Allgemeine Berichte | 07.10.2016

Ein Beispiel, wie die Integration schwerbehinderter Menschen in den Arbeitsmarkt gelingen kann

Lisas Herzenswunsch wurde erfüllt

Alle sind guten Mutes (von links): Sabine Bexte, Lisa, Sonja Kryeziu, Markus und Claire Hellingprivat.

Neuwied. Sie strahlt über das ganze Gesicht, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt. Stolz zeigt sie die Wäscherei, in der sie mangelt und die Zimmer, die sie täglich in Ordnung zu bringen hat. Lisa hat einen Job. Und zwar einen richtigen, wie sie sagt.

Die 19-Jährige hat eine Lernbehinderung und besuchte eine Förderschule für motorische Entwicklung. Im Rahmen verschiedener Schulpraktika war sie zuvor in den Werkstätten für Behinderte Menschen in Neuwied. Irgendwann fasste Lisa aber den Mut und wollte sich auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt ausprobieren.

„Ich hatte ganz schön Angst davor“, erzählt sie. „Meine Freundin Vivianne hat mich überredet. Sie hat es auch gewagt und ein Praktikum in einem Kindergarten gemacht. Sie war begeistert.“

Seit September arbeitet Lisa im „Berghotel Rheinblick“ in Bendorf als Housekeeperin. Markus Helling, der zusammen mit seiner Ehefrau Claire und seinem Bruder Michael das Hotel bereits in dritter Generation leitet, erzählt: „Lisa stand eines Tages da, zusammen mit ihrer Mutter. Sie fragte, ob sie hier arbeiten könne. Sie wirkte sehr entschieden und voller Tatendrang. Das hat uns gefallen und wir haben sie zu einem Praktikum eingeladen. Für uns war das auch neu. Wir haben jedes Jahr viele Praktikanten, aber hatten noch nie einen Mitarbeiter mit Handicap. Das Praktikum hat Lisa mit Bravour gemeistert. So konnten wir uns vorstellen, dass sie hier auch längerfristig arbeitet.“

Sabine Bexte, Sozialarbeiterin vom Integrationsfachdienst Übergang Schule/Beruf der Caritas Betzdorf, erinnert sich gut an Lisas erste Worte nach dem Prakti-kum: „Das will ich machen. Da gehör ich hin. Das passt zu mir.“

Zusammen mit Gabi Schellert, Reha-Beraterin der Neuwieder Arbeitsagentur, wurde dann nach einer Möglichkeit geschaut, die es der 19-Jährigen ermöglicht, dort zu arbeiten und eine umfassende Einarbeitung zu erhalten. „In Zusammenarbeit mit dem Heinrich-Haus in Neuwied wird Lisa nun die nächsten zwei Jahre im Rahmen des Berufsbildungsbereiches angelernt. Wenn alles gut läuft, ist für Lisa am Ende eine Festanstellung durchaus möglich“, erklärt die Sozialarbeiterin.

Fürsorglicher Arbeitgeber

Mit der Familie Helling hat Lisa einen engagierten und fürsorglichen Arbeitgeber gefunden. Damit sie sich gut zurechtfindet und nicht überfordert ist, hat sie eine erfahrene Kollegin an die Seite bekommen, mit der sie alle Arbeiten gemeinsam erledigt. Sonja Kryeziu ist seit vielen Jahren im Haus und kennt das Hotel wie ihre Westentasche. Sie freut sich über die Unterstützung und lobt das Mädchen für ihre schnelle Auffassungsgabe. „Lisa lernt schnell. Was ich ihr zeige, setzt sie sofort um. Und ganz toll ist, dass sie wirklich Spaß an der Arbeit hat“, so die Hausdame.

Auch die Chefin, Claire Helling, ist beeindruckt: „Lisa bringt sehr viel mit, was anderen Jugendlichen ohne Handicap fehlt. Sie wird durch ihre Behinderung nie völlig allein und 100-prozentig arbeiten können. Aber sie macht durch ihren enormen Ehrgeiz und ihre Motivation viel wett.“

Das Beispiel Lisa zeigt, dass die Integration von Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt gelingen kann. „Jeder muss nur wollen“, erklärt Markus Helling. „Wenn so etwas in der Gastronomie möglich ist, dann eigentlich überall. Die Gastronomie ist ein Gewerbe, wo Stress und Hektik an der Tagesordnung sind. Da muss alles laufen wie am Schnürchen. Da steht auch schon einmal plötzlich ein Bus mit 50 Personen vor der Tür. Wir sind sehr froh mit Lisa. Dass wir dem Mädchen damit auch einen Herzenswunsch erfüllen, ist das i-Tüpfelchen.“

Alle sind guten Mutes (von links): Sabine Bexte, Lisa, Sonja Kryeziu, Markus und Claire HellingFoto: privat.

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