Allgemeine Berichte | 26.10.2022

Kleines Ensemble mit großem Klang in der Abteikirche Bendorf-Sayn

„Mozart and Friends“ erwärmten die Hörerschaft

Musici di Sayn ließen schlechte Nachrichten für einen Moment vergessen.  Foto: E.T. Müller

Bendorf-Sayn. Mit ihrem Herbstkonzert in der Abteikirche Bendorf-Sayn ließen die Musici di Sayn schlechte Nachrichten für einen Moment vergessen. Bereits mit dem ersten Ton der heiteren Mozart-Sonate in C-Dur KV 14 erwärmten Ulrike Friedrich, Traversflöte, und Johannes Geffert, Cembalo, die Hörerschaft, wobei die kühlen Temperaturen für Instrumente und Fingermotorik eine Herausforderung darstellten. „Diese Sonate hat Mozart im Alter von sechs Jahren auf dem Schoß von Johann Christian Bach in London geschrieben“, erklärte Johannes Geffert und leitete über zum Alterswerk von Joseph Haydn der „als Senior für reiche adlige Geldgeber tätig war.“ Haydns 1794 geschriebenes Londoner Trio II in G-Dur brachten mit Veronika Stickel, Violine, drei Musici zu Gehör. Das Zusammenspiel war so perfekt, dass man mit geschlossenen Augen kein Trio, sondern ein größeres Orchester zu hören glaubte. Beeindruckend auch der beschwingte Wechsel zwischen Flöte und Geige.

Dann führte Johannes Geffert in seiner Moderation das Auditorium zurück zu Wolfgang Amadeus Mozart. Als der 22-jährige mit seiner Mutter auf Tournee war, erkrankte diese schwer und verstarb in Paris. Nur musikalisch konnte Mozart seiner Trauer Ausdruck verleihen, und er schrieb die einzige Moll-Sonate seines Lebens. Mit der Sonate in e-moll KV 304 setzten die Musici einen melancholischen Akzent. Bemerkenswert der innige Dialog von Violine und Cembalo im zweiten Satz. Mit dem anschließenden „Divertimento“ durfte man ein heiteres Stück erwarten, bedeutet das italienische Wort doch im Deutschen „Vergnügen, Spaß, Unterhaltung“. Mozarts Divertimento IV in C-Dur KV 439b,4 war für das fröhlich musizierende Trio – Ulrike Friedrich, Traversflöte, Veronika Stickel, Violine, und Johannes Geffert, Cembalo – die genau richtige Lektüre.

Mit dem „Oktober“ aus dem „Musikalischen Instrumentalkalender“ von Gregor Joseph Werner bot das Ensemble eine musikalische Überraschung. Vor dem geistigen Auge schritten im „Festlichen Aufzug“ bunt gekleidete Personen und Reiter auf, den „Fassbinder“ hämmerten die Musici wie ein Fassbinder die Fässer hämmert, „Die Jagd“ ließ die Motive flämischer Wandteppiche lebendig werden und auch den „Fröhlichen Ausklang“ konnten sich die Zuhörer bildhaft vorstellen. Bemerkenswert auch das „Menuett“, das vom klassischen 4, 8, 16 Takt abwich, dafür aber der Tageslänge im Oktober 11 Takte und den Nachtstunden des Monats 13 Takte widmete. Eine musikalische Besonderheit, die den Abschluss dieses lebendigen Konzertnachmittags bildete.Die Zuhörerinnen und Zuhörer dankten mit herzlichem Applaus. Dem Wunsch nach einer Zugabe kamen die Musici gerne nach und ließen noch einmal das Allegro aus Haydns Londoner Trio III erklingen. Auf den musikalischen Höhepunkt des Jahres können sich Musikfreunde schon jetzt freuen. An Silvester ab 18 Uhr wird das Ensemble „Musici di Sayn“ das alte Jahr in größerer Besetzung mit schönster Barockmusik ausklingen lassen. Da die sparsam beheizte Abteikirche dem barocken Winterfeeling authentisch nahekommt, sollte man den Jahresausklang in warmer Winterkleidung und in mitgebrachten Wolldecken genießen. Um es auch vergesslichen Zuhörerinnen und Zuhörern kuschelig zu machen, wollen die Organisatoren zusätzlich ein paar Wolldecken bereitlegen.

Kartenreservierungen über das Info-Telefon oder per Email sind möglich: Tel. (01 77) 5 99 65 21, gehaid23@gmail.com, www.musici-di-sayn.de.

Musici di Sayn ließen schlechte Nachrichten für einen Moment vergessen. Foto: E.T. Müller

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