Medienvertreter erlebten echten Alarm bei der Koblenzer ADAC-Luftrettung am Bundeswehrkrankenhaus
Nach 120 Sekunden hob Christoph 23 ab
2015 war der Rettungshubschrauber 1716 Mal im Einsatz – Straßenwacht half bei 23 600 Autopannen
Koblenz. Die „Garage“ für den gelben ADAC-Rettungshubschrauber auf dem Gelände des Bundeswehrkrankenhauses war in einen Raum für eine Pressekonferenz verwandelt worden. Wie üblich, gab es hier ein Podium mit Funktionsträgern, die den Medienvertretern Rede und Antwort stehen. Plötzlich unterbrach eine Sirene jäh die Konferenz zum „Tag des Helfens“. Pilot Stefan Goldmann, der Leitende Hubschrauberarzt Dr. Christoph Jaenig und ein Rettungsassistent sprangen auf und liefen nach draußen zu dem Hubschrauber, der 120 Sekunden nach dem Alarm abhob. Den hatte die Rettungsleitstelle Koblenz ausgelöst und per Fax der ADAC-Luftrettung die Daten mitgeteilt: Im Mühlental bei Kattenes brannte eine Mühle, die als Wohnhaus diente. Die Hubschrauberbesatzung konnte hier leider nicht helfen. Einen Tag später wurde in dem völlig abgebrannten Haus eine Leiche entdeckt, vermutlich die 75-jährige Bewohnerin.
Schwerpunkt Luftrettung
Da dies bei der Pressekonferenz alles nicht bekannt war, ging diese dann weiter mit Schwerpunkt Luftrettung, deren Bilanz Stationsleiter Frank Michels präsentierte. Bundesweit flog die ADAC-Luftrettung im vergangenen Jahr mehr als 54 000 Einsätze. Der Koblenzer Christoph 23 hob 1716 Mal ab, also durchschnittlich fast fünfmal pro Tag. 50 Prozent der Primäreinsätze erfolgten aufgrund eines internistischen Notfalls (zum Beispiel akute Herz- und Kreislauferkrankung). In zwölf Prozent der Fälle wurden die Lebensretter zu neurologischen Notfällen (wie zum Beispiel Schlaganfällen) gerufen, bei jedem zehnten Einsatz war ein Verkehrsunfall die Ursache.
Nach der Erstversorgung vor Ort wird der Kranke oder Verunglückte per Hubschrauber, das sind etwa 99 Prozent der Fälle, ins nächst gelegene Krankenhaus geflogen, das ist erst einmal das Bundeswehrkrankenhaus und zum Beispiel Kliniken in Montabaur, Neuwied und Mayen, wo die Retter nicht so gerne hinfliegen, da der Landeplatz nicht direkt am Krankenhaus ist. Im Notfall kann Christoph 23 auch zwei Patienten aufnehmen.
Ein neuer Hangar in Kürze
Übrigens hat Koblenz von den bundesweit 37 Stationen den kleinsten Hangar: „In etwa zwei Wochen wird aber ein neuer eingeweiht“, kündigte Frank Michels an. Hier wird der Hubschrauber alle 100 Flugstunden von einem angereisten Techniker gewartet und nach 400 Stunden muss Christoph 23 zur Inspektion in die Werft in St. Augustin geflogen werden.
Die Koblenzer Luftretter sind täglich von 7 Uhr bis Sonnenuntergang einsatzbereit mit drei Piloten des ADAC, vom Bundeswehrkrankenhaus acht Rettungssanitäter und 18 Ärzte. Bei Dunkelheit kann Christoph 23 aufgrund des Nachtsichtgeräts zwar fliegen, aber landen nur auf beleuchteten Plätzen, da das Nachtsichtgerät zum Beispiel eine Straßenlaterne nicht erkennt. Übrigens wird eine Luftrettung von der Krankenkasse bezahlt.
Reinhard Moll, Leiter der Kommunikation beim ADAC-Regionalclub Mittelrhein, appelliert bei der Luftrettung an die Autofahrer, dass sie nicht dicht an einen Unglücksort heranfahren, da der Rettungshubschrauber sonst keinen Platz zum Landen hat. Ferner soll bei Staus auf der Autobahn in der Mitte immer eine Gasse für Einsatz- und Rettungsfahrzeuge gebildet werden.
Einsatzbereich Pannenhilfe
Haupteinsatzbereich für den ADAC ist natürlich die Pannenhilfe. Hier stellten Klaus Schlingmann, Leiter Pannenhilfe Mitte im Gesamt-ADAC und Anke Majewski, Regionalleiterin Pannenhilfe Rheinland-Pfalz und Saarland, die Zahlen des vergangenen Jahres vor: 142 000 in der Region Mittelrhein. „Pannenhilfe wird besonders stark angefordert, wenn es sehr kalt oder sehr heiß ist, also im Juli/August und im Januar. In 31 Prozent aller Fälle ist es eine schwache oder defekte Batterie. 81 000 Fahrzeuge haben unsere Straßenwachtfahrer beschädigungsfrei geöffnet, da der Schlüssel nicht verfügbar war. 17 000 Autos hatten keinen Kraftstoff mehr und dann gab es noch 13 000 Schäden durch Marder“, erläuterte Schlingmann. In Koblenz und Umgebung hatten die Straßenwachtfahrer rund 23 600 Mal geholfen. Auf die ADAC-Aktionen, in Schulen und bei Jugendlichen präventiv auf die Gefahren im Straßenverkehr hinzuweisen, wies Herbert Fuss, Abteilungsleiter Verkehr und Technik beim ADAC Mittelrhein, hin.
Die Zahl der Mitglieder, die mit ihren Beiträgen Pannenhilfe und noch einiges mehr finanzieren, ist im ADAC Mittelrhein zufriedenstellend, betonte Geschäftsführer Curt Beckmann: „Trotz der Krise vor etwa einem Jahr haben wir unsere bisherige Mitgliederzahl wieder erreicht.“
HEP
Ab Alarm vergehen nur 120 Sekunden, bis der ADAC Hubschrauber zum Rettungseinsatz abhebt.
Nur Dekoration ist der alte Straßenwachtkäfer, den Andre Vogt (l.) und der gelbe Engel Christian Groß präsentieren.
