Vortrag im Odendorfer Zehnthaus
Mit romantisierenden Vorstellungen aufgeräumt
Dr. Thomas Becker sprach über Räuberbanden im Rheinland
Odendorf. Am 4. Juni trug Dr. Thomas Becker, der Leiter des Bonner Universitätsarchivs und des Universitätsmuseums, im Odendorfer Zehnthaus über die Räuberbanden im Rheinland an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert vor. Einen wesentlichen Grund für die verstärkte Raubkriminalität in dieser Zeit sah er in den sozialgeschichtlichen Entwicklungen. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts hatten unter anderem Verbesserungen bei den landwirtschaftlichen Anbaumethoden, in der Hygiene und bei der medizinischen Versorgung für einen starken Bevölkerungsanstieg gesorgt. In der Folge wurden, da nicht mehr für alle ausreichend Arbeit vorhanden war, immer mehr Menschen als „fahrendes Volk“ auf die Straße gedrängt. Es formierte sich eine Parallelgesellschaft mit eigenen Gesetzen und eigener Sprache.
Diese Menschen entwickelten Netzwerke, sie kamen an sicheren, meist abseits gelegenen Orten zusammen. Dort fanden dann auch die Planungen für Überfälle statt. Allerdings, so Becker, die Räuberbande, die zusammenblieb und ein eigenes Quartier, womöglich eine Höhle, hatte, gab es nicht. Wohl gab es kriminelle Führungspersönlichkeiten. Diese stellten ihren Trupp dann aber jeweils für die vorher „ausbaldowerte“ Unternehmung zusammen, als Netzwerker wussten sie, auf wen sie sich verlassen konnten. Nach dem Überfall wurde die Beute schnell aufgeteilt, die Teilnehmer trennten sich und suchten jeder für sich das Weite.
Eigennützige Kriminelle
Sehr deutlich räumte Becker auch mit der romantisierenden Vorstellung vom edlen Räuberhauptmann auf. An den Beispielen des Schinderhannes, des Matthias Weber, genannt der Fetzer, und des Jakob Moses zeigte er, dass dies ausschließlich auf den eigenen Nutzen bedachte Kriminelle waren.
Wirkungsvoll bekämpft werden konnten die Räuber im Rheinland erst ab 1794, als die Franzosen gekommen waren. Mit der berittenen französischen Gendarmerie trafen sie zum ersten Mal auf eine effektive Polizeitruppe. Presse mitteilung
Verein Zehnthaus e.V.
