Ambulantes Reha-Team vom GK-Mittelrhein begleitet Ukrainerin
Liudmyla Ozerova aus Charkiw schöpft nach massiver Kriegsverletzung neuen Lebensmut
Koblenz. „Ich hätte mein Bein verloren, wenn ich nicht die Chance bekommen hätte, im Ausland weiter behandelt zu werden“, erzählt Liudmyla Ozerova. Ein dankbares Lächeln huscht über das Gesicht der Ukrainerin, während sie vorsichtig versucht, ihr immer noch steifes Knie zu bewegen. Mitte August dieses Jahres hat die 43-Jährige mit einer ambulanten Reha im Ambulanten Rehazentrum des GK-Mittelrhein in der Koblenzer Kurfürstenstraße begonnen. Zuvor war sie aufgrund einer massiven Kriegsverletzung mehrfach im Ev. Stift operiert worden.
Charkiw, die Heimatstadt von Liudmyla Ozerova und ihrer Familie, stand aufgrund der Nähe zur russischen Grenze nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine rasch im Mittelpunkt der militärischen Auseinandersetzungen. Immer häufiger kam es zu Explosionen und Zerstörungen von Häusern und Gebäuden, so dass die Ukrainerin Ende März mit ihren beiden Kindern und ihrer Mutter in einem ruhigeren Viertel der zerbombten Stadt Zuflucht suchte. Leider war die Familie auch dort nicht lange sicher und Liudmyla Ozerova wurde im April Opfer eines Luftangriffes. Granatensplitter zertrümmerten ihr rechtes Bein und sie erlitt weitere Verletzungen am rechten Brustkorb und Ohr.
Nach der Erstversorgung in einem Militärkrankenhaus vor Ort war schnell klar, dass die dringend nötige Operation in der Ukraine aufgrund mangelnder Materialien nicht möglich ist. Es folgten mehrere Zwischenstationen, unter anderem in Lemberg und in Polen, bevor Liudmyla Ozerova schließlich im Mai zusammen mit 47 weiteren Verletzten mit einem Bundeswehrflugzeug nach Deutschland gebracht wurde. So kam sie in die Unfallchirurgie im Ev. Stift. Hier wurden in insgesamt drei Operationen zahlreiche Splitter entfernt sowie mehrere Platten und Schrauben zur Fixierung eingesetzt.
Seit Mitte August ist die Patientin bei Johannes Legin im Ambulanten Rehazentrum Rehafit in Behandlung. „Im Vordergrund stand das Ziel, das Bein zu mobilisieren“, erklärt der Teamleiter Ambulante Reha, der jährlich mit einem Team von Fachärzten, Physio-, Ergo- und Sporttherapeuten, Masseuren und medizinischen Bademeistern, Ernährungsberatern, Psychologen und Sozialpädagogen rund 400 Rehabilitanden etwa nach größeren Operationen oder bei chronischen Beschwerden wohnortnah therapiert und begleitet.
Neben seiner fachlichen Kompetenz kamen dem Therapeuten bei der Begleitung von Liudmyla Ozerova auch seine russischen Sprachkenntnisse zugute, die eine Verständigung überhaupt erst ermöglicht und damit letztlich zum Therapieerfolg beigetragen haben. „Dank des engagierten Einsatzes des gesamten Reha-Teams habe ich in der kurzen Zeit sehr gute Fortschritte gemacht“, freut sich die Ukrainerin. Dennoch wird sie sich im kommenden Jahr einer weiteren Operation unterziehen müssen. Um die Beweglichkeit des Beins wiederherzustellen und nachhaltig zu sichern, sei ein neues Kniegelenk unumgänglich, wie Johannes Legin erläutert. Doch auch wenn noch einige Strapazen vor der Patientin liegen, kann sie inzwischen wieder zuversichtlicher nach vorne blicken. „Ich hatte unglaubliches Glück, dass ich hierherkommen und all die Unterstützung erhalten durfte. Es ist ein einmaliges Geschenk, für das ich unfassbar dankbar bin.“
Pressemitteilung des
GK-Mittelrhein
