Allgemeine Berichte | 21.08.2017

Kultur im Keller

Lausch-Visite: experimentelle Klänge im Gewölbe

Stefan Kohmann überraschte bei „Kultur im Keller“ mit originellen Schlagwerken

Stefan Kohmann zauberte mit Klängen. Mike Biebricher

Montabaur. Die Reihe „Kultur im Keller“ im Historica-Gewölbe in der Stadtmauer ist bekannt für ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm. Was das zahlreich erschienene Publikum am vergangenen Dienstag im stimmungsvollen Ambiente des Gewölbekellers geboten bekam, war ein besonders eindrückliches Konzerterlebnis. Der Perkussionist Stefan Kohmann ist international gefeierter Spezialist für zeitgenössische Musik und seit Anfang des Jahres Schlagzeuglehrer am Landesmusikgymnasium. Unter dem Motto „Stefan Kohmann spielt Schlagwerke“ versetzte der Musiker in seinem gut zweistündigen Programm eine über die ganze Bühnenbreite reichende Sammlung von Schlagsintrumenten in Schwingung. Nicht nur Trommeln, Becken und Gongs dienten dabei als Instrumentarium, sondern auch Alltagsgegenstände wie Blumentöpfe, Eierschneider und ein elektrisch verstärkter Pinienzapfen kamen zum Einsatz und eröffneten den gespannt lauschenden Zuhörern ein ganzes Universum neuer Klänge und Effekte.

Das Spektrum der präsentieren Werke reichte von einem Klassiker der Jazzgeschichte, gefühlvoll dargeboten am Vibrafon, bis hin zu einer Eigenkomposition für Gongs aus dem Jahr 2013. Dazwischen bewegte Stefan Kohmann sich gekonnt durch alles, was die zeitgenössische Literatur für Schlaginstrumente zu bieten hat: In Kompositionen von Karlheinz Stockhausen und Steve Reich faszinierte er das Publikum mit höchster Virtuosität. Nachdenkliche Töne wurden angestimmt in einer Komposition von Matthias Kaul, in der die Schläge der Marschtrommel an die Ermordung des Angolaners Amadeou Antonio Kiowa durch Rechtsradikale erinnern. Die kanadische Komponistin Chiyiko Szlavnics wiederum setze auf leise Klänge, die im kerzenbeschienenen Gewölbe Raum fanden, sich zu entfalten.

In der zweiten Konzerthälfte erhielt der Musiker Unterstützung von dem syrischen Perkussionisten Shadi Al-Housh, der seit zwei Jahren im Westerwald eine neue Heimat gefunden hat. Er beeindruckte nicht nur mit seinem Solo auf einer tradionellen syrischen Handtrommel, sondern auch gemeinsam mit Stefan Kohmann an einer großen Rahmentrommel.

Wer dann dachte, er habe nun alles gehört, was ein Schlagzeuger heutzutage zu bieten hat, der hatte sich getäuscht: Zum Abschluss überraschte Stefan Kohmann mit einer ideenreichen Interpretation eines dadaistischen Lautgedichts von Kurt Schwitters. Das fasste gut zusammen, was dieser Ausnahmekünstler im Laufe des Abends geboten hatte: Mal humorvoll, mal nachdenklich, anspruchsvoll und unterhaltsam gleichermaßen, gelang es ihm, das Publikum in seinen Bann zu ziehen und in seine Welt neuer Klänge zu entführen.

Das Konzert war die erste einer Reihe von Veranstaltungen, die unter dem Titel „Lauschvisite“ internationale Künstler und experimentelle Musik in Montabaur präsentieren. Aus einer Vielzahl bundesweiter Bewerbungen wurde das Projekt ausgewählt und erhält bis Sommer 2018 eine offizielle Förderung aus dem Musikfonds der Bundesregierung. Das Publikum darf also gespannt sein auf weitere Klangexperimente im Gewölbekeller. Das nächste Mal am 7. November bei „Kultur im Keller“ mit dem Duo Windspiel (D/CH) mit Blockflöten und Akkordeon.

Pressemitteilung

Kultur im Keller Montabaur

Stefan Kohmann zauberte mit Klängen.Foto: Mike Biebricher

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