Young- und Oldtimer lockten 3.000 Fans historischer Fahrzeuge nach Oberdreis
Millionenwerte auf der Kuhwiese
Riesenansturm auf das fünfte Treffen in dem kleinen Dorf –– Aktiver Verein hat 45 Mitglieder
Oberdreis. In dem ländlichen Dorf Oberdreis leben etwas mehr als 800 Menschen. Die meisten gehen einer üblichen Beschäftigung nach. Besonderheiten gibt es hier nicht mehr und nicht weniger als in fast allen ähnlich großen Ortschaften im Kreis Neuwied. Mit Ausnahme dieser einen Veranstaltung, die am vergangenen Sonntag wieder stattfand: Das alljährliche Young- und Oldtimertreffen, das vom gleichnamigen Verein der Young- und Oldtimerfreunde Oberdreis ausgerichtet wird. Dann steht das Dorf Kopf und es kommen viermal so viele Besucher zu dem Event, als der Ort Einwohner hat.
Patric Steffen ist Geschäftsführer des vor vier Jahren gegründeten Vereins. Für den Erfolg des Treffens und den großen Zulauf schon am Morgen des Sonntag nennt er drei Gründe: „Das gute Wetter, die viele Werbung und die Beliebtheit des Oldtimertreffens. Was als kleines gemütliches Treffen angefangen hat, hat sich zu einem Riesenevent entwickelt. Darüber sind wie natürlich nicht traurig.“
Vor fünf Jahren fand das erste Young- und Oldtimertreffen in Oberdreis statt. Die Teilnehmer- und Besucherzahl hat sich von Jahr zu Jahr verdoppelt. Steffen: „Wir erwarten diesmal über 800 Fahrzeuge.“ Die kommen auch von weiter weg. Fahrer kamen schon aus Gießen, Köln, Wuppertal oder Düsseldorf in den Westerwald.
Der Oberdreiser Verein, der diesen Ansturm bewältigen muss, hat zurzeit 45 aktive Mitglieder. Ständig kommen aber neue Interessenten dazu. Der Verein wurde nach dem ersten Treffen vor fünf Jahren gegründet. Der Fuhrpark der Vereinsmitglieder umfasst alles, was Motor und Räder hat, angefangen beim Goggomobil, über alte Feuerwehrfahrzeuge, Magirus-Lkw, Motorräder und Traktoren bis zum historischen Ferrari und dem legendären Opel Manta. Man trifft sich jeden letzten Sonntag im Monat um 19 Uhr in der Bürgerstube Oberdreis oder in der Gaststätte „Alt Steimel“ in Steimel. Bei Restaurierungs- oder Reparaturarbeiten an den Fahrzeugen hilft man sich gegenseitig. Steffen: „Wir sind breit gestreut, was die Berufe angeht. Karosseriebauer sind dabei, Kfz-Mechaniker, ein TÜV-Sachverständiger – wie haben alles dabei, was man in so einem Verein gut gebrauchen kann.“ Die Vereinsmitglieder fahren gemeinsam zu anderen Treffen oder organisieren Vereinsausflüge zu Technik-Museen. Sie haben in Stuttgart schon das Mercedes Benz- und das Porsche-Museum gesehen. Für 2019 ist eine Fahrt ins Technik-Museum nach München geplant.
Die teils von weit angereisten Besucher des Young- und Oldtimertreffens in Oberdreis werden, was das leibliche Wohl angeht, bestens versorgt. Es gibt Kaffee und Kuchen, Steaks und Würstchen, kalte Getränke und – als eine besondere Attraktion – Waffeln, in einem über 100 Jahre alten historischen Waffeleisen über Buchenholzfeuer gebacken! Das Waffeleisen wurde von seiner Besitzerin Jennifer Thiel aus Lautzert bedient, die auch den Waffelteig – „eine Geheimrezeptur!“ – zubereitet hatte. Für 800 riesengroße Waffeln hatte sie die Zutaten dabei.
Das Großereignis bedeutet viel Arbeit für den kleinen Verein. Die Vorbereitungen und der Aufbau beginnen schon eine Woche vor dem Treffen. Weil alles mitten im Ort, rechts und links der Landesstraße 268, stattfindet, werden die Verkehrsteilnehmer zur Einhaltung von höchstens 30 km/h aufgefordert. Mit Funksprechgeräten ausgestattete Helfer weisen die Teilnehmer und Besucher zu den Parkplätzen ein. Die Young- und Oldtimer stehen alle auf einer großen Wiese mitten im Ort, die der örtliche Landwirt dafür zur Verfügung gestellt hat. Sehr viele außergewöhnliche Fahrzeuge weckten das Interesse der Besucher. Besonders stolz war Patric Steffen auf einen gerade eingetroffenen „Schwimmwagen“ aus dem Zweiten Weltkrieg. Für die Unterstützung des Vortriebs waren rechts und links an dem Wagen Holzpaddel angebracht. Kenner schätzten dessen Wert auf über 100.000 Euro. Insgesamt hat auf der Wiese des Oberdreiser Landwirts am Sonntag ein Vermögen von mehreren Millionen Euro gestanden. Die Besucherzahl schätzte Patric Steffen auf knapp 3.000 Menschen.
Hans Kaczmarek aus Bauscheid besitzt diesen englischen Wolseley seit elf Jahren. Er sagt lachend: „Der wiegt 1,4 Tonnen und hat nur 38 PS. Wenn ich damit in Puderbach den Steimeler Berg hoch fahre, bildet sich hinter mir eine kilometerlange Schlange.“
ieses futuristische Fahrzeuge dürfte eher der Kategorie Youngtimer zuzuordnen sein.
Als Wertanlage kann man diesen „Schwimmwagen“ aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs betrachten. Er wird auf einen Preis über 100.000 Euro geschätzt.
