Konzert der Stille zu eindeutigem Wille
Mendig/Vallendar. Unerwartet groß war am vergangenen Wochenende das Gedenken zum 80. Todestag von Märtyrer Pater Franz Reinisch, der am 21. August 1942 im Zuchthaus Brandenburg-Görden enthauptet wurde. Als katholischer Priester setzte er mit der Verweigerung des Fahneneids auf Hitler ein einzigartiges Zeichen, das er mit seinem Leben unter dem Fallbeil bezahlte. Eingeladen hatte zum Besinnungstag Prof. Dr. Heribert Niederschlag, SAC, vom Reinisch-Büro Vallendar mit den Worten: „Hitler hatte die Flamme des Hasses und Krieges in viele Länder geschleudert, Pallottinerpater Reinisch wollte die Flamme der Liebe und des Friedens in die Welt schleudern und gab sein Leben hin für ein erneuertes Deutschland.“ Geboren am 1.2.1903 in Feldkirch-Levis studierte nach Jura in Innsbruck und Kiel 1923 Philosophie und Theologie in Insbruck, wo er am 29.6.1928 zum Priester geweiht wurde. Nur ein halbes Jahr später erfolgte sein Eintritt bei den Pallottinern . Sein unerschrockenes Auftreten und die Ablehnung des Fahneneids führten am 7.7.1942 zum Todesurteil und zu seiner Enthauptung im Zuchthaus in Brandenburg-Görden am 21.8.1942!
Seine Urne konnte erst im Oktober 1946 neben der Gnadenkapelle inSchönstatt beigesetzt werden. Die Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens erfolgte im Mai 2013. Weihbischof Jörg Michael Peters aus Trier bekannte sich als ganztägiger Ehrengast eindeutig zu diesem Trierer Märtyrer und zitierte in seinem Grußwort den Bischof von Innsbruck, Reinhold Stecher, der als Widerstandskämpfer 1939 ins Gefängnis der Gestapo und im letzten Augenblick vom KZ-Transport wegkam.
„Wenn ich an Pater Reinisch denke, fällt mir immer ein Granitblock in einem hochwasserführenden, rauschenden Bergbach ein, an dem die erdbraunen Fluten zerschnellen und derGischt nach allen Seiten stäubt. Das war seine Rolle in jener Flut, die über Tirol 1938 hereinbrach und in diesem Land zur radikalen Kirchenverfolgung im damaligen deutschen Reich führte.“ Es folgten Referate von P. Dr. Adalbert Kordas, ofm und P. Peter Hinsen, SAC, über den Fortgang des Seligsprechungsverfahrens , aufgelockert durch passende Gesangsbeiträge eines Madricalchors aus Limburg.
In einem über einstündigen „Dialog zwischen Franz Reinisch und seiner früheren Freundin Ludowika“ wurde am Abend der Lebensweg Reinischs als „Konzert der Stille tief ergreifend vermittelt. Den Text verfasste Angela Marlier, Sprecher waren Katrin Wolf und Pater Heribert Niederschlag, begleitet vom Organist Frater Gregor Brandt aus der Abtei Marienstatt.
Ein zufällig anwesender Pallottiner-Missionar aus Brasilien zeigte sich am Schluss des Konzertes wie die meisten übrigen Besucher ergriffen und bewegt mit der Bemerkung:
„Solche Tage, wie der heutige, sind gerade für die Deutsche Kirche in ihrer schweren Situation Mahnung und Hoffnung zugleich!“
Heinz Lempertz
