Allgemeine Berichte | 08.11.2021

TersenVäle konnten an zwei Abenden unter dem Motto „Alles ist möglich“ 150 Gäste unterhalten

Männerrunde einmal anders

Gefühlvolle Balladen wie „So long Mary Ann“ von Leon Cohen sind eine Spezialität von Joachim Schneider (links), die voller Inbrunst von den TersenVälern mitgesungen werden.Foto: privat

Holler. Endlich war wieder etwas los in der Sport- und Kulturhalle, und diesmal ging es nicht um Sport! Coronakonform konnten die Männer von TersenVäle an zwei Abenden unter dem Motto „Alles ist möglich“ 150 Gäste unterhalten. An den Kleinkünstlern ging die lange „kulturlose“ Zeit nicht spurlos vorbei; sie schlugen zunächst dem anwesenden Ortsbürgermeister Uwe Meyer den Einbau eines Treppenlifters am Bühnenaufgang vor.

Das Tor zur Phantasie öffnete Gottfried Meyer mit dem bekannten Lied „Theater“ von Katja Ebstein. „The Boxer“ und „Sound of silence“ trugen Joachim Schneider und Gottfried Meyer zu Ehren der Künstler Simon & Garfunkel, die beide in diesem Jahr 80 Jahre alt wurden, vor. Einfühlsame Lieder, die das Publikum dankbar genoss. Den Text von Claus von Wagner zum Kindergartenkapitalismus brachte Karl Wiedenmann nicht nur anwesenden Erzieherinnen dar. Die Erzählungen über den Kindergarten in der Mauerstraße, Wallstreet genannt, lösten nicht nur einen (Zucker-)Schock aus, sie klärten die Kleinen auch darüber auf, dass der Dax nicht im Walde wohnt.

Die Männertruppe wurde verstärkt durch ihren ehemaligen Mitstreiter Thomas Hutzschenreuter, der eigens aus München anreiste. Mit seinen ausdrucksstarken Udo-Lindenberg-Interpretationen und Erfahrungen in der Münchener Schickeria heizte er dem Dorfleben in Holler ordentlich ein!

Der „Verbund der Automobilindustrie“ entsandte Felix Wilhelmi eigens nach Holler, um klarzustellen, dass die Verteufelung des Diesels nur Panikmache sei. Hier wird gehofft, dass die Umsetzung des Dieselfahrverbots in Stuttgart genauso schnell erfolgt wie der Bahnhof „Stuttgart21“.

Auf eine neue Liebe hofften Gottfried Meyer an der Gitarre und Felix Wilhelmi, der einem Teekistenbass gekonnt sehnsuchtsvolle Töne entlockte, mit dem „San Francisco Bay Blues“.

Harald Gordetzki hatte einmal mehr Verständigungsschwierigkeiten mit seiner Frau. Während der Coronazeit sprach man wohl vermehrt dem Alkohol zu und sie meinte: „Du siehst aus, als könnte ich noch ein Glas vertragen!“ Wenigstens passt er noch in die Bettwäsche vom letzten Jahr!

Nachdem aus den Zuschauerreihen (angeblich) der Kommentar kam, dass die Beiträge früher um einiges bissiger gewesen seien, widerlegte Dietmar Eisenhuth dies mit seinem Text über „Vertikalschotter“. Igelt der Deutsche sich damit prophylaktisch gegen Eindringlinge ein? Wird es als schussfestes Dekoelement eingesetzt wie ehemals die mediterranen Terrakottafrösche oder das „rostige Gerümpel“ im Garten? Hoffen wir, dass das selbstverunstaltete Wohneigentum der Germanen nicht auf ihre Gesamtbefindlichkeit schließen lässt!

TersenVäle ist der Schüttelreim aus „Väter lesen“. Das war die ursprüngliche Intension dieser Gruppe. Und darauf griff Volker Illenseer zurück mit seinem Beitrag „Hänsel und Gretel“. Dieses Märchen erzählte er in den Versionen eines Fußballreporters, eines Flugkapitäns und eines Marktschreiers. Da muss man sich nicht wundern, wenn da nicht ein Pfefferkuchen und auch nicht zwei oder drei Pfefferkuchen, nein ein ganzes Pfefferkuchenhaus im Walde steht und Hänsel bei vier Wochen Vollpension nicht „Nein“ sagt!

Der Hollerer an sich ist sehr konservativ und tiefreligiös, anders gesagt: stur! Das meint jedenfalls Dietmar Eisenhuth. Er erhielt Besuch von einem rotgewandeten und fromm daherredenden Telekommunikationsmitarbeiter (Felix Wilhelmi), der meinte, Gott sei nicht länger bereit, die Missstände im Gigabit-Zeitalter in Holler hinzunehmen. Wir werden sehen, ob der Netzausbau tatsächlich vorangeht…

Mit einem Lied über Vincent (van Gogh) von Don Mc Lean malte Joachim Schneider bunte Bilder aus dem Leben des Malers in einen trüben Novembertag. Zum Abschluss des Abends appellierten die Männer an ihre Frauen: „Stand by your man“! Schmachtend sangen sie das weibliche Publikum an, sie doch zu verstehen und ihnen zu verzeihen, in allen Lebenslagen!

Ob die Büchereifrauen darauf eingingen, ist nicht überliefert. Allerdings dankten sie den Sängern und Vortragenden herzlich für die jahrelange Unterstützung. Hildegard Wiedenmann sowie Christa und Helene Rörig vom Büchereiteam führten aus, wozu die Spenden der Zuschauer in diesem Jahr genutzt wurden.

Ein Großteil diente der Neuanschaffung von Kinder- und Jugendbüchern für den Lesesommer. An diesem nahmen 46 Kinder teil, die über 47.000 Seiten gelesen haben und weiterhin die Bücherei Holler/Untershausen zur Ausleihe aufsuchen. Ein großer Dank auch an die Helfer des Musikvereins Holler beim Beleuchtungs- und Bühnenaufbau sowie Georg Ferdinand und Tobias Rörig in der Technik.

Mit der Zugabe „I mog heid no ned hoam“ von Willy Astor und dem ersehnten Reinhard-Mey-Beitrag „Gute Nacht, Freunde“ sprachen die TersenVäler den Zuhörern aus den Herzen und freuten sich über anschließende Kritiken wie: „Man merkt einfach, mit wie viel Freude ihr selbst bei der Sache seid, wir kommen wieder!“

Gefühlvolle Balladen wie „So long Mary Ann“ von Leon Cohen sind eine Spezialität von Joachim Schneider (links), die voller Inbrunst von den TersenVälern mitgesungen werden.Foto: privat

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