Michael Pitack, Restaurator im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk, leistete einen wertvollen Beitrag zur Dorferneuerung in Rieden
Mauerwerkstorbogen erinnert an die blühende Zeit der Steinindustrie
Rieden. Ein Mauerwerkstorbogen in der Riedener Kirchstraße 39, 1832 aus Riedener Tuff geschaffen, stand bereits 2013 im Fokus der Dorferneuerung der Gemeinde Rieden.
Michael Pitack aus Rieden wählte dieses beeindruckende historische Objekt für seine Projektarbeit zum geprüften Restaurator im Steinmetz-und Steinbildhauerhandwerk aus. Kürzlich wurde dem engagierten Steinmetz- und Steinbildhauermeister im Rahmen einer offiziellen Verabschiedung an der Akademie Schloss Raesfeld der Schmuckbrief für diese nicht sehr häufig vertretene Berufsbezeichnung verliehen. Den Titel geprüfter Restaurator im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk darf er allerdings schon seit dem erfolgreichen Abschluss seiner Prüfungen in den fachübergreifenden und fachspezifischen Teilen im März 2015 tragen. Mit der Abgabe seiner Studienarbeit über den historischen Mauerwerkstorbogen vervollständigte er diesen Abschluss.
Große Steinmetztradition
Michael Pitack arbeitet bereits seit mehr als 25 Jahren mit und am Naturstein und freut sich, seinen Beruf im Steinmetzdorf Rieden ausüben zu können. „Rieden hat eine große Steinmetztradition, die ich mit Stolz fortführen darf“, so Michael Pitack, den nach wie vor fasziniert, wie in Rieden bereits seit Generationen am Stein gearbeitet wird. In einem Gespräch mit Blick aktuell erläutert er: „In den vergangenen Jahrzehnten beziehungsweise Jahrhunderten sind von Riedener Steinmetzen viele Bauten erstellt, aber auch wie nach den Kriegszeiten restauriert worden. Was bleibt? All die erschaffenen Werke mehrerer Generationen, ob nun in Rieden, Köln, Düsseldorf oder auch sonst wo.
Genau dies war der Grund, dass ich den Studiengang zum geprüften Restaurator auf der Akademie Schloss Raesfeld anstrebte, denn hier konnte ich die notwendigen Schlüsselqualifikationen erlangen, um erhaltungswürdige sowie erhaltungsfähige Objekte zu pflegen, zu restaurieren oder sogar zu rekonstruieren.“
Historische Bausubstanz
Sein Respekt gegenüber der historischen Bausubstanz gegenüber spielt für ihn eine große Rolle. In seiner Projektarbeit untersuchte Pitack den Mauerwerkstorbogen aus Riedener Tuff, in diesem Fall aus Schorenberger Tuff. Ausgesucht hat er sich dieses Objekt, weil es in seinem Heimatort Rieden steht und weil er den Gästen und Touristen, die Rieden besuchen, dieses Handwerk und die damit verbundene detaillierte und von hoher Handwerkskunst zeugende Arbeit als Beispiel erhaltungswürdiger Originalsubstanz nicht vorenthalten will. Dieser Bogen wurde auch 2013 bei der Konzeption zum Dorferneuerungsprojekt begutachtet. Er ist der letzte erhaltene Torbogen, der als Durchfahrt genutzt wird und aus einem Material gebaut ist, (wie zum Beispiel die Kirche und das Pfarrhaus), das nicht mehr abgebaut wird. Das heißt, der Aufwand des Abbaus dieses Gesteins (Schorenberger Tuff) lohnt sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr. „Dieser Bogen steht zwar nicht unter Denkmalschutz, aber dies hat ja nicht zu bedeuten, dass er nicht erhaltungswürdig ist“, so Pitack, für den es sich hier um ein lebendiges Zeugnis aus der Zeit handelt, in der die Riedener Steinindustrie noch blühte.
Wie dem Schluss-Stein zu entnehmen ist, wurde das Haus mit dem Mauerwerksbogen von Johann Hubert Rausch und seiner Frau Katharina Nürnberg erbaut. Kunstgeschichtlich ordnet der Fachmann Michael Pitack den Bogen zum Klassizismus beziehungsweise zum Anfang des Historismus ein. Hier vermischten sich alte Baustile und wurden wieder aufgegriffen. In diesem Fall meint Pitack, es mit der Neorenaissance zu tun zu haben.
Der Grund für seine Beurteilung sind Bilder der alten Fassade, auf denen die untere Reihe der Fensterstürze als gesprengte Segmentbögen ausgeführt und zu sehen sind. Anhand der charakteristischen Merkmale, zum Beispiel des Materials, dem grünlichen Riedener Tuff, dem Rundbogen mit Gewände, Kämpfer, Bogensteinen sowie Schlussstein arbeitete der Restaurator im Steinmetz-und Steinbildhauerhandwerk sich in dieses Projekt hinein. Nachdem er Baunähte erkannte und Material und Geschichtsspuren erfasst hatte, setzte er sich mit den Bau- und Handwerkstechniken auseinander. Er konnte anhand von Bearbeitungsspuren die benutzten Werkzeuge, zum Beispiel Flecht, Krönel und Scharier-Eisen, eindeutig zuordnen.
Erstellung eines Restaurierungskonzeptes
Um ein Restaurierungskonzept zu erstellen, nahm er die unterschiedlichen Ursachen und das Schadensausmaß auf und stellte dies in Flächenkartierungen und gezeichneten Übersichtsplänen dar. Anhand der Ergebnisse der Bestandsaufnahme wertete er diese im Hinblick auf historische, technologische beziehungsweise wirtschaftliche Aspekte aus. Somit wurde ein sinnvolles Restaurierungskonzept als Kompromiss für das Original, den Mauerwerkstorbogen und auch für die zukünftigen Nutzer gefunden. Pitack ist sicher, hiermit einen kleinen, aber auch wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung anzuwendender Maßnahmen innerhalb erhaltungswürdiger Objekte in Rieden geleistet zu haben.
Diese Überzeugung vertritt auch Riedens Ortsbürgermeister Andreas Doll, der das vor seiner Amtszeit durchgeführte Dorferneuerungsprogramm immer im Blick hat. „Wir sind hier in Rieden natürlich stolz darauf, einen so hochkarätigen Fachmann wie Michael Pitack, der sich hier auch selbständig gemacht hat, vor Ort zu haben. Nachdem wir bereits einige der im Rahmen der Dorferneuerung aufgeführten Maßnahmen, wie den Erhalt und die Sanierung alter Tuffsteinhäuser, realisieren konnten, hat der Erhalt des alten Torbogens für Rieden und auch für den Tourismus einen ganz besonderen Reiz. Ich freue mich sehr, dass Herr Pitack sich dieser Herausforderung gestellt hat.
Den neuen Inhabern des Hauses, zu dem der Torbogen zählt, kann man jedenfalls gratulieren und ich bin überzeugt, dass sie noch die eine oder andere Maßnahme realisieren werden, zumal sie im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms auch Fördermittel in Anspruch nehmen können“, sagte Ortsbürgermeister Doll.
SF
Michael Pitack bei der Restaurierungs-Arbeit an einem historischen Giebel der Grundschule Wehr aus dem Jahre 1730. Dieser wurde komplett abgebaut, zwischengelagert und wieder aufgebaut.Foto: SF
Ein altes Dokument zeigt das Haus mit dem Torbogen. Foto: SF
Auf dem Schluss-Stein sind die Jahreszahl und der Name der Erbauer deutlich zu sehen. Foto: privat Foto: Stefan Rausch
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