Allgemeine Berichte | 29.03.2017

Martin-Luther-Zyklus der Kirchengemeinde Wachtberg ging am 24. März in die 4. Runde

„Martin Luther und die deutsche Sprache“

Wachtberg. Der schöne Martin-Luther-Zyklus der Kirchengemeinde Wachtberg ging am 24. März schon in die 4. Runde: Dr. Martin Fuß aus Niederbachem trug im dortigen Gemeindehaus über das oben genannte Thema vor. Als promovierter Germanist gab er seinem Vortrag durchaus akademischen Zuschnitt, besonders unterstützt durch Textquellen aus der Antike und aus der Lutherzeit, die er dankenswerter Weise verteilte. Es war darunter auch ein Auszug aus Luthers „Sendbrief vom Dolmetschen“, mit seiner Formulierung „ich rede nach der sächsischen Kanzleisprache“, die damals die gemeine deutsche Sprache gewesen sei. Ob dem nun so war, jedenfalls habe Luther eine solche mit seiner Bibelübersetzung geschaffen. Denn diese sei dank des schon fortgeschrittenen Buchdrucks alsbald ein Bestseller geworden, von allen gebildeten Humanisten gelesen, und Luther habe damit verhindert, dass Deutschland in einen katholischen und einen evangelischen Sprachraum zerfiel. Eine verbindliche Rechtschreibung habe es allerdings noch nicht gegeben.

Sehr interessant sodann folgender Hinweis: Bis zu Martin Luther sei die lateinische Vulgata ein so autoritärer Text gewesen („kanonisch“), dass man ihn allenfalls Wort für Wort übersetzen durfte. Im Grunde wollte der Vatikan auch das nicht. Luther dagegen übersetzte nicht nach dem Wort, sondern nach dem Sinn. Wenn er selbst schrieb, er habe „dem Volk aufs Maul geschaut“, so sei das nur die halbe Wahrheit gewesen. Richtig ist, dass seine Übersetzung gesprochenes Deutsch war, nicht Schriftdeutsch, also Hauptsätze und Aktivsätze, wo die Vulgata Partizipien hat. Tatsächlich wollte er auch einen wirklich deutschen Text schaffen, aber einen wohlklingenden, bildreichen, leicht auswendig zu lernenden Text, eine „veredelte gesprochene Prosa“. Sie sollte das Herzstück der evangelischen Predigt werden, ebenso des Sprachunterrichts an allen deutschen Schulen, und deshalb nahm sich Luther auch Freiheiten gegenüber der Vulgata. Sehr anschaulich belegte Dr. Fuß dies durch vier Übersetzungsbeispiele von Psalm 23. Diese zeigten übrigens auch, dass die Bibel in allen Sprachen poetisch ist. Auch wenn Luther viele prägnante Wortschöpfungen gelangen (Blutgeld, Heulen und Zähneklappern, Landpfleger), so sei nicht dies seine große Leistung gewesen, sondern seine Sprachmächtigkeit, also den Sinn und nicht den Wortlaut der drei antiken Sprachen optimal auf Deutsch wieder zu geben.

Natürlich sollte Luthers Übersetzung auch seine damals neue Theologie stützen: Der Mensch wird gerecht vor Gott nicht durch seine Werke, sondern allein durch den Glauben und allein aus Gnade. Und außerdem, wo der Gläubige allein unmittelbar vor Gott stehe, da komme es auch auf das richtige Verständnis des Gotteswortes besonders an. Man sieht, der Abend war ein großer Gewinn für das Lutherverständnis, wozu Pfarrer Schmitz-Valadier mit einem wenig bekannten, aber thematisch passenden Lutherlied (Nr. 319) im Gemeindegesang den Schlusspunkt setzte.

Ulrich Junker

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Sandra Sattler: Der Zustand der L330 zwischen. Nassau und Zimmerschied ist eine absolute Katastrophe- und das nicht erst seit gestern! Wir sind wohnhaft in Hömberg und werden seit vielen Jahren mit diversen Ausreden vom LBM vertröstet.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
  • Beatrix Biskup: Ich habe Bibliotheken immer geliebt und ich freue mich über jeden Schritt den die Stadtbibliothek in Richtung Zukunft geht und über jede Veranstaltung die diese durchführen würde.
Titelanzeige KW 15
Wohnträume
Sonderseite 02 -Wohnträume NR
Wohnträume
Wohnträume - Wohnen und Garten im Blick
Empfohlene Artikel
Symbolbild.  Foto: pixabay.com
31

Region. Auch in unserer Region gibt es sie: die stillen Stars des Alltags. Menschen, die anpacken, helfen, Verantwortung übernehmen oder einfach für andere da sind. Ob Feuerwehrmann, engagierte Ortsbürgermeisterin, unermüdliche Nachbarschaftshelfer oder die gute Seele im Sportverein – sie alle sind Heimathelden! BLICK aktuell möchte diesen Menschen eine Bühne geben und der Öffentlichkeit vorstellen – in einer neuen Serie in unserer Zeitung.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: pixabay.com
12

Region. Wir von BLICK aktuell möchten wissen, wo in eurer Heimatstadt oder Kommune der Schuh drückt! Aus diesem Grund haben wir die neue Serie „HeimatCheck“ ins Leben gerufen. Ob kleine Ärgernisse oder große Probleme: Schreibt uns, was euch bewegt, und wir berichten für euch! Handlungsbedarf gibt es eigentlich immer, sei es bei:

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: pixabay.com
49

Insbesondere für Säuglinge, Kleinkinder, Senioren und Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem ist eine Salmonellen-Erkrankung gefährlich

10.04.: Lebensmittelrückruf: Salmonellen in beliebter Haselnuss-Nougat-Creme

Region. Die Sächsische und Dresdner Back- und Süßwaren GmbH & Co. KG ruft die Haselnuss-Nougat-Creme der Marke Nudossi auch aus dem rheinland-pfälzischen Handel zurück. Grund: Es wurden Salmonellen nachgewiesen.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: ROB
29

Zwei Polizisten aufgrund von Schwere der erlittenen Verletzungen bis auf Weiteres dienstunfähig

06.04.: Nach Angriff auf Polizisten in Leverkusener Shisha-Bar: Polizei ermittelt gegen 22 Tatverdächtige

Leverkusen. Nach dem Angriff auf Polizisten in einer Shisha-Bar in Leverkusen-Opladen in der Nacht zum Montag (6. April) hat die Polizei Köln eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Insgesamt wird nach jetzigem Stand gegen 22 Angehörige einer Großfamilie ermittelt. Um den Tatablauf zu rekonstruieren, wertet die Ermittlungsgruppe unter anderem Bodycam-Aufnahmen der eingesetzten Polizisten aus.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
17

Federspielgerät war fest im Boden einbetoniert und erst kürzlich installiert worden

10.04.: Koblenz: Unbekannte klauen brandneues Spielgerät von Spielplatz

Koblenz-Horchheim. Unbekannte Täter haben in der Zeit vom 09.04.2026 16:00 Uhr bis 10.04.2026 11:00 Uhr ein neu montiertes Federspielgerät vom Spielplatz hinter dem Gebäude der Sparkasse in Horchheim entwendet. Das Spielgerät war fest im Boden einbetoniert und erst vor kurzer Zeit installiert worden.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Daueranzeige 2026
Mitarbeiter IT-Administrator
125-jähriges Jubiläum der Rosenkranzkirche Bad Neuenahr und offizielle Wiedereröffnung am 12.04.26
Koblenzer Kneipengeschichten
Titelanzeige KW 15
Wohnträume
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
Angebotsanzeige (April)
Sachbearbeiter (m/w/d)
Staplerfahrer (m/w/d)
Titelanzeige Nissan  114/1407895/2454617/4746681
Blütenfest
Anzeige Lagerverkauf
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26
Rückseite
Stellenausschreibung: Betriebshof