Altstadtfest auf sechs Koblenzer Innenstadt-Plätzen
Moddersprochpreis an gleich zwei Preisträger verliehen
Koblenz. Wie es guter Brauch ist, wurde das auf insgesamt sechs Koblenzer Innenstadt-Plätzen beheimatete Altstadtfest am späten Nachmittag des ersten Festtages an der Liebfrauenkirche „Onner dä Zwiwwelstärm“ mit dem Fassanstich eröffnet. Drei Schläge brauchte die Koblenzer Kulturdezernentin, Dr. Margit Theis-Scholz, um dem Fass das kühle Bier zu entlocken. Hilfreich zur Seite standen ihr Kurt Isola und Detlev Port von der Bitburger Braugruppe, die 2010 die Koblenzer Biermarke Königsbacher übernahm.
Nach wie vor wird das seit 2012 von der „Großen Koblenzer Karnevalsgesellschaft“ („GKKG“) veranstaltete, überregional bekannte Fest aber als das „Königsbacher Altstadtfest“ vermarktet. Den musikalischen Auftakt servierte den überaus zahlreich erschienenen Besuchern die Koblenzer Mundart-Rockband „AltstadtPänz“ um GKKG-Geschäftsführer Dirk Crecelius. Für ein attraktives Gesamtbild präsentierte sich vor der Bühne die „Hotzelfamillich“ der GKKG. Nach den begrüßenden Worten durch Claudia Probst (GKKG-Vorsitzende) setzte die Gruppe mit dem das Altstadtfest feiernden Hotzelslied der Eröffnung die Krone auf.
Verleihung des „Moddersprochpreises“
Doch der eigentliche Höhepunkt des Tages war die Verleihung des „Moddersprochpreises“, der in jedem Jahr an Persönlichkeiten vergeben wird, die sich im besonderen Maße um die Koblenzer Muttersprache verdient gemacht haben. In diesem Jahr entschied sich die GKKG gleich für zwei Preisträger: Otto Hellinger und Monika Retzmann. Da Hellinger, der Ehrencommodore des „Altherren-Korps 1936 Koblenz“ und Träger des „Großen Verdienstordens“ der „Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval“ im Mai dieses Jahres verstarb, übernahm den posthum an den verdienten Karnevalisten verliehenen Preis seine Ehefrau Margot.
Laudatio für Otto Hellinger
Manfred Gniffke, einer der ersten drei Moddersproch-Preisträger im Jahr 1988, hielt die Laudatio für Hellinger. Obwohl er 1944 nicht in Koblenz geboren wurde, sei der Otto ein richtiger Schängel gewesen, sagte er. Eben einer, der sich mit der Stadt und „den Leut“ identifizieren, der „mit uns lachen und auch trauern konnte“. Er habe viel getan für den Verein und für den gesamten Koblenzer Karneval. Obwohl er im Stadtteil Güls wohnte und „ganz anders schwätzte wie wir“, habe er „unsere gemeinsame Sprache“ gesprochen. Jemand, der wie Otto diese Sprache unterstützt, sei es wert, den Moddersprochpreis zu bekommen.
Tolle Gedichte habe er geschrieben, Wörter des Reimes wegen gar erfunden. Und niemand habe so über seine Witze lachen können, wie er selbst. Gniffke fand es nur schade, dass Hellinger erst jetzt, da er „tut“ sei, diese Ehrung erfahre. Doch er war sich sicher, dass er die Verleihung an diesem Tag „von oben“ mit ansehe.
Laudatio für Monika Retzmann
Der zweite Moddersprochpreis ging an die mitten im Leben stehende Gastronomin Monika Retzmann (Jahrgang 1966), Inhaberin des Alten Brauhauses Koblenz sowie der Brauhäuser in Neuwied und Mülheim-Kärlich. Ihr Laudator, Detlev Port, freute sich, dass mit der Wahl von „et Moni“ Koblenz Europa einen Schritt voraus sei.
Auch Retzmann ist keine gebürtige Koblenzerin, aber eine echte Powerfrau, die ihren Job versteht und liebt und den Gast stets in den Mittelpunkt rückt. Den Menschen mit Achtung zu begegnen, ist ihr ebenso wichtig, wie Mitarbeiter, die sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen. Nachdem sich Monika Retzmann artig bedankt hatte für die großartige Ehrung und Auszeichnung, ließen Daniel Ferber, der „singende Müllmann aus Koblenz“, und Dirk Crecelius gemeinsam das Lied „Dau bes main Stadt“, den Titelsong der AltstadtPänz-CD erklingen.
Die Gunst der Stunde, so viele Menschen beisammen zu haben, nutzte Manfred Gniffke, um sein neues Buch „Spurensuche in Alt-Koblenz“ vorzustellen, in dem er in 24 Artikeln „unvergessene Menschen, historische Straßen und Plätze, verbunden mit vergnüglichen und nachdenklich stimmenden Geschichten aus der Altstadt“ aus seiner eigenen Erinnerung heraus vorstellt. Texte und Fotos werden mit einer historisch-städtebaulichen Einordnung durch den Historiker Dr. Dr. Reinhard Kallenbach komplettiert. Dem Buch-Projekt folgen soll jetzt, wie Gniffke ankündigte, die Installation von 24 Info-Stelen in der Alt- und Innenstadt, an denen sich die Passanten über die Historie des jeweiligen Standpunktes informieren können.
Vermutlich wird in diesem Buch auch der Platz an der Liebfrauenkirche eine Rolle spielen. Der Platz, auf dem jetzt in geselligem Miteinander, in beinahe drangvoller Enge der Fortgang des Altstadtfestes gefeiert wurde.
Als „special guest“ waren zu erleben die Fußballer von TuS Rot-Weiß Koblenz, die hier ihre neuen Spieler präsentierten. Für den musikalischen Mehrwert zum Hinhören und Mitsingen sorgten an diesem Abend auf der Bühne Daniel Ferber & Band mit Koblenzer Schlager-Pop sowie die Cover-Rocker der PagemakerZ, die sich dem Classic-Rock der letzten Jahrzehnte verschrieben haben. Mit kulinarischen Genüssen wie Cocktail Stand, Bratwurstbude oder Bowle-Bar, Fahrgeschäften und einem bunten Programm für alle Generationen feierten die Koblenzer auch an den beiden folgenden Tagen ihr Altstadtfest. Auf den verschiedenen Bühnen standen zahlreiche Musiker und Bands, darunter Wallstreet, Mega Brass, Lukas Otte, Sidewalk und die Mephisto-Allstar-Band.
BSB
Mit drei Schlägen gelang Margit Theis-Scholz der Fass-Anstich. Für alle Fälle an ihrer Seite waren Kurt Isola (3. v. re.) und Detlev Port (re.).
