Der junge Mozart, seiner Reise nach Paris und seinem Weg in die Unabhängigkeit
Justus Frantz begeisterte mit Klaviersonaten
Remagen. Einen wunderschönen Abend erlebten am Donnerstag rund 120 Gäste im Foyer der Rheinhalle, einen Abend mit Justus Frantz, einem Mann, den man mit großartigen Orchestern und absoluter Hingabe zur Musik assoziiert. Seit mehr als 30 Jahren ist Justus Frantz ein international erfolgreicher Pianist und Dirigent. Er engagiert sich vor allem weltweit für junge Musiker. Und was einen Abend mit Justus Frantz, dem Chefdirigenten der Philharmonie der Nationen, auszeichnet, ist auch seine Liebe zu den Komponisten.
Diese Liebe und der große Respekt galt am Donnerstag dem jungen Wolfgang Amadeus Mozart. Frantz brachte nicht nur drei seiner Klaviersonaten virtuos zu Gehör, sondern als unterhaltsamer Moderator erzählte er den Zuhörern auch Einiges aus dem Leben des jungen Mozart, der bis zu seiner Reise nach Paris, die er erstmalig ohne Vater Leopold antrat, immer unter dem Diktat seines Vaters gestanden habe.
Voller Eifer habe der 17-jährige Wolfgang Amadeus für die Vorbereitungen dieser Reise mit der Aussicht der totalen Freiheit begonnen. Seine Gedanken hätten dabei besonders Marie Antoinette, der Tochter von Kaiserin Marie Theresia von Wien, gegolten. Sie hätte als Kind das Klavierspiel von Wolfgang Amadeus so bewundert. In diesem Aufbruch in die Freiheit schrieb Mozart die erste Sonate, die Justus Frantz am Donnerstagabend zu Gehör brachte, die Klaviersonate in F-Dur, KV 332, die Justus Frantz auch als „Aufbruchs- oder Reisesonate“ betitelte. Besonders den dritten Satz beschrieb Frantz als das ganz Besondere an dieser Sonate.
Nur selten habe Mozart eine Sonatensatzform als Schlusssatz in einer Klaviersonate geschrieben, kein Rondo mit seiner eingeschränkten Form, sondern eine große Architektur, gleichzeitig stürmisch und virtuos. Sicherlich habe dies Marie Antoinette beeindrucken sollen.
Auch die zwei weiteren Klaviersonaten von Mozart, die Pianist Justus Frantz dem vollkommen beeindruckten Auditorium zu Gehör brachte, wurden ausgiebig vom glänzenden Moderator Justus Frantz erläutert. Er brachte den Zuhörern mit seiner Moderation einen Mozart näher, der sich allmählich auf seinem Weg in die Freiheit, mal mit Verliebtheit und lockerem Leben und mal mit Wut, von seinem Vater befreite, und dies auch in seinen Kompositionen zum Ausdruck brachte. So schrieb Mozart auf einer der Stationen seiner Reise nach Paris auch die Klaviersonaten in a-moll, KV 320 und A-Dur, KV 331, die Justus Frantz dem begeisterten Publikum virtuos zu vermitteln wusste.
Ebenso wie das Leben auf dieser Reise von Wolfgang Amadeus Mozart. Der wunderschöne Abend mit Justus Frantz war sicher etwas ganz Besonderes auch für die Zuhörer.
Justus Frantz hat 1967 eine ganz außergewöhnliche Musikerkarriere begonnen. Sein Schritt in die internationale Spitzenklasse der Pianisten gelang Frantz 1970 mit dem Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Herbert Karajan. Fünf Jahre später feierte Justus Frantz sein USA-Debüt mit den New Yorker Philharmonikern unter Leonard Bernstein, dessen musikalischen Idealen er sich heute noch verbunden fühlt. Bernsteins Traum von einem internationalen, jungen und vor allem professionellen Orchester inspirierte Justus Frantz 1995 zur Gründung der Philharmonie der Nationen, ein Orchester, das er inzwischen in die Reihe der Besten der Welt geführt hat. AB
