Vortrag von Dr. Jürgen Nelles im Zehnthaus
Kabarettisten im Dritten Reich
Swisttal-Odendorf. Zu einem unterhaltsamen Abend mit ernstem Hintergrund lud der Verein Zehnthaus Swisttal-Odendorf/Essig in das historische Odendorfer Zehnthaus ein. Dr. Jürgen Nelles sprach über „Kabarettisten im Dritten Reich“. In seinem Bild-Vortrag erinnerte er an bekannte und vergessene Kabarettisten, die in den dunkelsten Jahren der deutschen Geschichte mit der Waffe des Wortes Widerstand gegen die Nationalsozialisten leisteten.
Die Wiege des Kabaretts stand – beeinflusst vom Geist der Französischen Revolution - während der „Belle époque“ in Paris. Diese Idee strahlte dann über die Landesgrenzen hinaus und beeinflusste maßgeblich deutsche und österreichische Bühnen. Viele deutsche Kabaretts waren anfangs kleine Etablissements mit Tanz und teils Programm mit erotischem Hauch. Sie entwickelten sich dann aber zu Einrichtungen mit eindeutig verbalem Programm, in dem Kabarettisten wie Claire Waldorf, Lisl Karlstadt, Karl Valentin, Rudolf Platte und Werner Fink auftraten. Die Macht des Wortes war damals in Kleinkunstkellern wie in den Berliner „Katakomben“ und im „Kabarett der Komiker“ oder in der Münchener „Pfeffermühle“ zu hören. Dort haben Wortakrobaten und Sprachartisten mit Satiren und Parodien, mit Sketchen und Flüsterwitzen zunächst versucht, das „Dritte Reich“ zu verhindern und dann zu bekämpfen. Die meisten standen der NSDAP ablehnend gegenüber. Eine Minderheit versuchte sich mit ihr zu arrangieren oder biederte sich ihr sogar an. Viele sahen die Entwicklung im Dritten Reich voraus. Schließlich mussten sie auch um ihr Leben fürchten und wanderten aus. In Deutschland gab es dann nur noch ein linientreues Staatskabarett. Leichte Muse war gefragt; Künstler wie Lale Andersen mit „Lili Marleen“, Marika Röck, Peter Frankenfeld und Werner Fink standen mit leichter Unterhaltung im Vordergrund. Eigenartigerweise hatten sich aber in einigen Konzentrationslagern Kabaretts gebildet, so etwa im Emsland-KZ, wo das Lied von den Moorsoldaten entstand. Das bekannteste dieser Kabaretts war aber das „Karussell“ im KZ Theresienstadt.
Nelles‘ Bericht hatte die zahlreichen Zuhörer emotional gepackt, betroffen gemacht, sodass die anschließende Fragestunde etwas schleppend begann. Nachdem aber das Eis gebrochen war entwickelte sich bald ein munteres Frage- und Antwortspiel.
Dr. Jürgen Nelles beeindruckte sein Publikum durch Detailkenntnis und einfühlsame Schilderung.
