Allgemeine Berichte | 19.06.2019

Landrat Sebastian Schuster und Bürgermeisterin Renate Offergeld treten zum Quiz rund um „Mühle und Korn“ an

Landrat gewinnt im Stechen gegen die Bürgermeisterin

Das Kerbholz und die Sackausklopfmaschine brachten die Entscheidung

Landrat Sebastian Schuster (links) und Bürgermeisterin Renate Offergeld (rechts) ließen sich gemeinsam mit den Ersten Beigeordneten Swen Christian (Zweiter von links) und Vize-Landrätin Notburga Kunert (Zweite von rechts) von Müller Alexander Bedorf (Mitte) in die Geheimnisse der Broicher Mühle einweihen.Fotos: Jost

Villip. „Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte heute keine Chance gegen Bürgermeisterin Renate Offergeld“, schmunzelte Landrat Sebastian Schuster (CDU).

Er hatte nämlich die Einladung zum Treffen mit der Bundeskanzlerin ausgeschlagen, die kurzfristig ihr Erscheinen beim 25-jährigen Bestehen des „Hauses der Geschichte“ in Bonn zugesagt hatte.

Stattdessen hatte er sich auf seiner Jubiläumstour anlässlich des 50. Geburtstages des Rhein-Sieg-Kreises zum Wettstreit mit Wachtbergs Bürgermeisterin in der Broicher Mühle in Villip getroffen. Während sich im Hintergrund das Mühlrad drehte und Korn in Mehl verwandelte, mussten die beiden Kandidaten sich in einem ebenso witzigen wie lehrreichen Quiz zum Thema „Mühle und Korn“ bewähren. Am Ende entschied der Landrat das Duell in der Verlängerung für sich. Er wusste nämlich, was es mit einem „Kerbholz“ auf sich hat, und, wozu eine „Sackausklopfmaschine“ gebraucht wird: Auf dem „Kerbholz“ wurde die Ernte des Bauern abgerechnet, jeder angelieferte Scheffel Getreide brachte dem Bauern eine Kerbe auf einem Holzstück ein. Das Holz wurde am Ende der Länge nach gespalten, sodass Bauer und Müller am Ende jeweils eine Hälfte bekamen, vergleichbar mit einer Art doppelter Buchführung.

Früher kam kein Gramm Mehl um, außerdem fangen die Mehlreste in einen leeren Sack nach einiger Zeit an zu schimmeln, und es entsteht ein Nährboden für Bakterien und Schädlinge wie Mehlwürmer und Mehlmotten. Hier kommt die „Sackausklopfmaschine“ zum Zuge. Der leere Mehlsack wird eingelegt und im geschlossenen Kasten mit entsprechendem Gebläse und Absaugvorrichtung durch rotierende Lederstreifen ausgeklopft, um das im Material des Sacks festsitzende Mehl zu lösen und nutzen zu können. Landrat Schuster, der beim Quiz von seiner Stellvertreterin Notburga Kunert unterstützt wurde, hatte anscheinend beim Rundgang durch die Mühle besser aufgepasst als Bürgermeisterin Renate Offergeld (SPD) mit dem Ersten Beigeordneten Swen Christian an der Seite. Müller Alexander Bedorf hatte die kleine Delegation vom Keller bis zum Speicher durch die komplette Mühle geführt und ihnen wirklich alles haargenau erklärt, sodass die Quizfragen im Anschluss keine echte Herausforderung mehr darstellten. Das schlug sich in einem Unentschieden nach acht Fragen nieder.

Zuvor mussten Schuster und Offergeld durch Ertasten erraten, welches Korn in einer verschlossenen Box versteckt war. Hierbei hatte die Bürgermeisterin alles richtig zugeordnet, während der Landrat Weizen und Roggen verwechselt hatte. Doch obwohl der Landrat den Wettstreit gewonnen hatte, spendete er seinen Wetteinsatz– 50 Euro aus dem Kreisetat und 50 Euro aus eigener Tasche– für den Verein „MOVE“, der sich sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene und Senioren engagiert und somit Wachtberger allen Alters zusammenbringt.

Geschichte der Broicher Mühle

Die Broicher Mühle wurde im Jahre 886 erstmals urkundlich erwähnt.

Damals schlossen die Mönche des Eifelklosters Prüm einen „Prekarievertrag“ ab, in dem die Mühle als Gegenstand eines Tauschgeschäftes erwähnt wird. Bei diesem, für das frühe Mittelalter typischen Vertrag, erhält ein wohl dem karolingischen Reichsadel angehörender Edeler namens „Hartmann vom Reichskloster Prüm“ Besitzungen in Rheinhessen, im Lahn- und Auelgau zu lebenslänglicher Nutznießung zurück. Im Gegenzug übertrug er dafür seine in und bei Villip gelegenen Güter an die frommen Männer.

Die Broicher Mühle ist nicht nur die letzte noch gewerblich arbeitende historische Wassermühle im südlichen Nordrhein-Westfalen, sondern kann somit auch auf eine über 1100-jährige Geschichte zurückblicken. Die Familie Bedorf betreibt die Broicher Mühle seit mehr als drei Jahrhunderten, zuerst als Pächter und mittlerweile als Eigentümer.

Heute wird hier noch für viele Bäckereien aus dem Bonner Umland aktiv Mehl gemahlen. Die Nutzung der Wasserkraft aus dem oberhalb gelegenen Mühlenteich, welcher aus drei Bächen gespeist wird, erfolgt über ein oberschlächtiges Wasserrad mit einem Durchmesser von etwa 5,60 Metern. Zur Herstellung von Vollkornschrot und Vollkornmehl stehen der Getreidemühle drei Mahlgänge mit zwei Mahlsteinen zur Verfügung.

JOST

Das Team Wachtberg mit Bürgermeisterin Renate Offergeld und dem Ersten Beigeordneten Swen Christian (links) hielt lange mit dem Team des Rhein-Sieg-Kreises mit, am Ende hatten aber Landrat Sebastian Schuster und sein Stellvertreterin Notburga Kunert (rechts) knapp die Nase vorn.

Das Team Wachtberg mit Bürgermeisterin Renate Offergeld und dem Ersten Beigeordneten Swen Christian (links) hielt lange mit dem Team des Rhein-Sieg-Kreises mit, am Ende hatten aber Landrat Sebastian Schuster und sein Stellvertreterin Notburga Kunert (rechts) knapp die Nase vorn.

Landrat Sebastian Schuster (links) und Bürgermeisterin Renate Offergeld (rechts) ließen sich gemeinsam mit den Ersten Beigeordneten Swen Christian (Zweiter von links) und Vize-Landrätin Notburga Kunert (Zweite von rechts) von Müller Alexander Bedorf (Mitte) in die Geheimnisse der Broicher Mühle einweihen.Fotos: Jost

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