Jubiläumssitzung der Möhnen „Ewig Jung“ Dattenberg
„Mir zesamme mir sin eins“
Eine Reise durch die 88-jährige Vereinsgeschichte rundete das abwechslungsreiche Programm ab
Dattenberg. Nachdem der traditionelle Dorfrundgang der Möhnen am Mittwoch vor Weiberfastnacht wieder mit Erfolg, Spaß und toller Unterstützung der Dorfbevölkerung vonstatten gegangen war, fand am Donnerstag das nächste Highlight statt.
Der Möhnenverein feierte sein 88-jähriges Bestehen im Rahmen einer fantastischen Jubiläumssitzung. Für Ilona Willscheid war es die letzte Veranstaltung als Obermöhn und sie zündete wieder ein Programm der Superlative.
Pünktlich um 14.30 Uhr begleitete die Gulaschkapell den Elferrat in ihren schmucken Glitzerfracks auf die Bühne. Die Musiker heizten den gut gelaunten Frauen direkt zu Beginn mächtig ein. Während des Einzugs wurden viele Strüßjer als kleiner Willkommens-Gruß an die gut gelaunten Gäste verteilt.
Es folgte der Komiker Gisbert Fleumes – ein Kölner, der kein Kölsch spricht, es dafür aber umso lieber trinkt. Mit viel Charme und Witz trug er seinen Vortrag pointiert in Versform vor, was die jecken Frauen mit tosendem Applaus honorierten. Er wiederum bedankte sich für die „spitzen“ Ohren und die Aufmerksamkeit.
Weiter ging es Schlag auf Schlag. „Hajo, hajajajaja Hajo, Hajo“ erklang das Prinzenlied des Linzer Prinzen Hajo I., der mit einer Abordnung aller Linzer Corps den Möhnen seine Aufwartung machte. Diese sangen fröhlich mit und ließen ihn mit viel Alaaf hochleben.
Die im Anschluss angekündigte Showtanzgruppe „High Energy“ aus Euskirchen machte ihrem Namen alle Ehre. Die Entdeckung Amerikas war das Thema, welches die Gruppe mit aufwändig illuminiertem Bühnenbild und passender Musik sehr gut inszenierte. So wurde zu Beginn eine imposante Schiffsattrappe aufgestellt, mit der die Tänzer die Anlandung simulierten. Der dann einfallende Indianerstamm mit mutigen Kriegerinnen in funkelnden Kostümen mit Federn und Fransen zeigte den Herren dann, wer wirklich das Sagen hatte.
Es folgte in einem von Obermöhn Ilona eigens geschriebenen Sketch die Suche nach einer neuen Sitzungspräsidentin. Zur Wahl stand Dorle Krähenfuß alias Marianne Höfer, die als Ornithologin ihren Sitz eigentlich auf einem Baum in der Sackeifel hat und extra einflog, um endlich ein Alkoholverbot an Weiberfastnacht einzuführen - zum Entsetzen des Publikums. Als zweiter Kandidat kam „Macho“ Michael Huckels auf die Bühne und hatte als Begleitung zwei schrille Nummerngirls (Anne Nußbaum und Anja Wehrmeijer) dabei. „Das geht ja gar nicht!“ meinte Carmen Electra alias Uschi Emunds, schmiss das komische Trio kurzerhand wieder raus und stellte sich dem Publikum als dritte Bewerberin vor. Fast hätte sie den Job bekommen, doch die Sache hatte einen Haken…die Bewerberin kam aus Leubsdorf!
Für den nächsten Auftritt war die Bühne fast zu klein. Das stolze Corps der Kürassiere Vettelschoß marschierte nun mit allem auf, was die Truppe zu bieten hat. Deren schmissige Tanz- und Musikdarbietungen rissen den Saal förmlich aus den Angeln. Das taten auch die im Anschluss auftretenden Tanzmäuse der KG Dattenberg. Sie überzeugten wieder einmal mehr davon, welch sportliche Leistungen die Mädchen hier vollbringen und dass man sich um den Nachwuchs keine Sorgen machen muss.
Als weiteres Highlight zogen jetzt die „Möhnenperlen“ ein. Dagmar Gombert, Marianne Klaus, Kerstin Lehrach, Anja Marbach, Margit Michels und Anne Nußbaum besangen in Glitzerkleidern und mit Federboas geschmückt ihr Schicksal vom Leben ohne festen Mann und vom Schnaps, der nicht gut tut, weil er sie unverschuldet in äußerst prekäre Situationen gebracht hat. Großes Gelächter im Saal war die Folge und die Frauen honorierten diese fesche Einlage mit frenetischem Applaus. Begleitet wurde die Gruppe von Christopher Klaus an der Gitarre.
Rööpe Underground entführten die Zuschauerinnen in diesem Jahr in den Wilden Westen. Cool und ausgesprochen lässig führten sie einen Line Dance mit Stepp-Einlagen auf. Wunderbar anzusehen in ihren Cowboy-Kostümen waren die jecken Weiber davon hin und weg.
Auch die große Garde der KG Dattenberg verzauberte mit ihren akrobatischen Gardetänzen das Publikum. Zusammen mit der KG Dattenberg wurden sie herzlich empfangen und durften nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen.
„Hello Again“ sang Jupp Reuter von der Band Mache M’r und sofort stimmte das Publikum ein und ging mit auf eine Schlagerreise. Zusammen mit Markus Giese (Schlagzeug), Christopher Klaus (E-Gitarre), Lutz Lehrach (Bass-Gitarre), Thomas Marbach (Keyboard) und Norbert Reul (Lead-Gitarre) heizten sie den närrischen Frauen mit ihrem Schlager-Rock-Mix so richtig ein. Martin Langer am Mischpult sorgte für den richtigen Klang.
Von so viel Stimmung getragen zogen nun die Johnny Carachos ein und erneut boten sich den Frauen schöne männliche Anblicke, wie man an den Jubelrufen erkennen konnte. Auch dieses Männerballett durfte zeigen, was es drauf hatte und so tanzten sie nicht nur einen Tanz.
Jetzt folgte ein weiterer Höhepunkt. Anlässlich des 88-jährigen Vereinsjubiläums hatte Anja Marbach recherchiert, wie der Möhnenverein entstanden ist und welche Entwicklung er genommen hat. Interessanter weise folgte diese dem jeweiligen Zeitgeist und im Rahmen der bestehenden Frauenrechte, die 1918 mit dem Wahlrecht und dem Vereinsgründungsrecht für Frauen begannen. Jedes Jahrzehnt brachte mehr Errungenschaften, teils hart erkämpft. Und so stellten die Möhnen die Jahrzehnte von der Gründung 1932 bis heute mit Unterstützung der Großen Garde tänzerisch und musikalisch dar. Als Überraschungsauftritt zog selbst noch einmal die legendäre „Kappesgarde“ ein. Mit Original-Standarte und zum Teil noch in Originalbesetzung wibbelten die Gardistinnen unter großen Beifallsstürmen den „Stippefott“.
Zum Schluss waren es 35 Frauen im Alter von 17-80 Jahre, die nach dem Motto „Mir zesamme mir sin eins“ den Schlusstanz vorführten. „Gut, dass wir heute leben dürfen wie wir möchten und viel erreicht haben“ und so wurde ein Abschlussfeuerwerk in „Regenbogenfarben“ gezündet. Der Möhnenverein bedankte sich an dieser Stelle stellvertretend für alle aktiven Möhnen bei den Obermöhnen der letzten Jahrzehnte. Das waren im Einzelnen: Ilona Willscheid (2017-2020), Dorothee Gombert (2005-2015), Dagmar Gombert (2001-2002), Lucia Donner (1998-2000 und 2003-2004) sowie Ello Flach (1980-1997).
Wenn man dachte, die Sitzung sei nun zu Ende gewesen - weit gefehlt. Es folgte noch der fulminante Auftritt des Husaren-Corps Grün-Weiß Siegburg mit ihren Musikern, die ihr Tanzcorps live begleiteten. Nicht nur diese Mädels wirbelten durch die Lüfte, auch die Hafengarde Oberwinter setzte hier Maßstäbe und den Schlusspunkt. Ein abwechslungsreiches und schönes Sechs-Stunden-Nonstop-Programm, dass nahtlos in die Party überging, wo noch lange fröhlich weitergefeiert wurde.
Die „Möhnenperlen“ wussten zu begeistern.
