Allgemeine Berichte | 07.10.2021

Schauspieler und Autor Samuel Koch in der Stadthalle Montabaur

Nach dem Sinn fragen

Einblick in seine Lebensphilosophie

Samuel Koch auf der Bühne in Montabaur.Fotos: GBA

Montabaur. Nach seinem fast tödlichen Unfall wurde die größte und erfolgreichste Fernsehshow „Wetten, dass…“ wenige Zeit später abgesetzt. Samuel Koch, ehemaliger Kunstturner, beschrieb den anwesenden über 200 Menschen zählendem Publikum seinen Weg zurück ins Leben. Resilienz – diesem „Pseudo-Mode-Thema“, wie der gläubige Christ Koch das Wort bezeichnete, vermochte der diplomierte Schauspieler durch seine oft humorvollen und persönlichen, auf eigenen Erfahrungen basierten Betrachtungen in der Stadthalle einen philosophischen Tiefgang verleihen.

Sinn am Ende

Zu Beginn verglich Koch das Leben mit einem Film, dessen Sinn man manchmal erst gegen Ende erfassen könne. Seinen individuellen Sinn, seine Aufgabe im Leben, müsse jeder Mensch selbst finden, ist Koch sich sicher. Damit zum Beispiel eine Raupe zum Schmetterling werde, bedürfe es einer totalen Verwandlung. Dieser Transformationsprozess verlaufe oft mit Dunkelheit und Anstrengung und könne von außen gar nicht beschleunigt werden. Jeder Mensch habe einen spezifischen Sinn, einen Zweck, den nur er erfüllen könne. Dieser sei für Nichtkundige oft von außen gar nicht auf Anhieb erkennbar, wie zum Beispiel auch beim in seinem Buch „Stehaufmensch“ abgebildeten „Gehäusebodenöffner-Premium“, dessen Bestimmung kein Mensch im Publikum wusste. Es handele sich um ein Spezialwerkzeug zum Öffnen für alle Armbanduhren, die sein Opa benutzt habe, klärte Koch auf. Nach Besuchen in Sterbehospizen und Gefängnissen und der Begegnung mit Holocaust-Überlebenden kann Koch mit den gängigen Resilienz-Tipps nicht mehr so viel anfangen, weshalb er 20 alternative Resilienz-Säulen formuliert hat – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. So griff er das jedem Menschen bekannte Gefühl des „Sich-Ärgerns“ auf und schilderte am Beispiel eines stressigen Arbeitswochenendes humorvoll Situationen, in denen etwas unerwartet schief ging, aber nicht zu ändern waren. „Groll!“ – so Kochs wiederholt zusammenfassender einsilbiger Kommentar nach jeder Szene. Fazit: „Man kann sich ärgern, oder damit aufhören. Das ist eine Entscheidung!“ Und deswegen möchte er sich „eher der Sanftmut“ verschreiben.

Wert statt Nützlichkeit

Eine weitere Resilienz-Säule ist für Koch das Thema „Wert“. Gott liebe ihn, weil er sei, Kochs Wert hänge nicht von seiner Nützlichkeit, Verwertbarkeit oder Leistung ab, ist sich der vom Hals abwärts gelähmte Rollstuhlfahrer sicher. Viele Menschen definierten sich über die Reihenfolge Tun – Haben – Sein: „Sie sind wer, weil sie etwas getan oder erreicht haben.“ Koch dagegen halte es mit der Reihenfolge Sein – Haben – Tun: „Wir sind schon wertvoll, einfach, weil wir sind.“ Im Englischen werde der Mensch auch deswegen als „Human being“, und nicht als „Human doing“ bezeichnet. Auch wenn der Mensch hier auf Erden wohl nie auf alle Fragen eine Antwort bekomme, plädierte Koch in seinen folgenden Betrachtungen dafür, „hier auf Erden ein Stückchen Himmel“ zu feiern: „Tränen trocknen, Schmerzen lindern – das geht jetzt schon hier.“

Thema „Freitod“

Im sich anschließenden Gespräch mit dem ebenfalls im Rollstuhl sitzenden Pädagogen und Philosophen Dr. Thomas Schweikert setzte sich Koch dafür ein, die großen Lebensfragen dadurch zu beantworten, indem „man sie einfach lebt, auch mit dem Risiko zu scheitern, oder dass es wehtut.“ Zentral für die Beantwortung der Frage, ob es legitim sei, das eigene Leben als „Freitod“ zu beenden, ist für Koch, wem das Leben gehört. „Ich habe oft auch mehr Angst vor dem Leben, als ich vor dem Tod habe“, gestand er freimütig ein. „Für mich ist es das Mutigere zu leben.“

Musikalisch eingerahmt und begleitet wurde der Abend, der im Rahmen des fünftägigen Festivals „#Freiheit“ der Gesprächsreihe „Denkbares“ stattfand, von Dirk Menger (Klavier, Chello) und Mirjam Thöne (Gesang).

Mirjam Thöne im Gespräch mit Samuel Koch.

Mirjam Thöne im Gespräch mit Samuel Koch.

Dr. Thomas Schweikert und Samuel Koch reden über die großen Lebensfragen.

Dr. Thomas Schweikert und Samuel Koch reden über die großen Lebensfragen.

Samuel Koch auf der Bühne in Montabaur.Fotos: GBA

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Sandra Sattler: Der Zustand der L330 zwischen. Nassau und Zimmerschied ist eine absolute Katastrophe- und das nicht erst seit gestern! Wir sind wohnhaft in Hömberg und werden seit vielen Jahren mit diversen Ausreden vom LBM vertröstet.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
  • Beatrix Biskup: Ich habe Bibliotheken immer geliebt und ich freue mich über jeden Schritt den die Stadtbibliothek in Richtung Zukunft geht und über jede Veranstaltung die diese durchführen würde.
Daueranzeige
Imageanzeige - Dauerauftrag
Innovatives rund um Andernach
Tag der offenen Tür
Stellenanzeige
Mitarbeiter IT-Administrator
Leiter/in (w/m/d)
Sachbearbeiter/in (w/m/d)
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Empfohlene Artikel
Vom 6. bis 8. April 2026 machte das Infomobil des Deutschen Bundestages Station auf dem Himmeroder Wall in Rheinbach. Foto: Stadt Rheinbach
11

Rheinbach. Vom 6. bis 8. April 2026 machte das Infomobil des Deutschen Bundestages Station auf dem Himmeroder Wall in Rheinbach. Der 17 Meter lange und 26 Tonnen schwere Promotion-Truck tourt jährlich durch rund 60 Städte in ganz Deutschland. Ziel ist es, die Arbeit des Parlaments anschaulich zu vermitteln. Im Laufe von zwei Wahlperioden sollen so alle 299 Wahlkreise besucht werden.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Stadt Mayen trauert um ihren Ehrenbürger Mario Adorf.
38

Im Foyer des Rathauses in der Rosengasse liegt ein Kondolenzbuch aus, in das sich Bürgerinnen und Bürger eintragen können

Stadt Mayen trauert um Mario Adorf

Mayen. Die Stadt Mayen trauert um ihren Ehrenbürger Mario Adorf, der am 8. April 2026 im Alter von 95 Jahren verstorben ist.

Weiterlesen

Pfarrer Jörg Meyrer. Foto: privat
8

Sie ist gerade nicht besonders verlässlich. Kriege, Krisen, harte Worte in der Politik. Vieles ist in Bewegung, manches gerät aus den Fugen. Für uns Erwachsene ist es schon nicht einfach, alles zu verfolgen – und erst recht nicht, alles zu verstehen. Und zu begreifen, warum die Mächtigen ihre Gewalt- und Kriegsspiele treiben. Wie machen Kinder das?

Weiterlesen

Dauerauftrag
Rund um´s Haus
Dauerauftrag 2026
Oster-Anzeige
Imageanzeige Dauerauftrag 04/2026
Titel
Koblenz blüht
Schulze Klima -Image
Rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Unterstützeranzeige
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606 // Wohnträume MYK
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
  WÄRMEPUMPE ÖL/GASHEIZUNG
Stellenausschreibung Hausmeister/in