Innovation Day im Dekanat Maifeld-Untermosel
Mit kreativer Methode die Kluft zwischen Kirche und Menschen überbrücken
„Design-Thinking“ bringt ungewöhnliche Ideen hervor - Projekte sollen jetzt umgesetzt werden
Münstermaifeld. Kann eine Kreativmethode dazu beitragen, den vielerorts verloren gegangenen Kontakt der Kirche zu den Menschen wieder herzustellen? Die Methode „Design Thinking“, einst im amerikanischen IT- und High-Tech-Standort Silicon Valley erdacht, ist bei zahlreichen Unternehmen beliebtes Mittel zur Lösung von Problemen und Entwicklung neuer Produkte. Auch im Dekanat Maifeld-Untermosel findet sie jetzt Anwendung - wie jüngst beim „Innovation Day“ am Polcher Bahnhof, veranstaltet vom Arbeitskreis „Menschen und Gottesdienst“. Der Arbeitskreis des Dekanats Maifeld-Untermosel hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kluft zwischen der Kirche und den meisten Menschen zu untersuchen und zu überwinden. Arbeitskreis-Mitglied Jörg Klippel, von Beruf Kreativdirektor, hatte die Methode Design Thinking dazu vorgeschlagen. So führt Klippel nun die Mitglieder seit einigen Monaten durch diese Kreativmethode - ständig bestrebt, dabei den Kontakt mit kirchenfernen Menschen zu suchen. 50 vom Arbeitskreis durchgeführte Interviews haben ein verheerendes Bild der Kirche in weiten Teilen der Bevölkerung offenbart: „Weltfremd, veraltet, autoritär, langweilig“, lautet der überwiegende Teil der Antworten. Allenfalls eine Zuständigkeit für gewisse Werte wird ihr von den befragten kirchenfernen Menschen zugebilligt, während eigene Sehnsüchte, Wünsche oder Ängste im Allgemeinen nicht mit Kirche oder Gott in Verbindung gebracht werden. „Glauben, Gott und Kirche haben keinen Mehrwert“, meinen die Befragten.
Gleichzeitig zeigen die Interviews, dass die Menschen, die mit Kirche nichts anfangen können, keineswegs gleichgültig oder uninteressiert sind. Auch sie suchen, haben Hoffnungen, Bedürfnisse, Wünsche und Ängste. „Wieso kann Kirche und Gott für diese Menschen keine Bedeutung haben? Wieso existiert so ein schlechtes Bild von der Kirche? Welche Kluft hat sich da aufgetan?“ fragte sich der Arbeitskreis.
Initiative forGOTTen
Aus dem Arbeitskreis entstand die Initiative forGOTTen (www.4gotten.de) - und daraus der Workshop „Innovation Day“ am Polcher Bahnhof. „Design-Thinking setzt dicht bei den Menschen und ihren Bedürfnissen an. Sie ist daher eine schnelle, höchst effiziente Problemlösungsmethode und fast überall anwendbar“, so Jörg Klippel zu den Teilnehmern des Innovation Day. Ob aus den Bereichen von Wirtschaft, Medizin, Soziologie oder einfach, wenn es um die eigene Außenwirkung geht: Klippel nannte zahlreiche Beispiele, wo mit Hilfe von Design Thinking Lösungen gefunden wurden, auf die man sonst nicht gekommen wäre. Sich in Menschen hineinzuversetzen: Das war dann auch Aufgabe der Teilnehmer beim Innovation Day: vom Alter, Geschlecht, Familienstand angefangen über Bildung, Lebensstil und politische Neigung bis zu Charaktereigenschaften, Hobbies und Tagesablauf. Nachdem man sich so ein genaues Bild einer Person gemacht hatte und mit ihr mitfühlen konnte, wurde auch klar, was ihr fehlt. Und man konnte fragen, wie man ihr helfen kann. Darauf aufbauend entstanden ungewöhnliche Ideen:
Die Projekte
Da ist das Projekt „Grillecke“: ein heimeliger Ort, an dem man sich geborgen fühlt. Und den man mit der Familie zusammen herstellt. Hier trifft man auch andere Familien, die alle in Etagenwohnungen leben und gerne ein Stückchen Natur für sich hätten. Dazu könnte man Flächen erwerben und zur Verfügung stellen, wobei Finanzierung und Trägerschaft zu klären wären. Die Teilnehmer des Workshops waren Feuer und Flamme. Und zuversichtlich, dass dies umsetzbar ist. Da ist das Projekt „Initiative Eigenheim“. Ein Eigenheim erscheint vielen als ein unerreichbarer Traum. Doch muss das so sein? Was wäre, wenn man Kommunen, Kirchen, Banken, Handwerk und soziale Einrichtungen zusammenbringen und für diese Idee begeistern könnte? Da ist das Projekt „Lebenswanderweg“: eine Arbeitsgruppe, in der man seine Ideen einbringen, austauschen und gemeinsam umsetzen kann. Schafft man einen konkreten Weg? Oder mehrere? Einen Walderlebnispfad? Organisiert man Themenwanderungen, die über das eigene Leben nachsinnen lassen? Arbeitet man mit Naturschutzverbänden, dem Forstamt oder Touristikverbänden zusammen? Alles ist offen, alles ist denkbar. Die Teilnehmer des Workshops waren selbst überrascht über die ungewöhnlichen und sinnvollen Ideen - entstanden beim kreativen Teamwork im Stehen an großen Moderationstafeln. Alle hatten Lust, weiterzumachen, um diese Projekte umzusetzen. Neue Interessenten können dabei gerne mitmachen. Am Dienatg, 15. November um 19 Uhr trifft sich die Arbeitsgruppe „Eigene Grillecke“, am Donnerstag, 20. Oktober um 17 Uhr die Arbeitsgruppe „Finanzierbares Eigenheim“ und am Mittwoch, 2. November um 19 Uhr die Arbeitsgruppe „Lebenswanderweg“ - jeweils im Dekanatsbüro, Obertorstraße 8 in Münstermaifeld. Anmeldungen und Informationen bei Pastoralreferent Ansgar Feld, ansgar.feld@bgv-trier.de, Tel. (01 71) 5 79 31 95.
Pressemitteilung
Dekanat Maifeld-Untermosel
Sich in Menschen, die der Kirche fern stehen, hineinversetzen - das war wichtig.
Ungewöhnliche, aber sinnvolle Ideen und begeisterte Teilnehmer: Der Workshop Innovation Day war ein voller Erfolg.
Jörg Klippel führte in die einzelnen Schritte der Kreativmethode Design Thinking ein.
Mit jeweils einem Prototyp wurden die entwickelten Ideen bildhaft dargestellt.
