Schlosstheater für Menschen ab drei Jahre: Das Dschungelbuch
Mogli und die rote brennende Blume
Neuwied. Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom Dschungelbuch, ein Klassiker nach Motiven von Rudyard Kipling, großes Zeichentrickkino von Walt Disney. In Neuwied wurde die Geschichte des Findelkindes Mogli, der vom Panther Baghira beschützt wird, bei der Wolfsfamilie aufwächst und von Shir Khan, dem Tiger, gejagt wird, aktuell für die Bühne interpretiert und kindgerecht aufgearbeitet. Großes Bühnenspektakel mit Balu, dem Bär, den Elefanten, der Schlange Kaa und dem schlitzohrigen Affenkönig begeisterten die jungen und älteren Zuschauer und bescherten ihnen eine spannende, handyfreie und lustige Stunde im Theater. Dabei gibt es durchaus nachdenkenswerte Szenen. So ganz nebenbei wird den jungen Zuschauern vermittelt, dass der Mensch mit der „roten brennenden Blume“ den Urwald vernichtet. Fast kann man Shir Khan verstehen, wenn er die Menschen hasst. Auch die Charakterisierung der Menschen als diejenigen, die an ihrem Müll zu erkennen sind, schmeichelt nicht unbedingt. Aber am Ende geht die Geschichte natürlich erwartungsgemäß aus, das Gute siegt. Und Shir Khan bekommt seine Strafe, wie das Krokodil, das beim Kasperletheater am Ende immer verliert.
Turbulente Theatersafari
Kim Langner und Axel Weidemann, der auch Regie führte, bringen eine turbulente Theatersafari auf die Bühne, herrlich die Kostüme und das Bühnenbild von Tom Grasshof. Allein die Elefanten waren eine Augenweide! Die fünf Schauspieler agierten mit viel Temperament, eine bemerkenswerte sportliche Leistung. Jeder, außer natürlich Mogli (Marius Schneider) spielte in mehreren Rollen und traf die Charaktere der Figuren immer auf den Punkt. Ob Shir Khan oder der Affenkönig, gespielt von Thomas Peters, Christian Steinborn als Balu oder Wolfsjunge, Paul Behrens als Baghira oder Elefantenfeldwebel und Cheryl Angelika Baulig als Wolfsmutter oder Papagei – die Akteure spielten im Team, perfekt aufeinander abgestimmt, turnten in rasantem Tempo über die Bühne, und wechselten sofort bei Bedarf ihre Rolle. Man hatte das Gefühl, hier agieren mindestens zehn Schauspieler. Brillante Lichteffekte sorgten für den Tag und Nachtrhythmus und auch mal für Spannung. Auch wenn coronabedingt das Singen nicht erlaubt war, bespielte die musikalische Kulisse das Publikum auf das Beste. Ein großes Lob also auch an die Technik unter der Leitung von Thomas Riemenschnitter. Dank auch an Nina Horstmeier, die mit ihrer fantasievollen Bühnenmalerei dafür sorgt, dass man denkt, die letzten Urwälder könnten doch noch zu retten sein, wenn wir unseren Müll wegräumen und das Roden und Abbrennen stoppen.
Noch bis zum 31. Dezember ist das Dschungelbuch an verschiedenen Terminen zu sehen. Informationen und Karten gibt es unter www.schlosstheater.de.
-HE-
Mogli und Balu, der Bär probieren es mit Gempütlichkeit.
Mogli uns seine tierischen Freunde begeben sich auf eine turbulente Theatersafari. Fotos: Schlosstheater