Harfen-Duo Wauters gastierte bei Kultur im Keller in Montabaur
Konzertreihe „Lauschvisite“ entführte in neue Klangwelten
Klangvolle Akkorde und punktgenaues Zusammenspiel verzauberten die Zuhörer
Montabaur.Die Konzertreihe Lauschvisite ist ein Garant für besondere Konzertprogramme mit ungewöhnlichen Kammermusikbesetzungen. Gleich zwei Konzertharfen im Duo hatte das Montabaurer Publikum allerdings bisher noch nicht erlebt. Schon der Anblick der beiden Instrumente im stimmungsvoll beleuchtetet Historica-Gewölbe weckte gespannte Erwartungen.
Für das Konzert, das im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz stattfand, waren die Musikerinnen aus Brüssel angereist: Die Schwestern Emma und Mathilde Wauters spielen seit ihrer Kindheit zusammen im Duo und haben sich mittlerweile jede für sich als Harfenistin international einen Namen gemacht. Bei der Lauschvisite präsentierten sie ein besonderes Programm, in das Eva Zöllner, die Initiatorin der Reihe, zu Beginn des Abends einführte. Ein Werk des impressionistischen Komponisten Claude Debussy eröffnete das Konzert. Ursprünglich für Klavier zu vier Händen komponiert, entfaltete das Stück im Arrangement für zwei Harfen neue Klangwelten in der ausgezeichneten Akustik des Gewölbes. Die beiden Interpretinnen gestalteten die filigranen Verzierungen und klangvollen Akkordfolgen sehr stilsicher und musikalisch. Das Publikum im voll besetzten Gewölbekeller war fasziniert von den klanglichen Möglichkeiten der Instrumente. Dabei waren auch einige Expertinnen unter den Zuhörern, denn die Harfenklasse des Landesmusikgymnasiums hatte sich auf den Weg gemacht, um die beiden Musikerinnen aus nächster Nähe zu erleben.
Im Mittelpunkt des Konzertes stand das Stück „Freude“ für zwei Harfen des Komponisten Karlheinz Stockhausen, das im Jahr 2005 komponiert wurde und zu den Meisterwerken der Avantgarde-Musik gehört. Stefan Kohmann, der als Schlagzeuger selbst mit Stockhausen gearbeitet hat, gab dem Publikum in einer kurzen Präsentation einige biografische Eckdaten zum Komponisten und dessen Werk zur Hand, sodass die Zuhörer gut vorbereitet in die zweite Konzerthälfte starten konnten. Das 40-minütige Stück verlangte den Musikerinnen einiges ab: Es forderte nicht nur hoch virtuose Spieltechniken und punktgenaues Zusammenspiel, sondern auch gleichzeitiges Singen eines lateinischen Pfingstgebets. Was die beiden Schwestern hier auf die Bühne brachten, ließ so manchen Konzertbesucher den Atem anhalten: Die beiden Harfen verbanden sich zu einem einzigen großen Saiteninstrument, die Klänge wanderten durch den Raum und das Zusammenspiel war so perfekt, dass man meinte, auch die beiden Interpretinnen seien zu einem einzigen Organismus verschmolzen. Das Publikum belohnte sie mit lang anhaltendem Applaus und nutzte die Gelegenheit, im Anschluss an das Konzert mit den beiden belgischen Ausnahmemusikerinnen ins Gespräch zu kommen.
