Saitenspinner-Konzert im Lahnsteiner JUKZ
Musik für die Seele und das Ohr ohne Tricks
Lahnstein. Mit einer humorvollen Ansage durch Bandleader Peter Auras startete das Konzert der „Saitenspinner“ im Jugend- und Kulturzentrum: „Herzlich willkommen zur Jahreshauptversammlung des Vereins der Freunde und Förderer von Saitenspinner!“ Und es stimmt: Die Musikanten auf der Bühne pflegen Freundschaften mit dem Publikum im Saal. Mit ihren Stücken luden Lahnsteins Folk-Heroen „handgemacht“ zum musikalischen Kopfkino in verschiedene Länder ein. Nach dem obligatorischen Soundcheckblues, geschrieben von Peter Auras, ging es ins schottische Hochland mit Block- und Querflöte, gespielt von Gabriele Auras und Petra Schönrock-Wenzel beim Song vom Schafe scheren. Der Kontrabass kam zu Gehör beim „Lonesome traveller“, schon 1966 von Esther und Abi Ofarim veröffentlicht. Von wandernden Gesellen handelte das Stück „Fordre niemand mein Schicksal zu hören“, bei dem Manfred Heilscher die Konzertgitarre klampfte. Ein Handwerkerlied aus dem Vormärz (1843), welches schon im Repertoire von „Zupfgeigenhansel“ war. Die Geschichte vom Gaunerpärchen Betty and Dupree gehörte zu den lebensfrohen, beschwingten Nummern des Nachmittags. Pete Seeger schrieb das Stück, welches dereinst von Peter, Paul and Mary intoniert wurde.
Alte Töne neu gesponnen
Aus dem Goethe-Gedicht „La Marmotte“ und der Musik von Beethoven im 6/8 Takt machte Auras ein 4/4 Takt. So werden alte Töne neu gesponnen. Die fellbespannte Trommel wurde geschlagen bei der Reise in die Bretagne und dem Lied für Anne aus dem 16. Jahrhundert. Das Auditorium durfte dann mitschnippsen bei „Wade in the water“. Der Holzschuhtanz führte nach Flandern und ließ Sopranflöten und die Geige erklingen. Die Saitenspinner agierten vital und kreativ, das Publikum wippte mit den Füßen und summte vor sich hin. Melancholie pur bei der jüdischen Hymne „Hine ma tov“ nach dem Psalm.133. Auch der kürzlich verstorbene Harry Belafonte soll das Lied gecovert haben. Danach ging es nach Amerika, bereits Ende der 40er Jahre vertonte der große Woody Guthrie „900 miles“. Die Natur wurde in Töne gepackt im Lied von den schön leuchtenden Blaubeeren aus Schweden. Da dufteten Akaleien, Lilien, Rosen und Minze. Drei statt zwei Saiten pro Chor hat die Mandriola, die beim französischen Song über die Haushälterin „Curé“ von Schönrock-Wenzel gezupft wurde. Diese Liebesgeschichte war ohne Happy End. Einen Regenstab als Percussions-Instrument setzte Gabriele Auras bei „Evening Rise“ ein, einem sanftmütigen und sehnsuchtsvollen Song. Von Siegfried Rath (1920-2016) stammte das Mitsing-Lied „Freunde, es geht auf den Abend zu“. Auch beim Traditional „Die Leineweber haben eine saubere Zunft“ durfte mitgemacht werden: „Harum di scharum di schrumm, schrumm, schrumm.“ Selbstverständlich wurde auch die Hymne „Die Gedanken sind frei“ mitgesungen. Das wohl vor 1800 entstandene deutsche Volkslied ist in all den Ländern, wo Menschen sich bedrängt fühlen, aktueller denn je. A-capella, mit dem Kanon „Aus ist aus“ nach Antonio Caldara, endete das Konzert nach drei Zugaben. Einmal mehr glitzerten die Edelsteine des Folks, unplugged und unverfälscht, in der Spielstätte mit viel Intimität, dem JUKZ. Tröstlich für alle die Schlussworte von Peter Auras: „Wenn’s am schönsten ist, soll man normalerweise aufhören. Da wir aber nicht abschätzen können, wann es nun am schönsten ist, machen wir weiter.“ Auch nach 43 Jahren. Schon am 1. Juli 2023 open air in Gemmerich vor dem Beatles-Museum.
Was gefällt einem an „Saitenspinner“, der vierköpfigen Band mit Gabriele Auras, Petra Schönrock-Wenzel, Peter Auras und Manfred Heilscher? Eine kleine Pausenbefragung gab Antworten: „Die Vielseitigkeit, welche jeder Musiker auf vielen Instrumenten zeigt.“, „Dass sie so sympathisch mit ihrem Publikum umgehen.“ „Die Musik weckt Erinnerungen an die eigene Jugendzeit“, „Dass die Crew schon so lange als Band gut funktioniert.“
