Allgemeine Berichte | 01.04.2015

Gesamtschule Rheinbach hat zu viel Erfolg

Kommunalpolitiker wollen nicht akzeptieren, dass Schüler abgewiesen werden

Jetzt wird doch noch über eine Sechszügigkeit nachgedacht - Gemeinde Swisttal soll sich finanziell beteiligen

Rheinbach. Erfolg bringt manchmal auch Nachteile mit sich. Deshalb steht die erst Anfang des aktuellen Schuljahres gegründete Gesamtschule in Rheinbach vor dem Dilemma, dass sie 20 Schülern eine Absage erteilen muss, weil sich mehr Fünftklässler angemeldet haben, als die Schule Kapazitäten besitzt. 155 Kinder wollen die neue Gesamtschule in den Räumen der Gemeinschaftshauptschule besuchen - es gibt aber nur 135 Plätze.

Die Anmeldungen stammen aus Rheinbach (96), Swisttal (31), Meckenheim (14), Alfter (9), Euskirchen (1), Wachtberg (2) und sogar aus dem Kreis Ahrweiler (2) im Nachbarbundesland Rheinland-Pfalz. Unter den Neuanmeldungen sind auch zehn Schüler mit Förderbedarf, die doppelt zählen. Von den 20 Schülern, die aufgrund der zu großen Nachfrage eine Absage erhalten sollen, kommen vier aus Rheinbach.

„Die hohe Anmeldezahl ist keine Überraschung und eigentlich auch erfreulich“, so Rheinbach Bürgermeister Stefan Raetz, „aber jetzt müssen wir, ähnlich wie alle anderen Gesamtschulen in der Region, voraussichtlich einigen Kindern absagen.“ Die Kapazitäten reichten vor allem deshalb nicht aus, weil überdurchschnittlich viele Kinder aus den Nachbarkommunen die Rheinbacher Schule besuchen wollten. Und die müssten rechtlich genauso behandelt werden wie die einheimischen Rheinbacher Schüler, wenn es in deren Heimatskommune keine eigene Gesamtschule gebe. „Wir haben keine Möglichkeit, die Rheinbacher Kinder zu bevorzugen - wenn sich das mancher auch wünschen würde“, bedauert Raetz.

Mit Zusatzkosten in Millionenhöhe verbunden

Wenn man dennoch alle Kinder unterbringen wollte, müsste man auch in diesem Jahr, wie schon im Vorjahr, eine Ausnahmegenehmigung für die Sechszügigkeit bei der Kölner Bezirksregierung beantragen. Damit aber würde nach Ansicht von Raetz der Grundstein gelegt für eine grundsätzliche Sechszügigkeit in allen Stufen von der fünften bis zur 13. Klasse, was mit Zusatzkosten in Millionenhöhe einhergehe. „Das würde bedeuten, dass wir auf Dauer neun Klassen mehr unterbringen müssten, als bisher geplant, und das können wir nur mit einem großen Neubau bewerkstelligen.“ Zumal auch die demographische Entwicklung - anders als in anderen Regionen - keine Hilfe sei, „denn wir sind nach wie vor eine prosperierende Region mit vielen Zuzügen, die Zahl der Schüler bleibt auf Jahre hinaus mindestens gleich groß.“

„Wir müssten also letztlich viel Geld ausgeben für Kinder aus der Nachbarschaft, wobei allein aus der Gemeinde Swisttal eine komplette Klasse angemeldet wurde“, stellt Raetz fest. Für eine Stadt wie Rheinbach sei dies einfach nicht finanzierbar. Man dürfe sich nicht davon täuschen lassen, dass man am Anfang noch mit relativ geringen Zusatzkosten auskäme, bei der nur eine einzige Klasse mehr geschaffen werden müsse, doch auf Dauer summiere sich der Platzbedarf auf ein praktisch unbezahlbares Maß.

Gespräche nach den Osterferien

Deshalb möchte er nach den Osterferien mit seinem Swisttaler Amtskollegen Eckhard Maack sprechen und ihn um finanzielle Unterstützung bitten. Die Landeszuwendungen, die Rheinbach für die Beschulung der auswärtigen Schüler erhalte, decke die Mehrkosten bei Weitem nicht ab. Es könne nicht angehen, dass die Stadt Rheinbach auf Dauer den Unterrichtes der Swisttaler Kinder bezahle, die ja nicht nur in der Gesamtschule, sondern auch in den beiden Gymnasien der Glasmetropole zahlreich vertreten seien. Die Swisttaler müssten sich die Frage gefallen lassen, ob das schulische Angebot dort ausreiche, oder ob die Gemeinde vielleicht sogar ein eigenes Gesamtschulangebot schaffen müsse, vielleicht in Kooperation mit einer anderen Kommune. „Auf Dauer dürfen die Swisttaler Kinder dem Rheinbach Nachwuchs nicht die Gesamtschulplätze wegnehmen“, war Raetz überzeugt. Derzeit verfügt die Nachbargemeinde als weiterführende Schule lediglich über eine Sekundarschule mit einem Hauptschul- und einem Realschulzweig, die mit benachbarten Gymnasien zusammenarbeitet.

SPD und UWG wollen Anträge stellen

Mittlerweile haben sich die SPD und die UWG im Stadtrat zu Wort gemeldet mit dem Ansinnen, doch schon für das kommende Schuljahr eines sechste Klasse einzurichten. „Die positiven Anmeldezahlen zeigen ein klares Bekenntnis zu der in Rheinbach angebotenen Schulform“, freut sich Dietmar Danz, Stellvertretender Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion und Vorsitzender des Ausschusses für Schule, Bildung und Sport. „Die Gesamtschule in Rheinbach hat aber auch eine große Anziehungskraft auf die Nachbarkommunen, wie die hohen Anmeldezahlen aus Swisttal und Meckenheim belegen“, ergänzt die Fraktionsvorsitzende Martina Koch. Hier müssten für die Folgejahre Lösungen gefunden werden. „Die Attraktivität der Rheinbacher Schule darf im Ergebnis nicht zulasten der Rheinbacher Kinder gehen“, stellt Koch klar. Für das Schuljahr 2015/2016 strebe die SPD-Ratsfraktion erneut eine Ausnahmegenehmigung an, um alle an der Gesamtschule angemeldeten Kinder aus Rheinbach und Alfter auch aufnehmen zu können.

UWG-Stadtverbandsvorsitzender Jörg Meyer freut sich ebenfalls über die hohen Anmeldezahlen, die die Richtigkeit der Gesamtschulgründung in Rheinbach bestätigten. Meyer sieht jedoch nun massive Probleme: „Das ursprünglich geplante Konzept einer fünfzügigen Gesamtschule geht nicht auf!“ Bereits im Gründungsjahr 2014 hatte die Gesamtschule 160 Anmeldungen, damals habe man rechtzeitig vor dem Start eine Ausnahmegenehmigung für eine Sechszügigkeit beantragt und erteilt. Dadurch wurden kleinere Klassen ermöglicht und zusätzlich noch Reserven für Kinder, die erfahrungsgemäß nach der zweijährigen Erprobungsstufe das Gymnasium verlassen, vorgesehen.

Reserve für Rückkehrer aus dem Gymnasium

Dass Rheinbacher Kinder die gerade gegründete und außer den Gymnasien einzige weiterführende Schule in Rheinbach nicht besuchen könnten, ist für UWG-Ratsherrn Jörg Meyer ein nicht hinzunehmender Zustand. „Rheinbach als Mittelzentrum und Stadt der Schulen muss für seine Schüler ausreichend Plätze bieten. Zusätzlich muss in vorausschauender Weise auch wieder eine gewisse Reserve für von den Gymnasien auf die Gesamtschule wechselnde Schüler vorgehalten werden. Auch diese Kinder sollen einen Platz in der Gesamtschule Rheinbach erhalten können“, so Meyer weiter.

Daher hat Meyer im Schulausschuss den Antrag gestellt, für das kommende Schuljahr als kurzfristige Lösung erneut eine Ausnahmegenehmigung für eine Sechszügigkeit zu beantragen. „Wir müssen in dieser Situation zuerst unserer Verantwortung für die Schüler unserer Stadt gerecht werden.“ Meyer hofft daher auf eine breite Unterstützung seines Antrages.

Erhebliche finanzielle Mehrbelastung

Für Rheinbach als Stadt in der Haushaltssicherung würde eine dauerhafte Sechszügigkeit allerdings eine erhebliche Mehrbelastung bedeuten, weiß auch Meyer, da zusätzliche bisher nicht eingeplante Kosten für Schulräume und deren Unterhalt entstehen würden. Hierzu müssten nach seiner Meinung gemeinsam mit den Nachbarkommunen Alfter, Meckenheim und Swisttal für das übernächste Schuljahr 2016/17 in Ruhe zukunftsorientierte Lösungen entwickelt werden. „Möglicherweise macht auch eine gemeinsame Schulentwicklungsplanung der Kommunen Alfter, Rheinbach und Swisttal Sinn“, so Jörg Meyer abschließend.

In der Sitzung des Schulausschusses am 23. April werde jedenfalls über den Antrag einer Ausnahmegenehmigung auf Sechszügigkeit für das kommende Schuljahr entschieden, vielleicht sogar schon in der Stadtratssitzung am 20. April. Und Bürgermeister Stefan Raetz ist besonders auf die Finanzierungsvorschläge der Fraktionen gespannt. Wenn alles passt, könne man durchaus noch zum bald beginnenden Schuljahr 2015/16 die sechste Klasse einrichten. Doch letztlich müsse man sich darüber im Klaren sein, dass man irgendwann über eine dauerhafte Sechszügigkeit diskutieren müsse.

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