Allgemeine Berichte | 19.10.2016

2.100 Leiharbeiter im Rhein-Sieg-Kreis

NGG will gleiches Geld für gleiche Arbeit

Rhein-Sieg-Kreis. Immer mehr „Jobs zweiter Klasse“: Die Zahl der Leiharbeiter im Rhein-Sieg-Kreis hat drastisch zugenommen. Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben der Arbeitsagentur 2.099 Beschäftigte in Leiharbeit – zehn Jahre zuvor waren es noch 1.372. Das bedeutet eine Zunahme von 53 Prozent, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt. Die NGG Köln spricht von einer alarmierenden Tendenz – und fordert die Politik zum schnellen Handeln auf.

„Gerade berät der Bundestag über ein Gesetz gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen. Die Zahlen zeigen, dass wir eine Regelung dringender brauchen denn je“, sagt NGG-Geschäftsführer Mohamed Boudih. Allerdings müsse am Gesetz noch deutlich nachgebessert werden, um den „Wildwuchs im heimischen Arbeitsmarkt“ wirklich zu bekämpfen. Dafür sollten sich jetzt die Bundestagsabgeordneten aus dem Rhein-Sieg-Kreis in Berlin starkmachen.

Bei der Leiharbeit werden Beschäftigte an einen Betrieb verliehen, wo sie dann für den gleichen Job weniger Geld bekommen als das Stammpersonal. Ursprünglich sollte das einmal auf Auftragsspitzen bei den Unternehmen beschränkt sein – „häufig nutzen Chefs das aber zur dauerhaften Lohn-Drückerei“, sagt Mohamed Boudih. Und die Leiharbeiter bekämen meist keine Chance, ins Stammpersonal aufzurücken. „Gerade in der nordrhein-westfälischen Lebensmittelindustrie wird Leiharbeit zum Problem. Und mit dem Missbrauch von Werkverträgen haben wir es besonders in der Fleischverarbeitung zu tun. Dabei sind Leiharbeiter – genauso wie Werkvertragsbeschäftigte – bei der Altersvorsorge und beim Urlaub schlechter gestellt als die Stammbelegschaft“, kritisiert der Gewerkschafter. Das neue Gesetz müsse dem Anstieg dieser „Zweite-Klasse-Jobs“ endlich einen Riegel vorschieben.

Der Gesetzentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles sieht im Wesentlichen vor, dass Leiharbeiter spätestens nach neun Monaten in einem Betrieb die gleiche Bezahlung bekommen wie das Stammpersonal. Die Höchstverleihdauer soll auf 18 Monate begrenzt werden. Dies gelte jedoch, so Boudih, „nur für Personen, nicht aber für die Arbeitsplätze. Damit können Leiharbeiter im Prinzip alle 18 Monate einfach ausgetauscht werden.“ Auch Betriebsräte sollen nach dem geplanten Gesetz lediglich Informationsrechte bekommen, aber keine Mitbestimmungsrechte, bemängelt die NGG.

„Trotz allem wäre das Gesetz ein erster Schritt“, betont Boudih. „Deshalb darf es im Bundestag auch auf keinen Fall scheitern.“ Die heimischen Parlamentarier seien in der Pflicht, die Interessen der wachsenden Zahl an Leiharbeitern und Werkverträglern zu vertreten. Dafür müsse das Gesetz so scharf wie möglich formuliert sein, fordert die NGG Köln. Erst dann werde sich der Negativ-Trend im Rhein-Sieg-Kreis umkehren – und der Leiharbeiter von heute zum Stammbeschäftigten von morgen. Pressemitteilung

der NGG Region Köln

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dauerauftrag 2026
Kleinanzeige Containerdienst
Dauerauftrag
Imageanzeige, 2. Anzeige "2+1" Aktion
Sommerfest der FFW Ahrweiler, 15. – 16.08.26
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0468#
Stellenausschreibung 2026/063 Verwaltungskraft (w/m/d)
Kirmes in Nickenich
Empfohlene Artikel
Wenn es um den 1. FC Köln geht, ist Jan-Niklas aus dem Kreis Ahrweiler mit dem Herzen dabei.
204

Kreis Ahrweiler. Wenn der 1. FC Köln spielt, ist für Jan-Niklas aus dem Kreis Ahrweiler Ausnahmezustand. Der 27-Jährige verfolgt die Partien seines Herzensvereins jedoch nicht nur vor dem Fernseher. Er nimmt Tausende Fans live mit. Auf YouTube kommentiert er die Spiele des FC mit viel Herzblut, Leidenschaft und Emotionen. Und wenn es auf dem Platz besonders gut oder besonders schlecht läuft, wird es in seinem kleinen Studio auch schon einmal laut.

Weiterlesen

Auf dem Tennisplatz ist Zoe Bleffert in ihrem Element.  Foto: privat
128

Altenahr. Mit gerade einmal 12 Jahren sorgt Zoe Bleffert aus Altenahr bereits weit über die Region hinaus für Aufsehen. Die talentierte Tennisspielerin gehört zu den größten Nachwuchshoffnungen Deutschlands, führt die DTB-Rangliste ihres Jahrgangs an und feiert auch auf internationaler Bühne beachtliche Erfolge. Im Gespräch mit BLICK aktuell spricht Zoe über ihren Weg an die nationale Spitze, ihren...

Weiterlesen

Der Spielplatz in Berg-Freisheim ist Gegenstand des aktuellen HeimatCheck.  Foto: privat
82

Berg-Freisheim. Im Rahmen des BLICK aktuell „HeimatChecks“ wurde die Redaktion auf den Zustand des öffentlichen Spielplatzes im Ortsteil Freisheim der Ortsgemeinde Berg aufmerksam gemacht. Ein Bürger schilderte mehrere Auffälligkeiten an der Anlage und äußerte die Sorge, dass einzelne Mängel zu einem erhöhten Verletzungsrisiko für Kinder führen könnten.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.  Foto: ROB
2128

Aus dem Polizeibericht

Einsätze für Feuerwehr und Polizei

Adenau. Am Mittwochabend (12.08.2026) wurde gegen 21:22 Uhr ein Vegetationsbrand an der Hohen Acht gemeldet. Unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Turms brannte auf einer Fläche von rund 700 Quadratmetern Wald in schwer zugänglichem Gelände.

Weiterlesen