Allgemeine Berichte | 09.04.2018

Mit Mülheim-Kärlichern ist gut Kirschen essen

Zwei Zahnstocher gehen wandern. Plötzlich werden sie von einem Igel überholt. Sagt der eine zum anderen Zahnstocher: „Warum sind wir eigentlich zu Fuß unterwegs? Es fährt doch auch ein Bus.“ Derzeit gibt es viele gute Gründe, in der Natur zu Fuß unterwegs zu sein. Neben den steigenden Temperaturen gehört zweifelsfrei das Blütenmeer dazu, für welches die Obstblüte sorgt. Nicht ohne Grund wird Mülheim-Kärlich die 3-K-Stadt genannt: Kirschen, Karneval und Kernkraftwerk bzw. Kühlturm (da letzterer bald der Vergangenheit angehört, wird das Wort bald durch „Kultur“ ersetzt). Die legendären „dicksten Kirschen“ wurden sogar im Mülheim-Kärlicher Heimatlied thematisiert. Und die Grundschule im Stadtteil Mülheim, die am kommenden Samstag nach rund 18 monatiger Bauzeit in Anwesenheit der zuständigen Ministerin offiziell eingeweiht wird, trägt sogar den Namen „Kirschblütenschule“. Im Mittelalter wurde in den Orten der heutigen Verbandsgemeinde aber vorwiegend Wein angebaut. Der Obstanbau diente zunächst mehr dem Eigenbedarf. Erst mit dem Ende der kurfürstlichen Zeit (1794) setzte der eigentliche Siegeszug der Kirschen und des Obstanbaus ein. Die Anbaumethoden unterschieden sich grundlegend von den heutigen Methoden: Unter dem hochstämmigen Bäumen, die nicht selten mehrere Jahrzehnte alt waren, wurden Getreide, Rüben, oder Kartoffeln angebaut. Zur Ernte waren Leitern mit beachtlicher Größe erforderlich. Manche Exemplare zählten bis zu 45 Sprossen. Die Kirschen wurden ein Exportschlager. Mit der Eisenbahn oder dem Schiff wurden sie bis in die absatzstarken Städte im Ruhrgebiet und nach Holland gebracht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand insbesondere die Schattenmorelle viele Abnehmer, weshalb sie in großer Anzahl angepflanzt wurde. In den 50´er und 60´er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es nicht nur viele Haupterwerbs-Landwirte: Auch im Nebenverdienst wurde Obst angebaut und „zur Kasse“ gebracht (wie man die Annahmestelle nennt).

Und heute? Leider gibt es nur noch wenige Haupterwerbs-Landwirte. Obstanbau im Nebenerwerb ist nahezu vollkommen verschwunden. Anstelle der Hochstamm-Bäume hat sich der plantagenmäßige Anbau durchgesetzt, der den Erntekräften die Arbeit erleichtert. Und die einst in Massen angebaute Schattenmorelle ist nahezu vollständig verschwunden. An ihrer Stelle gibt es qualitativ hochwertige Süßkirschen, knackige Apfelsorten, Aprikosen und ähnliche Früchte.

Apropos „Obstsorten“: Hierzu der passende Witz. Die junge und attraktive Bauerstochter bringt zum ersten Mal ihren neuen Freund nach Hause. Gemeinsam mit den zukünftigen Schwiegereltern trinkt das junge Paar ausgiebig Wein. Der junge Mann möchte daher nicht mehr nach Hause fahren und beabsichtigt stattdessen, bei seiner Freundin zu übernachten. Der erstaunte Vater sagt zu seiner Tochter: „Also, wenn er dich in der Nacht anfassen möchte, rufst du ganz laut das Wort Kirschen. Wenn er dich in der Nacht küssen möchte, rufst du ganz laut Äpfel. Und wenn er sonst noch was von dir will, rufst du so laut, wie du kannst Bananen“. Um etwa zwei Uhr nachts wird der Vater von einem entsetzlich lauten Schrei aufgeweckt. Die Tochter ruft „Obstsalat“.

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