Allgemeine Berichte | 25.02.2022

Ausbau des Gruppenklärwerks Flerzheim zur Membranbelebungsanlage mit Pulveraktivkohledosierung

Landesumweltministerin Heinen-Esser überreicht Förderbescheid

V.l.: Landtagsabgeordneter Oliver Kraus, Frau Paas (Abteilungsleiterin der Öffentlichen Infrastrukturförderung 2, NRW.Bank), Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser, Dr. Horst Büther (Leiter der Abteilung Umwelt und Arbeitsschutz, Bezirksregierung Köln), Erftverbandsvorstand Dr. Bernd Bucher, Prof. Heinrich Schäfer (Bereichsleiter Abwasser, Erftverband). Quelle: Erftverband

Bergheim/Rheinbach-Flerzheim. Der Erftverband plant die Erweiterung der kommunalen Kläranlage Rheinbach-Flerzheim an der Swist. Dafür werden vom Land Nordrhein-Westfalen 17,8 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Den Förderbescheid für den geplanten Umbau überreichte Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser am 24. Februar bei einem Ortstermin auf der Kläranlage Rheinbach-Flerzheim. „Der Ausbau der Kläranlage Rheinbach-Flerzheim zur Reduzierung des Eintrags von Mikroschadstoffen wird zu einer weiteren Verbesserung der Gewässerqualität der Swist und auch der Erft führen. Mit der Anwendung der Pulveraktivkohle und der Membrantechnik setzt der Erftverband seinen vorausblickenden Weg der Anwendung fortschrittlicher Techniken zur Verbesserung der Gewässerqualität fort. Dies unterstützen wir als Land gerne“, sagte Ministerin Heinen-Esser. Die Kläranlage ist mit ihrer Ausbaugröße von 50.000 Einwohnerwerten (EW) für die Wasserführung und -qualität in der Swist von zentraler Bedeutung. Gerade in den Sommermonaten hat das gereinigte Abwasser aus der Kläranlage einen Anteil von ca. 90% an der Wasserführung. Darüber hinaus gibt es verschiedene sensible Nutzungen, wie die Entnahme von Bachwasser zur Beregnung von Obst- und Gemüsekulturen. Im Rahmen von Forschungsvorhaben unter der Beteiligung des Erftverbandes wurden in der Swist bereits antibiotikaresistente Krankheitserreger nachgewiesen, die aus Kläranlagenabläufen stammen.

Bereits seit dem letzten großen Umbau der Kläranlage Flerzheim, Ende der 1990er Jahre, werden Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor auf sehr geringe Restkonzentrationen reduziert. Die Überwachungswerte von 1,3 mg/l für Ammoniumstickstoff und 0,6 mg/l Gesamtphosphor gehen weit über die üblichen Anforderungen hinaus. Trotz der bereits sehr guten Reinigungsleistung gibt es auf der Anlage einen hohen Sanierungsbedarf. Viele Anlagenteile, wie z.B. drei der Nachklärbecken und die Denitrifikationsbecken stammen noch aus der vorletzten Ausbaustufe in den 1980er Jahren. Einzelne Bauwerke wie das Zulaufpumpwerk sogar noch aus der ersten Anlage an diesem Standort, die 1967 in Betrieb genommen wurde.

Darüber hinaus plant der Erftverband den Anschluss der nahegelegenen Kläranlage Miel, da das Abwasser auf der Anlage in Flerzheim günstiger und mit einer höheren Qualität gereinigt werden kann.

Die anstehende Erweiterung der Kläranlage auf eine Ausbaugröße von 67.000 EW soll als Membranbelebungsanlage mit integrierter Spurenstoffelimination durch Dosierung von Pulveraktivkohle (PAK-MBR) erfolgen. Die Membranfiltration hält mit einer Porengröße von 0,04 µm (Mikrometer) praktisch alle Feststoffe in der Anlage zurück. Sie dient so zum einen als Trennstufe für die Pulveraktivkohle und soll zum anderen Mikroplastik und Krankheitserreger im Ablauf der Kläranlage deutlich verringern. Die Pulveraktivkohle nimmt darüber hinaus auch gelöste Stoffe wie Arzneimittelrückstände, Haushalts- und Industriechemikalien auf.

Somit wird zukünftig ein umfassender Rückhalt auch für alle aktuell diskutierten, kritischen Abwasserinhaltsstoffe erreicht, die auf konventionellen Kläranlagen nur unzureichend zurückgehalten werden. Aufgrund der geplanten deutlichen Reduzierung der Stoffeinträge in die Swist durch den Einsatz innovativer Reinigungsverfahren konnten für die Maßnahme umfangreiche Mittel aus dem Förderprogramm für „Ressourceneffiziente Abwasserbeseitigung NRW II“ (ResA II) beantragt werden, die diesen umfangreichen Umbau erst möglich machen.

Neben der Kläranlage Flerzheim leitet auch die etwa halb so große Kläranlage Rheinbach in die Swist ein. Sie wurde bereits 2019 im Zuge eines Forschungsvorhabens mit einem Bodenfilter zur weitergehenden Spurenstoffelimination ausgerüstet, sodass alle Kläranlagen im Bereich der Swist zukünftig mit einer vierten Reinigungsstufe ausgestattet sind. Nach der baulichen Fertigstellung und Inbetriebnahme soll daher auch eine wissenschaftliche Evaluierung der Wirkung auf das Gewässer erfolgen.

Durch die Flutkatastrophe wurde die Kläranlage Rheinbach stark getroffen. Die Gebläsestation der biologischen Stufe und die Filtration wurden vollständig geflutet. Durch den Einsatz der Mitarbeitenden ist es in kürzester Zeit gelungen, die biologische Reinigung mit Leihaggregaten wieder sicherzustellen. Mit der anschließenden Aufstellung der Neugebläse im oberliegenden Geschoss hat der Verband den Hochwasserschutz für die Zukunft bereits deutlich verbessert.

Auf der Kläranlage Rheinbach ist im Übrigen auch eine Spurenstoffelimination mittels eines Retentionsbodenfilters realisiert. Mit dem ebenfalls vom Ministerium geförderten innovativen Verfahren können der Walbach und die Swist von Spurenstoffen weiter entlastet werden.

Pressemitteilung Erftverband

Prof. Heinrich Schäfer (Bereichsleiter Abwasser) erläutert der Ministerin die Flutschäden vom Juli 2021 auf der Kläranlage Rheinbach“. Quelle: Erftverband

Prof. Heinrich Schäfer (Bereichsleiter Abwasser) erläutert der Ministerin die Flutschäden vom Juli 2021 auf der Kläranlage Rheinbach“. Quelle: Erftverband

V.l.: Landtagsabgeordneter Oliver Kraus, Frau Paas (Abteilungsleiterin der Öffentlichen Infrastrukturförderung 2, NRW.Bank), Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser, Dr. Horst Büther (Leiter der Abteilung Umwelt und Arbeitsschutz, Bezirksregierung Köln), Erftverbandsvorstand Dr. Bernd Bucher, Prof. Heinrich Schäfer (Bereichsleiter Abwasser, Erftverband). Quelle: Erftverband

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