Zur Verleihung des Ehrenamtspreises hatte der CDU-Gemeindeverband nach Heister eingeladen
Mehr ehrenamtliches Engagement als Marianne Nußbaum kann wohl niemand leisten
Unkel. Zur Verleihung seines 12. Ehrenamts-Preises hatte der CDU-Gemeindeverband Unkel um seinen Vorsitzenden Heinz Schmitz in den Bürgersaal Heister eingeladen. Und der konnte kaum alle Besucher fassen, die sich die kleine Festveranstaltung samt der Laudatio auf die oder den Auserwählte/n nicht entgehen lassen wollten. Nachdem der Gitarrist Ralf Bauer, der die Veranstaltung musikalisch rahmte, den Abend mit einem Rondo des italienischen Komponisten der Frühromantik, Francesco Molino eröffnet hatte, konnte Heinz Schmitz neben etlichen früheren Ehrenamts-Preisträgern, wie etwa Maria Hamacher, Ursula Winzen vom DRK oder den langjährigen MGV-Vorsitzenden Manfred Mönch, namentlich auch viele Ehrengäste begrüßen, darunter die Landtagsabgeordnete Ellen Demuth, den stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende Víktor Schicker, Verbandsbürgermeister Karsten Fehr, dessen Vorgänger, Altbürgermeister Werner Zimmermann und last but not least den Schirmherrn, Landrat Achim Hallerbach. Natürlich vergaß er auch nicht seinen Stellvertreter Alfons Mußhoff, der immerhin den Ehrenamtspreis zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements in der Verbandsgemeinde Unkel 2007 ins Leben gerufen hatte.
In seiner Festrede zum Thema „Ehrenamt“ ging Achim Hallerbach dann zunächst auf die Vorzüge seines Kreises ein, den viertstärksten von Rheinland-Pfalz hinsichtlich der Bevölkerungszahl, der 2018 an dritter Stelle beim Brutto-Inlandprodukt gelegen hat. „Wir leben hier im Norden in einer überaus attraktiven Region, die bei der Aktualisierung der Vertrages zum Bonn-Berlin-Ausgleich wie die Ahrkreis und der Rhein-Sieg-Kreis mit dabei ist, nicht zuletzt weil auch die Bundesstadt erkannt hat, dass von ihr aus im Süden, also hier bei uns die nötigen Voraussetzungen für eine Weiterentwicklung der Großregion gegeben sind. Wir sind eben bei den harten Faktoren ideal besetzt“, so der Landrat. Als mindestens ebenso wichtig für die Strahlkraft der Region, seien die Menschen in ihrer Verbundenheit mit der Heimat, eine Einstellung, die durch die unzähligen Freiwilligen, die Ehrenamtler belegt werde. „Diese prägen die Region, ihre Energie spornt an, belegt und hält zusammen. Ihr persönliches Engagement vor allem im sozialen Bereiche ist wegweisend, gibt den Mitbürgern ein Gefühl der Sicherheit“, so Achim Hallerbach, der das Ehrenamt als „sozialen Klebstoff“ und Ehrenamtler als strahlende Vorbilder und ideale Botschafter der Region bezeichnete, die eine viel größere Wertschätzung erfahren müssten.
Ehrenamt wichtiger Grundpfeiler der Gesellschaft
„Es ist unbestritten: Bürgerschaftliches Ehrenamt ist ein wichtiger Grundpfeiler unserer Gesellschaft. Ehrenamtlich Tätige prägen die soziale Kultur und ohne ihren Einsatz wäre unsere Gesellschaft ärmer“, stimmte ihm Alfons Mußhoff uneingeschränkt zu. „Es ist Anspruch und Verpflichtung sich selbst und den Mitmenschen gegenüber“, konstatierte er, um dann den anwesenden Ehrenamtlern für ihr Ideen und Initiativen, für die vielen Stunden zu danken, die sie den Menschen der Verbandsgemeinde schenken. „Ein riesengroßes Dankeschön. Wir sind auf ihre Mitarbeit angewiesen!“, hob Alfons Mußhoff hervor.
Vergeben werde der Ehrenamtspreis zur weiteren Förderung einer Kultur des freiwilligen Einsatzes und in Würdigung der Bedeutung des Ehrenamts für das Gemeinwesen. Verdient hätten ihn offensichtlich unheimlich viele Bürger, denn so viele Vorschläge aus der Bürgerschaft wie dieses Jahr hätten der Jury, die sich aus den Vorsitzenden der vier Ortsverbände und dem Vorsitzenden des Gemeindeverbands zusammensetzt, noch nie vorgelegen, erinnerte der Laudator. „Mit dem Ehrenamtspreis 2018 wollen wir nach dem Einachser-Team Erpel und dem Junggesellenverein Bruchhausen wieder eine Einzelperson ehren, die sich in der Kirche, in einer humanitären Bewegung, in einem Sozialverband, in der Kommunalpolitik und im rheinischen Brauchtum Karneval engagiert. Der Ehrenamtspreis 2018 der geht Marianne Nußbaum“, so Alfons Mußhoff. Dass die Jury mit ihrer Wahl die richtige Entscheidung getroffen hatte, zeigte die Reaktion der zahlreichen Gäste der Veranstaltung, die sich spontan von ihren Sitzen erhoben und der sichtlich gerührten Geehrten mit einem lang anhaltenden, stürmischen Applaus zu ihrer Ernennung gratulierten.
„Die Schwierigkeit, eine Laudatio auf Marianne Nußbaum zu halten, auf eine so verdienstvolle Frau, die auf ein erfülltes Lebenswerk zurückblicken kann, besteht darin, Vollständigkeit zu wahren, ohne die Geduld der Zuhörer mit einer halbstündigen Rezitation des Lebenslaufs zu seht zu strapazieren“, beschrieb der Laudator seinen Versuch einen Königsweg einzuschlagen. Beginnen musste er diesen allerdings schon bei der jungen Marianne, die, gerade einmal 15 Jahre alt, eine Frohschar-Kinderguppe der Pfarrgemeinde Sankt Pantaleon übernommen und diese vier Jahre lang geleitet hatte. „In der Kirche ist die Geehrte seitdem an vielen Stellen aktiv geworden, vom Kirchenchor über die Frauengemeinschaft (kfd) bis zum Ortsausschuss des Pfarrgemeinderates, dem sie heute noch angehört“, berichtete Alfons Mußhoff. Von 1979-91 war Marianne Nußbaum Vorsitzende der kfd. In dieser Zeit schuf sie auch einen Besuchsdienst für Familien mit behinderten Kindern, deren Nöten damals noch nicht ernsthaft wahrgenommen wurden. Außerdem hatte sie bei der kfd auch die Funktion der stellvertretenden Dekanatsleiterin inne.
„Nachdem Marianne die Leitung der kfd abgegeben hatte, gründete sie 1992 den Seniorennachmittag der Pfarrgemeinde Sankt Pantaleon, in dessen Ortsausschuss sie bis heute Mitglied ist“, so der Laudator, um sich dann der politischen Karriere der Geehrten zu widmen. Der damalige Stadtbürgermeister Werner Zimmermann hatte sie bei einem Pfarrfest für die Kommunalpolitik geworben. Unpolitisch war sie schon vorher nicht gewesen, hatte sie doch schon Wahlplakate für die CDU geklebt und Heinz Schwarz nach Veranstaltungen zurück nach Leubsdorf gefahren. „Und als sich ihr Mann Horst für die Liberalen interessierte, hatte sie diesen zur CDU gedeut, noch bevor sie 1989 selber in die CDU eintrat und sofort für den Stadtrat auf Listenplatz 7 kandidierte und das drittbeste Ergebnis erzielte“, erinnerte Alfons Mußhoff.
Zehn Jahre gehörte Marianne Nußbaum dem Rat der Stadt an, seit 65 Jahren ist sie schon Mitglied im DRK, wo sie auch ihren Mann Horst kennen gelernt hat, mit dem sie seit 62 Jahren verheiratet ist. Wichtig waren beide für den Ausbau der Blutspenden, wurden von Unkel aus doch die ersten Versuche einer Blutspendenorganisation im Kreis Neuwied gemacht. Beide waren auch von Anfang an dabei, als Kleiderspenden gesammelt und verteilt wurden.
Auch im Sozialverband VdK, bei dem die Geehrte von 2001-16 die Funktion des Pressewarts ausgeübt hat, sind beide aktiv und an der Organisation vieler Feste beteiligt. Nicht fehlen darf natürlich auch das Brauchtum. Seit 54 Jahren ist Marianne Nußbaum Mitglied der Heisterer Möhnen, deren Obermöhn sie drei Jahrzehnte von 1977 an war. Ihre Nachfolgerin als Obermöhn, Gerda Buchholz, betont: „Für mich ist Marianne Nußbaum nicht nur einfach unser Ehrenmitglied, sondern eine stetige Inspiration!“ Für ihr langjähriges Engagement im Fastelovend ist sie bereits vor Jahren mit dem Unkeler Heimatorden der Karnevalsgesellschaft und mit dem Stadtorden ausgezeichnet worden. „Viel mehr Engagement geht nicht, was auch anderen aufgefallen ist. So wurde Marianne Nußbaum 2001 von der Gemeinde Erpel zur Ehrenbürgerin des Jahres ernannt“, erklärte Alfons Mußhoff, bevor er auch noch die familiären Verpflichtungen der Geehrten erwähnte, die es geschaffte hat sechs Kinder, zehn Enkel und sieben Urenkel unter einen Hut zu bringen.
„Marianne Nußbaum hat tiefe Spuren hinterlassen. Wie nur bei wenig anderen verbindet sich ihr Name mit größtem ehrenamtlichen Einsatz für unsere Verbandsgemeinde“, so Mußhoff, bevor wenig später Landrat Achim Hallerbach der Geehrten die Urkunde überreichte.
„Als ich gehört habe, welche Auszeichnung ich bekommen soll, war ich zuerst richtig platt. Dann aber habe ich mich sehr gefreut“, so die Geehrte. Alles, was sie im Leben getan habe, habe sie mit Liebe, Lust und Freude gemacht. Ohne Unterstützung der Familie sei ihr dies aber nicht möglich gewesen, gestand Marianne Nußbaum ein. „Meine Kinder haben angesichts meiner Aktivitäten zwar oft den Kopf geschüttelt und gesagt: So wie die Mama wollen wir nicht werden. Aber geholfen haben sie mir doch immer“, erinnerte sie, um sie dann an die jüngeren Teilnehmer an der Veranstaltung zu wenden. „Denkt immer daran: Wir helfen, damit es auch weitergehen kann. Das Ehrenamt lohnt sich!“, motivierte sie den Nachwuchs.
DL
