Allgemeine Berichte | 11.01.2021

Die Agentur für Arbeit Montabaur

„Krisen-Arbeitslosigkeit darf sich nicht verfestigen“

Pandemie: Mehr Menschen ohne Job im Bezirk Montabaur - Entspannung im Jahresverlauf – Quote im Dezember bei niedrigen 3,4 Prozent – 51 Millionen Euro Kurzarbeitergeld – Jugendliche in Ausbildung bringen

Region. Mehr Erwerbslose und ein Höchstmaß an Kurzarbeit: Der regionale Arbeitsmarkt stand 2020 im Zeichen der Corona-Krise. Im Bezirk der Agentur für Arbeit Montabaur – er umfasst den Westerwald- und den Rhein-Lahn-Kreis - waren im Jahresdurchschnitt 6.543 Menschen ohne Beschäftigung und die Arbeitslosenquote lag bei 3,6 Prozent. Verglichen mit 2019 ist dies ein Anstieg um 1.558 Personen bzw. 0,8 Prozentpunkten.

Seit der Wirtschaftskrise 2009 gab es einen nahezu durchgängigen Aufwärtstrend am regionalen Arbeitsmarkt. Während die Beschäftigung auf einen Rekordwert anwuchs, erreichte die Arbeitslosigkeit ein historisches Tief. „Die Pandemie hat diese Entwicklung jäh gebremst und uns vor völlig neue Herausforderungen gestellt“, sagt Elmar Wagner, Chef der Agentur für Arbeit Montabaur. „Die gute Nachricht bei aller Ungewissheit ist jedoch, dass sich die Situation seit dem Spätsommer kontinuierlich entspannt hat.“ Im Dezember lag die Arbeitslosenquote mit 3,4 Prozent nur noch 0,7 Prozentpunkte höher als am Jahresende 2019. Am höchsten war der temporäre Anstieg zum Vorjahr im August – mit 1,4 Prozentpunkten.

„Im plötzlichen März-Lockdown lautete unsere erste Devise: Die Agentur für Arbeit muss trotz Kontaktbeschränkungen für ihre Kunden erreichbar bleiben und die finanziellen Hilfen zügig auszahlen“, erklärt der Agenturchef im Rückblick. „Um das zu gewährleisten, haben wir uns neu aufgestellt. Denn Arbeitslosengeld und Kurzarbeitergeld sind existenzsichernd für betroffene Menschen und Betriebe „

Wagner spricht von einer raschen und gelungenen Umstrukturierung. Die bundesweiten telefonischen Servicenummern wurden um eine lokale Hotline erweitert. Der Digitalisierung leistete die Krise Vorschub. So musste man bislang persönlich in die Agentur kommen, um sich arbeitslos zu melden. Jetzt ist auch dies auf elektronischem Weg möglich.

Mit dem ersten Aufschlag im Frühjahr meldete ein Drittel aller Betriebe des Agenturbezirks für potenziell ein Drittel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Kurzarbeit an. Um die Flut dieser Anzeigen zu bewältigen, wurden Kräfte aus anderen Fachbereichen geschult und konnten innerhalb kürzester Zeit das Auszahlen von Lohnersatzleistungen unterstützen. Tatsächlich nahmen weitaus weniger Unternehmen die Kurzarbeit in Anspruch als zunächst zu erwarten war. Trotzdem wurde sie in nie gekanntem Ausmaß und in so vielen Branchen wie nie zuvor genutzt. Die Agentur für Arbeit zahlte für den Bezirk Montabaur fast 51 Millionen Euro Kurzarbeitergeld aus. Elmar Wagner: „Diese finanzielle Dimension und die auf relativ niedrigem Niveau gebliebene Arbeitslosigkeit sprechen dafür, wie wirksam dieses Instrument ist. Damit werden die Fachkräfte gehalten, die dringend gebraucht werden, um nach der Krise neu zu starten.“

Im dritten Jahr in Folge meldeten die Unternehmen bei der Agentur für Arbeit weniger freie Stellen. Von 2019 auf 2020 gab es mit einem Rückgang von 8.189 auf 6.131 Jobangebote einen Einbruch um 25,1 Prozent; auch hier schlägt die Pandemie zu Buche. Sie spiegelt sich zudem in der Beschäftigung, die lange Zeit auf Wachstumskurs war. Aktuell liegt die Statistik zum Stichtag 30. Juni 2020 vor. Normalerweise wird zur Jahresmitte in wetterabhängigen Branchen wie Land- und Forstwirtschaft, Garten- und Landschaftsbau sowie Gastronomie wieder verstärkt eingestellt. In der Corona-Krise hingegen ist ein Minus sowohl gegenüber dem Vorquartal als auch gegenüber dem Vorjahresquartal zu verzeichnen, das vor allem auf einem Beschäftigungsrückgang in der Zeitarbeit und der Gastronomie beruht.

Nach dem fordernden Krisenmanagement legt die Arbeitsagentur den Fokus im Jahr 2021 darauf, die negativen Auswirkungen der Pandemie zu begrenzen und neue Perspektiven zu eröffnen - vor allem für Langzeitarbeitslose und andere Menschen, die es schwer haben, einen Job zu finden. Und auf keinen Fall sollen die Jugendlichen auf der Strecke bleiben, die nach der Schule ins Erwerbsleben starten möchten.

In der aktuellen Krise laufen insbesondere gering qualifizierte Arbeitslose Gefahr, auf Dauer ohne Job zu bleiben. Sie wurden zum Höhepunkt der Pandemie zuerst entlassen, und ihre Chancen auf eine Neueinstellung sind derzeit noch geringer als ohnehin. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass vermehrt Menschen in der Grundsicherung landen, weil ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld als Versicherungsleistung endet. Um zu verhindern, dass ihre Integrationschancen sich weiter verringern, setzt die Agentur für Arbeit auf individuelle Qualifizierung, die möglichst auf einen beruflichen Abschluss hinführt. Eine geförderte Weiterbildung ist nach dem Qualifizierungschancengesetz auch im Erwerbsleben möglich. Elmar Wagner: „Wir müssen alles daransetzen, dass die krisenbedingte Arbeitslosigkeit sich nicht verfestigt! Lebenslanges Lernen ist und bleibt der Schlüssel zu einer stabilen Erwerbsbiografie.“

Für das Ausbildungsjahr 2019/20, das im Oktober endete, konnte trotz Corona eine recht gute Bilanz gezogen werden. Wegen des ersten Lockdowns und der folgenden Einschränkungen verzögerten sich die Abläufe. Vieles konnte aber aufgeholt werden. So stellten die Betriebe in der Region im Oktober, November und sogar im Dezember noch Azubis ein.

Der zweite Lockdown, dessen Ende offen ist, könnte viele Unternehmen hart treffen“, befürchtet Elmar Wagner. „Angesichts der Unsicherheit verhalten die Betriebe sich abwartend. Das spiegelt sich auch bei den gemeldeten Ausbildungsstellen. Momentan liegen sie im Agenturbezirk etwa 10 Prozent unter dem Bestand des Vorjahres, als von einer Pandemie noch keine Rede war.“ Arbeitgeber, die ihre Azubis in der Regel über Praktika gefunden haben, sehen Probleme, ohne dieses Kennenlernen geeignete Jugendliche zu finden. Wagner: „Umso wichtiger ist es, Angebot und Nachfrage bestmöglich zusammenzubringen. Unser Arbeitgeberservice unterstützt Betriebe bei der Nachwuchsgewinnung, und unsere Berufsberatung ist auch bei geschlossenen Schulen für die jungen Leute da, die sich orientieren möchten oder konkret eine Lehrstelle suchen.“

Der Arbeitsmarkt im Dezember

In den letzten beiden Monaten des alten Jahres ist die Arbeitslosigkeit nahezu gleichgeblieben. Ende Dezember wurden im Agenturbezirk Montabaur 6.178 Menschen ohne Job gezählt; das sind 7 Personen weniger als im November. Die Arbeitslosenquote bleibt bei 3,4 Prozent. Im Dezember 2019 gab es 1.294 Erwerbslose weniger, und die Quote betrug 2,7 Prozent.

Der Agenturbezirk Montabaur umfasst zwei Landkreise, für die es auch getrennte Statistiken gibt. Danach sind im Westerwaldkreis 3.905 Arbeitslose gemeldet. Das sind 38 Personen weniger als im November, aber 770 mehr als Ende 2019. Die Quote beträgt wie im Vormonat 3,4 Prozent. Vor einem Jahr waren es 2,7 Prozent.

Im Rhein-Lahn-Kreis ist mit 2.273 Arbeitslosen ein Anstieg um 31 Personen gegenüber dem November zu verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind es 524 Personen mehr. Die Quote liegt derzeit bei 3,5 Prozent. Vor einem Monat waren es 3,4 Prozent, vor einem Jahr 2,6 Prozent.

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