Gemütliche Zusammenkunft im Dorfgemeinschaftshaus Giershofen
Landfrauen feierten Dankfest nach einem Ausnahme-Sommer
Die „besseren Hälften“ der Bauern kämpfen gegen Lebensmittelverschwendung und Preisdumping
Giershofen. 500.000 Frauen gibt es im Deutschen Landfrauenverband, 600 im Kreis Neuwied und 140 in der Verbandsgemeinde Dierdorf. Die feierten am Sonntag mit ihren Partnern, Angehörigen, Freunden und geladenen Gästen ihr jährliches Erntedankfest. Diesmal, nach einem extrem trockenen Jahrhundertsommer, ein Fest, bei dem der Dank einer im Vergleich zu vergangenen Jahren deutlich bescheideneren Ernte galt. Vorsitzende der Dierdorfer Landfrauen ist Hella Holschbach, deren Sohn Christian den landwirtschaftlichen Betrieb „Schloßparkhof“ von den Eltern übernommen hat.
Eine mächtige Getreidekrone und ein buntes Ensemble regionaler Ernteprodukte schmückte das Gemeinschaftshaus von Giershofen, wohin die Landfrauen eingeladen hatten. Reich gedeckt war auch die Mittagstafel nach der Andacht mit Pfarrer Patrique Koelmann und der kleinen Ansprache von Bürgermeister Horst Rasbach. Es gab verschiedenen Sorten gutes Gemüse, Schweineschnitzel, Rinderbraten, zuvor eine kräftige Markklößchen-Suppe, Salate und nachmittags selbstgebackenen Kuchen.
Die Aktivitäten der Landfrauen übers Jahr sind extrem vielfältig und auch vielzählig. Hella Holschbach sagt: „Da sind natürlich die vielen Kochkurse zum Thema Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung mit regionalen Produkten, da sind auch Arztvorträge, Vorträge von den Banken, von der Polizei. Und dann haben wir noch Computerkurse, die sehr gut besucht werden.“
Darüber hinaus gibt es Lehr- und Informationsfahrten zu wichtigen Veranstaltungen, beispielsweise der „Grünen Woche“ in Berlin, und zu Vorzeigebetrieben in Deutschland und im europäischen Ausland. Ein wichtiges Anliegen ist den Landfrauen der Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung.
Deshalb gibt es zum Beispiel Kochkurse, in denen die Verwertung von Lebensmittelresten eine große Rolle spielt. Hella Holschbach: „Es wird viel zu viel weggeworfen! Gesunde, gute Lebensmittel werden einfach weggeworfen, weil man sich im Supermarkt vergriffen hat oder etwas vergessen hat im Kühlschrank. Das passiert ja leider sehr oft. Auch, weil die Lebensmittel so billig sind bei uns, wird viel weggeworfen. Deutschland ist ein reiches Land mit den billigsten Lebensmitteln. Das ist bei der Milch so, bei Getreideprodukten, bei Gemüse, Obst und beim Fleisch. Die Deutschen geben ungefähr 13 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Bis in die 60-er Jahre waren das noch 70 Prozent. Unter diesem Preisdruck leiden am meisten die Erzeuger, also die Landwirte. Dabei produzieren unsere Bauern die saubersten Lebensmittel auf der Welt. Die Auflagen, die es hier gibt, die gibt es in anderen Ländern nicht. Das ist auch ein ungleicher Wettbewerb.“
Hinzu kommen in diesem Jahr 30 bis 40 Prozent Ernteverlust, schätzt die Dierdorfer Landfrauen-Vorsitzende, beim Getreide, den Kartoffeln und beim Mais und beim Futter für die Tiere. Hella Holschbach weiß schon von Bauern, die ihre Tiere schlachten, weil sie nicht genügend Futter für den Winter haben. Allerdings betreffe die Missernte aufgrund der andauernden Trockenheit mehr die Landwirte im Norden von Deutschland: „Die haben wirklich gar nichts mehr! Die müssen Futter zu Höchstpreisen einkaufen! Deshalb ist eine Unterstützung vom Staat unbedingt notwendig. Aber das geht erst, wenn Fakten da sind und man schwarz auf weiß Zahlen sieht, wie es aussieht. Aber dann muss es Lösungen geben, die schnell und einfach sind, ohne größeren Verwaltungsaufwand. Das wünsche ich für unsere Bauern.“
Oma Hella hat den Hof an Sohn Christian übergeben, und die dritte Generation ist schon auf dem Weg, die wichtige Tradition der Landwirtschaft am Leben zu erhalten.
Leckeres Gemüse, Salate und gutes Fleisch aus der Region - die Tafel beim Mittagessen der Landfrauen während ihres Erntedankfestes war reich gedeckt.
