeinsam einen Text, den sie vorher von den Trainern ausgehändigt bekommen haben. Auch hier kommt das System Fußball wieder zum Tragen. Einer der beiden Jungen aus dem Tandem, nämlich der „Lesestarke“, fungiert als Trainer, der andere als Spieler. Während beide zusammen lesen, hilft der Trainer dem Spieler mit kleinen Korrekturen und unterstützt an besonders schwierigen Stellen. Zum Schluss der Lesezeit darf jedes Tandem ankreuzen, wie oft der Text in der vorgegebenen Zeit unter den genannten Bedingungen gelesen wurde.

Den Erfolg des kombinierten Fußball- und Lesetrainings messen alle Teams am 30. Juni und 5. Juli 2017. Während beim ersten Termin der Sport im Vordergrund steht, wird im Juli im Rahmen eines Bookslams der Schwerpunkt auf dem Lesen liegen. Aus dem Gesamtergebnis der Teams wird schießlich der Sieger ermittelt. In einem haben jedoch alle Jungen in diesem Projekt bereits gewonnen: Ihre Lesekompetenz ist gestiegen, und sie haben Freude am Lesen. Sie haben die „Barriere Buch“ überwunden, wie Kolja Schultz von der SK-Stiftung Kultur sagte. Schulleiter Hendrik Heimbach von der Sekundarschule in Berkum hat das Konzept so überzeugt, dass er darüber nachdenkt, Teile davon in seine Schule zu integrieren und dieses Angebot auch für Mädchen zu öffnen.

Eine Einheit Dribbeltraining gehört ebenfalls zu den Modulen einer „Kicken und Lesen“-Einheit.

Eine Einheit Dribbeltraining gehört ebenfalls zu den Modulen einer „Kicken und Lesen“-Einheit.

Zusammen wurde viel erreicht. Das Team der Sekundarschule Berkum mit (v. l.) Jonas Güdelhöfer, Kolja Schulz, Tina Porath, Rainer Land und Irma Gillert und Kirsten Felgner. Fotos: CEW

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