Allgemeine Berichte | 16.08.2024

Fledermausexkursion lockte viele Naturinteressierte nach Horbach

Kleine Säuger greifen nicht an und trinken kein Menschenblut

Viele junge und ältere Naturfreunde und -freundinnen waren nach Horbach gekommen, um mehr über das Leben der heimischen Fledermäuse zu erfahren. Foto: WWV Buchfinkenland / Uli Schmidt

Horbach/Buchfinkenland.Über Jahrhunderte begleiten sie viele Mythen und Sagen, werden um ihr Leben Vorurteile und Ängste über Generationen verbreitet. Dabei sind sie weder angriffslustig, noch trinken sie Menschenblut. Im Gegenteil: sie sind für die Menschen sogar sehr nützlich, beispielsweise dadurch, dass sie unliebsame Plagegeister wie Stechmücken reduzieren. Der Westerwald-Verein Buchfinkenland hatte jetzt zu einer Fledermausexkursion eingeladen, um mehr über die Faszination der einzigen fliegenden Säugetiere zu erfahren.

Dazu waren kurz vor Einbruch der Dunkelheit an einem herrlichen Sommerabend fast 50 Interessierte, darunter erfreulich viele Kinder, an den Parkplatz am Waldstadion in Horbach gekommen. Als Expertinnen warteten dort bereits Heide Bollen vom Nabu Neuwied, die neben ihrem Engagement in verschiedenen Naturschutzverbänden auch ornithologische Kartierungen für den DDA (Dachverband Deutscher Avifaunisten) durchführt, und Carina Meurer, die neben ihrer beruflichen Tätigkeit bei der Naturschutzbehörde ehrenamtlich verwaiste und verletzte Fledermäuse aufpäppelt. Sie hatte eine Zwergfledermaus mitgebracht, die im Juni nach einem Angriff durch eine Katze zu ihr gekommen und die inzwischen so weit genesen war, dass sie an diesem Abend ausgewildert werden sollte - unzweifelhaft der Höhepunkt der Veranstaltung! Endlich war es nach einigen spannenden Minuten so weit: das kleine Tierchen verließ die Hand seiner „Pflegemutter“ unter den erstaunten Blicken aller Anwesenden in den Schutz des nahen Waldes.

Zuvor berichtete Heide Bollen allerhand aus dem Leben der bis zu 25 Fledermausarten in Deutschland. Auf Fragen der Kinder wie: wo schlafen die denn, wo machen die Pipi oder was essen die, blieb die Expertin keine Antwort schuldig. „Nein, Fledermäuse fliegen nicht nur zum Vergnügen, die müssen ihren Ranzen vollkriegen“, antwortete Bollen. Sie erklärte auch, weshalb sie nur nachts jagen: wegen der Sonne und der Greifvögel, was sie beides gar nicht mögen!

Fledermäuse wurde auf die „Eindringlinge“ aufmerksam

Mit zunehmender Dunkelheit wurden dann wohl auch die rund um den Sportplatz lebenden Fledermäuse auf die „Eindringlinge“ aufmerksam und schwirrten über deren Köpfe. „Diese Art geht meist am Rand von Hecken oder an Waldrändern auf die Jagd“, erklärte die Expertin. Erkannt beziehungsweise gehört hatte sie die Art mit ihrem Fledermausdetektor. „Fledermäuse orten die Insekten, die sie nachts jagen, durch die Ultraschall-Echoortung und dabei nutzt jede Art ihre eigene artspezifische Frequenz“, wurde den neugierigen Naturinteressierten erläutert, wie ein Fledermausdetektor funktioniert. Das kleine handliche Gerät zeichnet die für menschliche Ohren weitgehend unhörbare Fledermausrufe auf und gibt sie dann als hörbare, jede Art kennzeichnete Knacklaute wieder. Und im weiteren Verlauf der Exkursion sollte es dann noch ziemlich oft „knacken“…

Spannend wurde es dann an den Hünengräbern hinter dem Horbacher Sportplatz in einem 170 Jahre alten Eichen- und Buchenwald, wie der Vorsitzende des WWV Buchfinkenland, Manfred Henkes, informierte. „Hier bleiben bestimmte Bäume stehen und werden nicht gefällt, um so unter anderem besser für den Bau von Baumhöhlen geeignet zu sein“, so der frühere Förster. Dort seien auch von Spechten mühsam gebaute Höhlen nun von Fledermäusen bewohnt.

Am Waldrand in der Wüstung Linsingen war dann plötzlich aus vielen Kindermündern zu hören: „Da ist eine...und da noch zwei…und guck mal da hinten“, riefen viele junge Stimmen gleichzeitig und zeigten mit den Fingern nach oben. Einige Exkursionsteilnehmer hatten leistungsfähige Taschenlampen dabei und beleuchteten an dieser Stelle den Wald. 50 Augenpaare folgten neugierig den Lichtscheinwerfern und tatsächlich waren viele kleine dunkle Flattertiere vor dem schwarzen Himmel zu sehen und mit dem Detektor auch gleichzeitig zu hören, bevor sie im inneren des Waldes verschwanden.

Künstliches Licht, der zunehmende Insektenschwund und der Verlust an frei zugänglichen Dachstuben und anderen Verstecken seien schuld daran, dass Fledermäuse immer seltener werden, erklärten die Fledermaus-Expertinnen in einer abschließenden Runde, wieder zurück am Parkplatz. „Immerhin wissen wir jetzt, dass neben der Zwergfledermaus auch die Breitflügelfledermaus im Buchfinkenland jagt“, so Heide Bollen. Carina Meurer ergänzte abschließend: „Wir haben nur wenige Arten gehört, aber wir dürfen zufrieden sein, viel mehr kann man zu dieser relativ frühen Nachtstunde nicht erwarten, einige Arten kommen nämlich erst später in der Nacht aus ihren Verstecken“, erklärte sie. Ein Teilnehmer meinte sogar schmunzelnd: „Vielleicht sind die schon in Horbach auf der Kirmes!“

Doch da tauchten noch einige wichtige Frage auf: was kann man selbst auf dem eigenen Grundstück dafür tun, um den Fledermäusen etwas zu helfen? Der Tipp der Expertinnen: Ein Quartier in Form eines Fledermauskastens ist schnell gebaut. Eine Bauanleitung und einige Tipps gibt es beim Nabu, wo aber auch fertige Fledermauskästen bestellt werden können. Info auch unter www.fledermäuse-willkommen.de. Manfred Henkes dankte abschließend den Referentinnen und allen, die gemeinsam einen erlebnisreichen und informativen Abend erlebt haben. „Vielleicht kommen ja beim nächsten Mal auch einige Leute mehr aus dem Buchfinkenland“!“ so die Hoffnung aller Vorstandsmitglieder des einladenden Westerwald-Vereins in der südlichsten Kleinregion des Westerwaldes.

Pressemitteilung

Westerwald-Verein/Zweigverein Buchfinkenland

Viele junge und ältere Naturfreunde und -freundinnen waren nach Horbach gekommen, um mehr über das Leben der heimischen Fledermäuse zu erfahren. Foto: WWV Buchfinkenland / Uli Schmidt

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