Allgemeine Berichte | 15.09.2016

Erster Kreisbeigeordneter eröffnet Jobcenter-Flüchtlingsprojekt im Landkreis Mayen-Koblenz

„Leben-Qualifizieren-Arbeiten“

Erster Kreisbeigeordneter Burkhard Nauroth (7.v.re.) und Jobcenter-Geschäftsführer Rolf Koch (6. v.re.) mit den Gästen Georg Hollmann (5.v.li.), Achim Hütten (Mitte), Günther von Blohn (8.v.re.) und Carl Peitz (5.v.re.) sowie Mitarbeitern und Projektteilnehmern bei der Eröffnungsfeier des Flüchtlingsprojektes in Andernach.privat

Kreis Mayen-Koblenz. Das Jobcenter Mayen-Koblenz hat mit seinem neuen Projekt „Leben-Qualifizieren-Arbeiten“ ein einmaliges Integrationszentrum für alle anerkannten Flüchtlinge im Landkreis Mayen-Koblenz geschaffen. Zur offiziellen Eröffnung empfing Erster Kreisbeigeordneter Burkhard Nauroth Oberbürgermeister Hütten und Bürgermeister Peitz aus Andernach sowie Bürgermeister Hollmann aus Weißenthurm.

Die Wartelisten auf einen Platz im Integrationskurs sind lang. Oft sind anerkannte Flüchtlinge in Deutschland Wochen oder sogar Monate ohne Beschäftigung – trotz Arbeitserlaubnis. Diese Zeit gilt es sinnvoll, zu nutzen. Das hat das Jobcenter Landkreis Mayen-Koblenz erkannt und bietet nun mit dem Projekt „Leben-Qualifizieren-Arbeiten“ (LQA) allen anerkannten Flüchtlingen aus dem Landkreis Mayen-Koblenz unmittelbare Unterstützung an.

Integration von Flüchtlingen ist eine gesamt- gesellschaftliche Verantwortung

Nach einem gemeinsamen Rundgang durch die neuen Kurs- und Büroräume hieß Erster Kreisbeigeordneter Burkhard Nauroth seine Gäste, den Andernacher Oberbürgermeister Achim Hütten, seine Bürgermeisterkollegen Claus Peitz und Georg Hollmann aus Andernach und Weißenthurm sowie den Geschäftsführer der Andernacher Volkshochschule, Günther von Blohn, willkommen. Nauroth betonte in seiner Ansprache die gesamtgesellschaftliche Verantwortung bei der umfassenden Integration von Flüchtlingen und schilderte den Gästen das neue Projekt. Im Fokus stehe das kontinuierliche Erlernen und Anwenden der deutschen Sprache, um damit eine möglichst zeitnahe Eingliederung in Beruf und Gesellschaft zu erreichen, erklärt Nauroth.

„Denn unsere Erfahrungen aus vorangegangenen Migrationsbewegungen haben uns gelehrt, dass das schnelle Erlernen der Sprache der Schlüssel zum Arbeitsmarkt ist. Die Erfolge dieser Vorgehensweise sprechen für sich“, lobt der Kreisbeigeordnete die Flüchtlingsarbeit des Jobcenters in seinem Landkreis.

Es befinden sich mehrere Projektteilnehmer bereits im aktiven Bewerberverfahren

Als gelernter Schneider versucht ein junger Mann sich derzeit über Praktika und gemeinnützige Arbeit zu empfehlen. Ein Abiturient aus Syrien erhält nun in einem Andernacher Stahlwerk im Rahmen eines Qualifizierungsjahres die Chance auf einen regulären Ausbildungsplatz.

Integration ist eine mehrjährige Aufgabe

Der Geschäftsführer des Jobcenters, Rolf Koch, berichtet: „Wir haben bereits erste Erfolge erzielt. Aber unsere Mitarbeiter sind sich auch darüber bewusst, bei der Integration dieser teils schwer traumatisierten Menschen, eine Aufgabe vor sich zu haben, die mehrjährig zu betrachten ist. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von einer ganzen Integrationskette“, umschreibt Koch die umfangreichen Tätigkeiten im Flüchtlingsprojekt. Die fünfzig Teilnehmer nehmen täglich an Sprachkursen auf drei unterschiedlichen Sprach- und Schriftniveaus teil, die von den Dozenten der Volkshochschule Andernach geleitet werden. Diese Sprachkurse sind für alle Teilnehmer das tägliche Basismodul.

Das Jobcenter-Projekt „LQA“ geht aber noch weiter und koppelt das Erlernen der Sprache an eine unmittelbare Arbeitserprobung in Form von Praktika oder Arbeitsgelegenheiten sowie an sozio-kulturelle Erfahrungen. Nachmittags werden daher individuell angepasste Aktionen angeboten: während die einen sich noch in der angegliederten IQ-Anerkennungsberatung Papiere für den vorhandenen Schul- oder Berufsabschluss anerkennen lassen, wird mit einer anderen Kleingruppe eine Behörde oder ein Betrieb besucht.

In Einzelgesprächen können dringende Alltagsprobleme besprochen oder der Inhalt eines Miet- oder Handyvertrages verständlich erklärt werden. Projektverantwortlicher Markus Eiden muss als ausgebildeter Diplom-Theologe aber auch Seelsorge betreiben: „Oft haben wir auch mit der akuten Bewältigung von menschlichen Schicksalen zu kämpfen. So erfuhren zwei unserer Teilnehmer von einer Autobombe, die in ihrem Heimatort explodiert ist. Die Sorge um die Angehörigen nimmt uns in dem Moment alle mit.“

Unterstützt wird Eiden durch eine Verwaltungs- und eine pädagogische Fachkraft sowie einen mehrsprachigen Integrationshelfer. Das „LQA“-Team kann zusätzlich auf das breite Arbeitgeber-Netzwerk des Jobcenters zurückgreifen. Um für die Kooperationsbetriebe aussagekräftige Einschätzungen der Neuankömmlinge vorzunehmen, durchlaufen die Seminarteilnehmer während ihrer Zeit im Projekt ein Assessment-Center, in dem ihre physische und psychische Belastbarkeit getestet und berufliche Vorkenntnisse von Fachärzten und Kammern eingestuft werden. Zur praktischen Berufsorientierung werden dann im Projekt passende Berufszweige vorgestellt, branchenspezifisches Vokabular erlernt und Praktika in regionalen Firmen absolviert.

Auch Ideen der sinnvollen Freizeitgestaltung werden vorgestellt

Aber eine umfassende Integrationskette bedeutet auch, dass Anreize für das kulturelle Privatleben der Neuankömmlinge gegeben werden: Ideen der sinnvollen Freizeitgestaltung, zum Beispiel in den örtlichen Sportvereinen, werden vorgestellt und Sehenswürdigkeiten des Landkreises besucht. Als Nächstes wird, gemeinsam mit der örtlichen Polizei, das richtige Verhalten im Straßenverkehr trainiert. Weitere Informationen unter: www.jobcenter-myk.de.

Pressemitteilung des

Jobcenters

Landkreis Mayen-Koblenz

Erster Kreisbeigeordneter Burkhard Nauroth (7.v.re.) und Jobcenter-Geschäftsführer Rolf Koch (6. v.re.) mit den Gästen Georg Hollmann (5.v.li.), Achim Hütten (Mitte), Günther von Blohn (8.v.re.) und Carl Peitz (5.v.re.) sowie Mitarbeitern und Projektteilnehmern bei der Eröffnungsfeier des Flüchtlingsprojektes in Andernach.Foto: privat

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