Landrat besucht Kindertagespflege in Mendig
Kindertagesmutter Jutta Neideck will Wahlmöglichkeiten für Eltern
Mendig. „Hier ist das Spielzimmer, daneben der Ruheraum.“ Landrat Dr. Alexander Saftig sah sich kürzlich auf Einladung von Jutta Neideck in der Kindertagespflegestätte in Mendig um und staunte über die vielen Möglichkeiten, die den Kindern hier zur Verfügung stehen. Mehrere Räume reihen sich aneinander, nebenan geht es hinaus in den Garten, der bei schönem Wetter gerne genutzt wird. Langeweile kommt hier garantiert nicht auf. Dr. Saftig wurde bei seinem Besuch begleitet von Verbandsbürgermeister Jörg Lempertz, Mendigs Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel und von Dorothee Geishecker (Fachdienst Kindertagespflege des Kreisjugendamts Mayen-Koblenz).
Jutta Neideck nutzt die Gelegenheit, dem Landrat zu zeigen, was alles machbar ist, wenn Kinder nicht in einer Kindertagesstätte untergebracht sind. „Es ist mir auch wichtig, zu zeigen, wie sehr sich die Kindertagespflege entwickelt hat“, sagte Jutta Neideck. Das spiegelte sich auch in einem Netzwerktreffen wenige Wochen zuvor wieder; im nördlichen Rheinland-Pfalz gibt es bereits 180 Tagesmütter und Tagesväter die sich vernetzt haben. Ein Grund für die Bildung dieses Netzwerks war die Ansicht, dass Kindertagespflege im Bundesland noch immer stiefmütterlich behandelt wird, so Jutta Neideck. Dabei bietet die Kindertagespflege sehr flexible Betreuungsmöglichkeiten.
„Auch während der Corona-Pandemie wurden wir gut behandelt. Wir wurden aufgefordert vorerst zu schließen um Notgruppen zu bilden und wurden dennoch voll weiterbezahlt. Es ist schön, zu wissen, dass unser Landkreis so hinter der Kindertagespflege steht.“
Kindertagespflegepersonen arbeiten oft auf freier Basis, durchlaufen eine umfangreiche Weiterbildung und werden stetig geschult. Ein Problem ist, dass sie nur fünf Kinder gleichzeitig betreuen dürfen. Abhilfe könnte eine sogenannte Großpflegestelle schaffen, bei der sich mehrere Kindertagespflegepersonen zusammenschließen. Doch erst ab Juli 2021 soll dies in Rheinland-Pfalz für Betriebe und Unternehmen möglich sein. Dann können sich zwei Kindertagespflegepersonen zusammenschließen und bis zu zehn Kinder gleichzeitig betreuen.
Dorothee Geishecker bestätigte, dass es im Kreis MYK aktuell 70 Tagespflegepersonen gibt. „Es sind tolle Tagesmütter!“ mit viel Empathie und Engagement. Es ist toll zu sehen das die Kindertagespflege sich sehr positiv weiterentwickelt. Zum Beispiel in der Anforderung an das neue kompetenzorientierte Qualifizierung (QHB) in der Kindertagespflege haben wir im Kreis sofort reagiert und dies auf den weggebracht.
Bei der Jutta Neideck ergänzte, dass die Städte und Kommunen aufgrund der Bedarfsplanung entscheiden, welche Einrichtung wo gebaut wird. Dabei wird die Kindertagespflege in die Bedarfsplanung leider nicht mit einbezogen. Sie wünscht sich ein echtes Wunsch- und Wahlrecht der Eltern - Eltern sollen selbst entscheiden dürfen, ob sie ihre Kinder von ein bis drei Jahren in eine Kindertagesstätte oder eine Kindertagespflegestelle geben und dennoch die Kostenbeitragsfreiheit nutzen können. Landrat Dr. Saftig sieht die Kindertagespflege grundsätzlich sehr positiv und als eine Ergänzung zu Kindertagesstätten. Damit zeigt sich wieder, so Jutta Neideck, dass man beide Möglichkeiten der Kindertagesbetreuung als gleichwertig ansehen kann und sollte.
