Allgemeine Berichte | 25.04.2016

Michael Pitack, Restaurator im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk, leistete einen wertvollen Beitrag zur Dorferneuerung in Rieden

Mauerwerkstorbogen erinnert an die blühende Zeit der Steinindustrie

Riedens Ortsbürgermeister Andreas Doll und der Restaurator im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk Michael Pitack vor dem historischen Torbogen in der Kirchstraße 39. SF

Rieden. Ein Mauerwerkstorbogen in der Riedener Kirchstraße 39, 1832 aus Riedener Tuff geschaffen, stand bereits 2013 im Fokus der Dorferneuerung der Gemeinde Rieden.

Michael Pitack aus Rieden wählte dieses beeindruckende historische Objekt für seine Projektarbeit zum geprüften Restaurator im Steinmetz-und Steinbildhauerhandwerk aus. Kürzlich wurde dem engagierten Steinmetz- und Steinbildhauermeister im Rahmen einer offiziellen Verabschiedung an der Akademie Schloss Raesfeld der Schmuckbrief für diese nicht sehr häufig vertretene Berufsbezeichnung verliehen. Den Titel geprüfter Restaurator im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk darf er allerdings schon seit dem erfolgreichen Abschluss seiner Prüfungen in den fachübergreifenden und fachspezifischen Teilen im März 2015 tragen. Mit der Abgabe seiner Studienarbeit über den historischen Mauerwerkstorbogen vervollständigte er diesen Abschluss.

Große Steinmetztradition

Michael Pitack arbeitet bereits seit mehr als 25 Jahren mit und am Naturstein und freut sich, seinen Beruf im Steinmetzdorf Rieden ausüben zu können. „Rieden hat eine große Steinmetztradition, die ich mit Stolz fortführen darf“, so Michael Pitack, den nach wie vor fasziniert, wie in Rieden bereits seit Generationen am Stein gearbeitet wird. In einem Gespräch mit Blick aktuell erläutert er: „In den vergangenen Jahrzehnten beziehungsweise Jahrhunderten sind von Riedener Steinmetzen viele Bauten erstellt, aber auch wie nach den Kriegszeiten restauriert worden. Was bleibt? All die erschaffenen Werke mehrerer Generationen, ob nun in Rieden, Köln, Düsseldorf oder auch sonst wo.

Genau dies war der Grund, dass ich den Studiengang zum geprüften Restaurator auf der Akademie Schloss Raesfeld anstrebte, denn hier konnte ich die notwendigen Schlüsselqualifikationen erlangen, um erhaltungswürdige sowie erhaltungsfähige Objekte zu pflegen, zu restaurieren oder sogar zu rekonstruieren.“

Historische Bausubstanz

Sein Respekt gegenüber der historischen Bausubstanz gegenüber spielt für ihn eine große Rolle. In seiner Projektarbeit untersuchte Pitack den Mauerwerkstorbogen aus Riedener Tuff, in diesem Fall aus Schorenberger Tuff. Ausgesucht hat er sich dieses Objekt, weil es in seinem Heimatort Rieden steht und weil er den Gästen und Touristen, die Rieden besuchen, dieses Handwerk und die damit verbundene detaillierte und von hoher Handwerkskunst zeugende Arbeit als Beispiel erhaltungswürdiger Originalsubstanz nicht vorenthalten will. Dieser Bogen wurde auch 2013 bei der Konzeption zum Dorferneuerungsprojekt begutachtet. Er ist der letzte erhaltene Torbogen, der als Durchfahrt genutzt wird und aus einem Material gebaut ist, (wie zum Beispiel die Kirche und das Pfarrhaus), das nicht mehr abgebaut wird. Das heißt, der Aufwand des Abbaus dieses Gesteins (Schorenberger Tuff) lohnt sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr. „Dieser Bogen steht zwar nicht unter Denkmalschutz, aber dies hat ja nicht zu bedeuten, dass er nicht erhaltungswürdig ist“, so Pitack, für den es sich hier um ein lebendiges Zeugnis aus der Zeit handelt, in der die Riedener Steinindustrie noch blühte.

Wie dem Schluss-Stein zu entnehmen ist, wurde das Haus mit dem Mauerwerksbogen von Johann Hubert Rausch und seiner Frau Katharina Nürnberg erbaut. Kunstgeschichtlich ordnet der Fachmann Michael Pitack den Bogen zum Klassizismus beziehungsweise zum Anfang des Historismus ein. Hier vermischten sich alte Baustile und wurden wieder aufgegriffen. In diesem Fall meint Pitack, es mit der Neorenaissance zu tun zu haben.

Der Grund für seine Beurteilung sind Bilder der alten Fassade, auf denen die untere Reihe der Fensterstürze als gesprengte Segmentbögen ausgeführt und zu sehen sind. Anhand der charakteristischen Merkmale, zum Beispiel des Materials, dem grünlichen Riedener Tuff, dem Rundbogen mit Gewände, Kämpfer, Bogensteinen sowie Schlussstein arbeitete der Restaurator im Steinmetz-und Steinbildhauerhandwerk sich in dieses Projekt hinein. Nachdem er Baunähte erkannte und Material und Geschichtsspuren erfasst hatte, setzte er sich mit den Bau- und Handwerkstechniken auseinander. Er konnte anhand von Bearbeitungsspuren die benutzten Werkzeuge, zum Beispiel Flecht, Krönel und Scharier-Eisen, eindeutig zuordnen.

Erstellung eines Restaurierungskonzeptes

Um ein Restaurierungskonzept zu erstellen, nahm er die unterschiedlichen Ursachen und das Schadensausmaß auf und stellte dies in Flächenkartierungen und gezeichneten Übersichtsplänen dar. Anhand der Ergebnisse der Bestandsaufnahme wertete er diese im Hinblick auf historische, technologische beziehungsweise wirtschaftliche Aspekte aus. Somit wurde ein sinnvolles Restaurierungskonzept als Kompromiss für das Original, den Mauerwerkstorbogen und auch für die zukünftigen Nutzer gefunden. Pitack ist sicher, hiermit einen kleinen, aber auch wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung anzuwendender Maßnahmen innerhalb erhaltungswürdiger Objekte in Rieden geleistet zu haben.

Diese Überzeugung vertritt auch Riedens Ortsbürgermeister Andreas Doll, der das vor seiner Amtszeit durchgeführte Dorferneuerungsprogramm immer im Blick hat. „Wir sind hier in Rieden natürlich stolz darauf, einen so hochkarätigen Fachmann wie Michael Pitack, der sich hier auch selbständig gemacht hat, vor Ort zu haben. Nachdem wir bereits einige der im Rahmen der Dorferneuerung aufgeführten Maßnahmen, wie den Erhalt und die Sanierung alter Tuffsteinhäuser, realisieren konnten, hat der Erhalt des alten Torbogens für Rieden und auch für den Tourismus einen ganz besonderen Reiz. Ich freue mich sehr, dass Herr Pitack sich dieser Herausforderung gestellt hat.

Den neuen Inhabern des Hauses, zu dem der Torbogen zählt, kann man jedenfalls gratulieren und ich bin überzeugt, dass sie noch die eine oder andere Maßnahme realisieren werden, zumal sie im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms auch Fördermittel in Anspruch nehmen können“, sagte Ortsbürgermeister Doll.

SF

Michael Pitack bei der Restaurierungs-Arbeit an einem historischen Giebel der Grundschule Wehr aus dem Jahre 1730. Dieser wurde komplett abgebaut, zwischengelagert und wieder aufgebaut. SF

Michael Pitack bei der Restaurierungs-Arbeit an einem historischen Giebel der Grundschule Wehr aus dem Jahre 1730. Dieser wurde komplett abgebaut, zwischengelagert und wieder aufgebaut.Foto: SF

Ein altes Dokument zeigt das Haus mit dem Torbogen. SF

Ein altes Dokument zeigt das Haus mit dem Torbogen. Foto: SF

Auf dem Schluss-Stein sind die Jahreszahl und der Name der Erbauer deutlich zu sehen. privat

Auf dem Schluss-Stein sind die Jahreszahl und der Name der Erbauer deutlich zu sehen. Foto: privat Foto: Stefan Rausch

Riedens Ortsbürgermeister Andreas Doll und der Restaurator im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk Michael Pitack vor dem historischen Torbogen in der Kirchstraße 39. Foto: SF

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Walter Knieps: Warum erst jetzt ?!?!
  • K. Schmidt: Das "Sicherheitskonzept" überzeugt. Ein Polizeieinsatz, "geringe Anzahl" Rettungsdienst, keine Feuerwehr nötig. Im Haushaltsplan 2025 hatte Boppard 10.000 Euro für ein Sicherheitskonzept vorgesehen, in...
  • W. Harkort: Danke für diesen Kommentar. Gab es auch Einwendungen wegen seltener Ameisen? Irgendwann in naher Zukunft werden diese Leute ihre Entscheidung bereuen. Dann ist es aber zu spät.
Anzeige Sonderpreis wie vereinbart
Familienfest freiwillige Feuerwehr Ringen-Bölingen am 01.05.26
Familienfest freiwillige Feuerwehr Ringen-Bölingen am 01.05.26
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Save the Dates
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Empfohlene Artikel
Die „Koppelaner“ bedanken sich bei Magdalene und Ralf Ueberall, die die Kosten des Frühstücks gespendet haben.  Foto: Ralf Ueberall
28

Rheinbreitbach. Seit vielen Jahren pflegen und reinigen die „Koppelaner“ das Koppel-Plateau und die umliegenden Fußwege „Weinbergsweg“ und „Unterm Heilig“. Die „Koppelaner“, eine ehrenamtliche Gruppe von 25 rüstigen Rentnern, trafen sich Anfang April und eröffneten voller Tatendrang und bei Sonnenschein auf dem Koppel-Plateau die Pflegesaison. Es wurden fleißig die Beete neu bepflanzt und alles herausgeputzt.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Hochwasserschutzinitiative Rodderfeld hat gemeinsam mit der von der EU und dem Land NRW geförderten LEADER-Kooperationsstelle „Wasserrückhalt im Wald“ sowie der Stadt Rheinbach eine zweite Dammbauaktion im südwestlich gelegenen Stadtwald erfolgreich umgesetzt. Fotos: Stadt Rheinbach
11

Zweite Dammbauaktion stärkt Hochwasserschutz im Rheinbacher Stadtwald

Bürgerengagement und Fachplanung greifen beim Wasserrückhalt ineinander

Rheinbach. Die Hochwasserschutzinitiative Rodderfeld hat gemeinsam mit der von der EU und dem Land NRW geförderten LEADER-Kooperationsstelle „Wasserrückhalt im Wald“ sowie der Stadt Rheinbach eine zweite Dammbauaktion im südwestlich gelegenen Stadtwald erfolgreich umgesetzt. Nach der ersten Aktion im Mai 2025 knüpft die diesjährige Maßnahme an die gewonnenen Erfahrungen an und entwickelt den Ansatz konsequent weiter.

Weiterlesen

Symbolbild.
92

Astrologische Vorschau für die KW 19: Gesundheit, Liebe und Erfolg im Fokus bei den Sternzeichen

Sterne im Blick: Horoskop für die Woche 4. bis 10. Mai 2026

Die zweite Maiwoche bringt spürbar mehr Licht, mildere Abende und eine zunehmende Dynamik im Alltag. Mit dem Übergang in die wärmere Jahreszeit verschieben sich Prioritäten: Außenaktivitäten gewinnen an Bedeutung, Beziehungen werden intensiver beleuchtet und berufliche Entwicklungen nehmen Fahrt auf. Gleichzeitig zeigen sich bei einigen Sternzeichen auch Spannungen zwischen Aufbruchsstimmung und innerer Unruhe.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag 2026
Gesundheit im Blick
Maifest in Gönnersdorf
Titel-Eckfeld - Bestellung Nr. 4300003863
Gesundheit im Blick
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Titelanzeige
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
SB Wahlen
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Veranstaltung
100 Jahre Eifelverein Dernau
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr