Empfang der Westerwälder Wirtschaft
Landrat Schwickert: „Die Wäller Wirtschaft leistet überproportional viel!“
Unternehmer warfen sich in Schale für den Jahresempfang, diesmal beim feinen Modehersteller Blum in Montabaur – WHU-Professor erklärte, „was die Kunden wirklich wollen“
Montabaur. Beim Jahresempfang der Westerwälder Wirtschaft war feiner Zwirn angesagt. Moderator Christoph Kub wies auf die Besonderheit dieses Wirtschaftsempfangs der Westerwälder Unternehmer hin: „Zum ersten Mal sind wir zu Gast bei einem Einzelhändler!“ Er meinte damit den Textilhersteller Blum, der vor noch nicht langer Zeit seinen Firmensitz von Deesen in der Verbandsgemeinde Ransbach-Baumbach nach Montabaur verlegt hat. Dort residiert das Unternehmen in einem prachtvollen Neubau, der traditionelle Elemente harmonisch mit modernen Fassadenansichten verbindet. Quasi symbolisch für die Geschichte des Unternehmens, das es vorbildlich verstanden hat, sich seit seinem Gründungsjahr 1846, also vor 172 Jahren, den rasanten Veränderungen in der Modebranche anzupassen.
Hohe Leistung, hohe Abgaben
So sagte auch Landrat Schwickert in seiner humorigen Begrüßung und Einführung zu den über 400 Gästen aus Wirtschaft, Politik und öffentlichem Leben, an den Blum-Geschäftsführer Alexander Manns gerichtet: „Ihr seid nicht klein, aber nicht so groß wie manch anderer im Westerwaldkreis.“ Schwickert freute sich, unter den vielen prominenten Gästen auch „seinen“ Westerwaldbotschafter Reiner Meutsch begrüßen zu können. Er bezeichnete die Leistungen der Wirtschaft im Westerwaldkreis im vorigen Jahr als „überproportional“ – was leider dazu geführt habe, dass die Abgaben in den kommunalen Finanzausgleich schon bedenklich hoch seien.
Feiner Zwirn nach Maß
Alexander Manns kündigte den eigens für die Veranstaltung gedrehten Imagefilm „Blum gestern, heute, morgen“ an. Blum stellt maßgeschneiderte Mode für Männer und Frauen jedes Alters und für jeden Anlass her. Auch namhafte Unternehmen wie Huf-Haus beziehen Firmenkleidung bis in die Geschäftsführung von Blum. Firmenchef Alexander Manns selbst kommt aus dem Fach, er ist Herrenschneidermeister. Das Unternehmen hat neben dem Stammsitz Montabaur Filialen in Koblenz, Bonn und Neuwied. Insgesamt beschäftigt Blum 40 Mitarbeiter.
Wie bei solchen Anlässen üblich, hatten die Veranstalter (Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Wirtschaftsjunioren, Kreishandwerkerschaft, Westerwälder Zeitung und IHK) einen prominenten Gastredner für einen Vortrag engagiert. Das war diesmal ein Professor der renommierten Hochschule für Unternehmensführung in Vallendar, Prof. Dr. Martin Fassnacht. Er sprach zum Thema „Was Kunden wirklich wollen“ und begann mit dem Statement: „Die Macht hat der Kunde, nicht das Unternehmen!“
Erfolg macht nachlässig
Marketing und Innovation bezeichnete Fassnacht als die beiden wichtigsten Felder für ein Unternehmen und nannte den Kommunikationshersteller Apple als Beispiel.
Auch Amazon handele richtig, der Versandhändler „monopolisiere“ die Beziehung des Kunden zum Unternehmen. Amazon-Chef Jeff Bezos habe gesagt: „Versuche nicht, auf deine Kunden zu hören – verstehe sie!“ Den Trend sieht Wassmann in der Entwicklung zum Direktvertrieb zum Kunden, ohne den Umweg über den Einzelhandel. Fehler machten Unternehmer am ehesten dann, wenn sie erfolgreich sind. Dann würden sie nachlässig. Er nannte noch die Lufthansa, Ryan-Air, den Daimler-Konzern, das Taxiunternehmen Uber, den Streamingdienst Spotify sowie das Montabaurer Kommunikationsunternehmen 1&1 als Beispiele für erfolgreiche Geschäftsstrategien. Den wichtigsten Begegnungspunkt mit dem Kunden sieht Fassnacht im Smartphone. Junge Menschen benutzten ihr Handy im Schnitt fünf Stunden am Tag. Die Entwicklung gehe in Richtung Online-Handel.
Fassnacht endete mit der Aufforderung: „Sie müssen ihre Kunden ernster nehmen!“
Das Rezept: Liebe, Leidenschaft, Mut und Kreativität
Das Schlusswort vor dem „Get together“ sprach Jens Geimer, Vizepräsident der IHK Koblenz und Geschäftsführer der Hachenburger Westerwald-Brauerei. Er wünschte den anwesenden Unternehmern inhaltsreiche Gespräche und einen angenehmen Abend. Liebe, Leidenschaft, Mut und Kreativität seien die Erfolgsrezepte des Unternehmens Blum gewesen. Jens Geimer sagte – und meinte damit sicher auch die anderen Westerwälder Unternehmer: „Macht weiter so!“
Zwanglose Gespräche beim „Come together“ sind ein wesentlicher Bestandteil des Wirtschaftsempfangs. Wann hat man schon mal die Möglichkeit, sich mit 400 Entscheidern aus der Region zu treffen.
Am neuen Firmensitz des exklusiven Modeherstellers Blum traf sich die Wirtschaft des Westerwaldkreises zum Jahresempfang. Der Neubau verbindet harmonisch Tradition und Moderne.
Prof. Dr. Martin Fassnacht vom Lehrstuhl für BWL an der WHU/Otto Beisheim School of Management in Vallendar plauderte aus dem Nähkästchen. Global Player wie Apple und Amazon nannte er als Vorbilder für erfolgreiche Marketingstrategien. Einen betriebswirtschaftlichen Schnellkurs in Sachen Marketing absolvierten so die Gäste des Empfangs der Westerwälder Wirtschaft – im großen Festzelt bei hochsommerlichen Temperaturen.
