Allgemeine Berichte | 07.03.2017

Konzert in der ehemaligen Pallottiner-Kapelle Ehrenbreitstein

Klangteppiche vom Feinsten gewoben

Schon nach der ersten Halbzeit durften sich (v. l.) Wolfram Schmitz, Thilo Willach, Achim Klein und Mark Schelzke über großen Applaus freuen.  BSB

Koblenz-Ehrenbreitstein. Eine „Jazzfabrik“ in der ehemaligen Pallottiner-Kapelle in Koblenz-Ehrenbreitstein – das erscheint ungewöhnlich. Der Förderverein zum Erhalt dieses städtischen Baudenkmals machte es jetzt möglich. Er präsentierte vier Musiker, die in einer kongenialen Zusammensetzung vor mehr als einhundert Gästen ein Benefiz-Konzert in der Kapelle gaben. Die „Fabrikanten“ waren Wolfram Schmitz am Klavier, Thilo Willach am Saxophon, Achim Klein an Kontrabass und E-Bass und Mark Schelzke am Schlagzeug. Sie produzierten mit hoher musikalischer Kunstfertigkeit einen Klangteppich für Liebhaber und Kenner zeitgenössischer Jazzsounds und klassischer Songtraditionen. Die vier gleichermaßen talentierten wie spielsouveränen Vollblutmusiker überzeugten mit leidenschaftlich dargebrachter Spieltechnik und mit wenig Elektronik auskommender, instrumentaler Perfektion. Die teils grenzüberschreitend auftretenden Musiker haben ihr „Handwerk“ von der Pike auf gelernt und akademisch abgeschlossen. In diversen Bigbands und in unterschiedlichen Formationen mit ebenso unterschiedlichen Herausforderungen erweitern sie ständig ihre Spielerfahrung. Sie sind nicht nur als Arrangeure, Komponisten und Begleiter verschiedenster musikalischer Genres, sondern darüber hinaus auch im Musiklehrfach tätig.

Klangschönheit und Rhythmus

In der mit feiner Akustik punktenden Kapelle, in der das Publikum aufgrund der räumlichen Gegebenheiten die Künstler fast hautnah erlebt, begeisterte das gut aufgelegte Quartett mit interaktiv produzierter Klangschönheit und harmonischer Fülle der Musikdarbietungen, mit abgestimmtem Rhythmus und unbändiger Spielfreude. Hinzugefügt wurde reichlich Spontaneität, angereichert mit Groove. So lieferten die „Fabrikanten“ keine Musik „von der Stange“, sondern kunstvollen und anspruchsvollen, aber dennoch wohl bekömmlichen (Fusion-)Jazz. Sie spielten vornehmlich Musik aus den 1980er- bis 1990er-Jahren, Musik, mit der „wir aufgewachsen sind“, wie Wolfram Schmitz sagte. Dazu gehörten Stücke der Jazz-Rockbands „Steps Ahead“ und „Yellowjackets“. Das Liedprogramm war wohl arrangiert, quirlige Titel mit Bossa-Nova- und Samba-Einsprenklern wechselten sich mit weichen, verträumt klingenden und langsamer gespielten ab. Die vielen superschnellen Tonfolgen der fetzigen Lieder absolvierten die Musiker mit entspannter Gelassenheit und stellten immer wieder in ausgedehnten, leidenschaftlich interpretierten und die Tonleiter voll ausschöpfenden Soli ihre Virtuosität überzeugend unter Beweis. Das Publikum quittierte derlei Einlagen mit ehrlichem Zwischenapplaus.

Zahlreiche Eigenkompositionen

Allein die Hälfte der gespielten Kompositionen entstammte den Federn von Thilo Willach und Wolfram Schmitz. Neben traditionellen und populären Stücken wie „Once“ brachte die Gruppe solche mit Latin Groove und ungeraden Takten wie „Blue Year’s Decisions“ oder das im „ECM“-Stil dargebotene „New Year“ zu Gehör. Vor allem Letzteres war spieltechnisch höchst anspruchsvoll, ideenreich getaktet und variabel phrasiert.

Das Saxophon war durchweg das dominierende Instrument, das Willach energiegeladen und vielfach mit Witz spielte. Geradezu tanzend, Loopings vollbringend und gute Laune verbreitend, spielte es sich in Willachs Komposition „Finally“ in die Ohren und Herzen des Publikums. Wolfram Schmitz war da mit weit größerer Ernsthaftigkeit im Spiel unterwegs. Dennoch war seine Freude zu sehen und zu spüren, mit der er sich spieltechnisch hingebungsvoll und bravourös den Herausforderungen der anspruchsvollen Notenwerke stellte. Mit ebenso viel Herzblut brachte sich Mark Schelzke am Schlagzeug ein. Sein Spiel übernahm die Rolle des Befeuerns und setzte deutlich hörbare Akzente in der intelligenten und kreativen Begleitung. In Schmitz‘ „Blue Year’s Decisions“ lieferte der Drummer zudem ein Solo vom Feinsten. Der Mann am Bass, Achim Klein, stand nicht nur als unaufdringlicher Klanglieferant im Hintergrund, sondern erhielt und nutzte viele Gelegenheiten, seine Spielfertigkeit hörbar zu machen. Vor allem dann, wenn sein Instrument wie in „Question and Answer“ von Pat Metheny einmal die Melodie spielen durfte.

Interaktion der Instrumente

Die Zuhörer genossen die Darbietungen sichtlich, fühlten die Klänge nach, manchmal mit geschlossenen Augen, manchmal sich leicht im Rhythmus wiegend. Große Begeisterung zeigten sie beispielsweise für Schmitz‘ „Ballad“, ein Stück, in dem das Interagieren der Instrumente besonders effektvoll zur Geltung kam. Zaghaft und vorsichtig herantastend spielte Schelzke die Becken des Schlagzeugs an, nachdem Klavier und Kontrabass in einem die einzelnen Noten sauber herausgearbeiteten Duett vorgelegt hatten. Im Zusammenspiel mit dem Sopransaxophon schuf das Quartett dann eine Melodie, der eine leichte Feierlichkeit innewohnte. Mit zunehmendem Volumen strömte eine berstende Energie in das Spiel, die wiederholt gebremst wurde, nur um kurz darauf erneut launig auszubrechen. Einen ganz ähnlichen Charakter hatte Thilo Willachs „Sad Ballad“. Ein Klavier mit tröpfelnden Tönen, ein Saxophon wie ein Nebelhorn und ein Schlagzeug mit samtenem Klang.

Mit ihrer dem lautstarken Applaus folgenden Zugabe „Talking to Myself“ von Michael Brecker brannte die „Jazzfabrik“ ein letztes musikalisches Feuerwerk ab.

Das nächste Benefiz-Konzert des Fördervereins findet am 1. April in der ehemaligen Pallottiner-Kapelle statt. Es ist ein klassisches Konzert mit Svetlana Travnikova am Klavier und dem Nachwuchstalent Anna-Lena Pabst an der Violine.

BSB

Kapelle und Musiker begeisterten das Publikum gleichermaßen.

Kapelle und Musiker begeisterten das Publikum gleichermaßen.

Wolfram Heidelmayer vom Förderverein zum Erhalt der Ehemaligen Pallottiner-Kapelle (fepke) begrüßte die Gäste.

Wolfram Heidelmayer vom Förderverein zum Erhalt der Ehemaligen Pallottiner-Kapelle (fepke) begrüßte die Gäste.

Schon nach der ersten Halbzeit durften sich (v. l.) Wolfram Schmitz, Thilo Willach, Achim Klein und Mark Schelzke über großen Applaus freuen. Fotos: BSB

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